Immer diese Schweden!

Die Schweiz unterliegt dem Weltmeister nach grossem Kampf 3:4, ist aber im Viertelfinal.

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Die Ondrej-Nepela-Arena wurde ab 18 Uhr in ein rotweisses Meer getaucht. Schon länger war dieses Spiel gegen Schweden ausverkauft gewesen, Tausende Schweizer Fans waren fürs Wochenende angereist und sorgten vor und später im Stadion für Festatmosphäre – traditionell in den Landes­farben, in Bauernhemden, Trachten, rote Anzüge oder sogar in Kuhkostüme gekleidet. 363 Tage nach dem im ­Penaltyschiessen 2:3 verlorenen WM-Final gegen Schweden war Revanche angesagt, und zumindest auf den Rängen dominierten die Schweizer.

Doch trotz heissblütiger Fans und Spieler wurde es wieder nichts mit einem Sieg. 3:4 unterlag das Team von Patrick Fischer in einem mitreissenden Spiel, in dem es nicht schlechter, aber eine Spur weniger abgeklärt war. Das zeigte sich unter anderem nach dem 3:3 von Haas in der 51. Minute, dem zweiten Ausgleich der Schweizer. Statt zu versuchen, das Unentschieden zu halten, liessen sie nur 80 Sekunden später das 3:4 durch Ekman Larsson zu. Der Verteidiger war vergessen worden, konnte seitlich alleine auf Berra zufahren und traf via Pfosten zum Siegestor.

Das 3:3 durch Haas – nur eine kurze Freude. (Video: SRF)

Fischer ersetzte Berra zwar schon zwei Minuten vor Schluss durch einen sechsten Feldspieler, doch der Puck fand keinen Weg mehr vorbei an Lundqvist. Immerhin kassierten die Schweizer kein Gegentor mehr, was bedeutet, dass sie definitiv für den Viertelfinal qualifiziert sind. Ein Verpassen wäre nur möglich gewesen, wenn sie, Schweden und Lettland alle auf zwölf Punkte gekommen wären. In dieser Dreierkombination hätten sie aber dank des 3:1 über die Letten ein positives Torverhältnis, was zur Qualifikation reichen würde.

Abgesehen vom Resultat können die Schweizer viel Positives aus dieser Partie ziehen. Sie spielten jederzeit auf ­Augenöhe mit, brachten die Schweden mit ihrem Speed immer wieder in ­Bedrängnis. Am meisten zu gefallen wusste der Sturm mit Andrighetto, Haas und Scherwey, der zwei Tore beisteuerte. Keinen guten Abend hatte dagegen der vermeintliche Topsturm mit Fiala, und Hischier – die beiden standen bei drei der vier Gegentore auf dem Eis. ­Hischier wirkte nervös, immer wieder versprang ihm der Puck, er ging mit einer Minus-3-Bilanz vom Eis. In solchen Momenten muss man sich daran erinnern, dass er erst 20 ist.

Josi spielte über 27 Minuten und war erneut überragend

Erneut eine überragende Partie zeigte Josi, der das 2:2 Genazzis (28.) mit einem Geniestreich vorbereitete und über 27 Minuten Eiszeit hatte – klar am meisten aller Feldspieler beider Teams. In den Schlussminuten wirkte dann aber auch er etwas müde: «Wir haben mehr als nur gut mitgespielt», fand der Marathonmann. «Aber leider reichte es nicht. Es ist frustrierend. Aber es ist WM, das heisst: Spiel abhaken und das nächste angehen. Uns erwartet mit den Russen ein Team mit extrem viel individueller Klasse.»

Nach Josis Geniestreich trifft Genazzi zum 2:2. (Video: SRF)

Torschütze Haas ärgerten die schwedischen Kontertore zum 2:3 und 3:4 – jeweils unmittelbar nach Schweizer Treffern: «Da haben wir uns dumm verhalten.» Am Tag vor dem Spiel hatte der SCB-Center noch gesagt, er habe langsam genug von diesen Niederlagen gegen Schweden. Nun resultierte gegen die Nordländer die achte in ­Serie an einem grossen Turnier, die Olympischen Spiele inklusive.

Der erste Schweizer Treffer durch Andrighetto. (Video: SRF)

Letztmals zum Start der WM 2013 in Stockholm hatten die Schweizer die Schweden überraschen und 3:2 bezwingen können. Doch fast immer ­waren sie seitdem nahe dran. Das kann, das darf Mut geben. Man trifft sich nicht immer zweimal an einer WM – aber es wäre durchaus möglich. Im Halbfinal oder Final.

Telegramm:

Schweden - Schweiz 4:3 (1:1, 2:1, 1:1)

Bratislava. - 9085 Zuschauer. - SR Gouin/Nikolic (CAN/AUT), Jensen/Ondracek (DEN/CZE).
Tore: 5. Andrighetto (Haas) 0:1. 19. Wennberg (Klingberg/Ausschluss Simon Moser) 1:1. 26. Nylander (Hörnqvist, Larsson) 2:1. 28. (27:58) Genazzi (Josi/Ausschlüsse Larsson; Praplan) 2:2. 29. (28:28) Gustafsson (Nylander/Ausschlüsse Larsson; Praplan) 3:2. 51. (50:27) Haas (Scherwey, Bertschy) 3:3. 52. (51:47) Ekman-Larsson (Nylander, Wennberg) 4:3.
Strafen: 6mal 2 Minuten gegen Schweden, 3mal 2 Minuten gegen die Schweiz.
Schweden: Lundqvist; Larsson, Ekman-Larsson; Klingberg, Ekholm; Gustafsson, Marcus Pettersson; Elias Pettersson, Lindholm, Landeskog; Hörnqvist, Wennberg, Nylander; Kempe, Lander, Eriksson; Lindblom, Krüger, Rasmussen; Bratt.
Schweiz: Berra; Fora, Frick; Weber, Josi; Diaz, Genazzi; Loeffel; Ambühl, Bertschy, Simon Moser; Fiala, Hischier, Praplan; Andrighetto, Haas, Scherwey; Martschini, Kuraschew, Hofmann; Rod.
Bemerkungen: Schweiz ohne Janis Moser (verletzt), Genoni (Ersatztorhüter) und Mayer (überzähliger Goalie).
Pfostenschüsse: 3. Ekman-Larsson, 33. Kuraschew. - Schweiz ab 57:56 ohne Goalie.
Schüsse: Schweden 29 (12-10-7); Schweiz 24 (6-11-7).
Powerplay-Ausbeute: Schweden 1/3; Schweiz 0/6.

Resultate: Lettland - Russland 1:3 (1:0, 0:3, 0:0). Italien - Norwegen 1:7 (0:1, 0:0, 1:6). Schweden - Schweiz 4:3 (1:1, 2:1, 1:1).

Rangliste: 1. Russland 5/15. 2. Tschechien 5/12. 3. Schweden 5/12. 4. Schweiz 5/12. 5. Lettland 5/6. 6. Norwegen 6/6. 7. Österreich 5/0. 8. Italien 6/0. - Russland, Tschechien und Schweiz in den Viertelfinals.

Erstellt: 18.05.2019, 21:43 Uhr

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