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Neues Blut tut gut

Die ZSC-Lions sind zwar Erster, aber trotzdem weit von ihrem Anspruch entfernt.

Auston Matthews ist noch besser als erhofft. Foto: Daniela Frutiger (Freshfocus)
Auston Matthews ist noch besser als erhofft. Foto: Daniela Frutiger (Freshfocus)

Die ZSC Lions stehen zur Nationalteam-Pause da, wo man sie erwartet hatte: auf Rang 1. Trotzdem ist das bemerkenswert. Weil sie in der ersten Saisonphase von einer Verletzungswelle heimgesucht wurden. Beim Derby vom Freitag fehlten acht Stammspieler, gleichwohl gewannen sie es routinemässig 5:3. Wie sich herausstellte, dürfte nun auch Matthews mit einer Rückenblessur zwei Wochen fehlen. In der NHL spricht man von «Mannspielen» (man games), um die Summe von verpassten Partien der Verletzten zu beziffern. Die Zürcher kommen schon auf 85, beklagten pro Match also im Schnitt 4,5 Verletzte. Das ist für sie, die viel in die medizinische Abteilung investieren, unüblich. Und wird sicher intern analysiert.

Aus zwei Gründen konnten die Lions dies kompensieren. Einerseits, weil sie über ein breites Spielerreservoir verfügen und mit GCK ein Farmteam, bei dem sie sich jederzeit bedienen können – mit Konsequenzen in der NLB. Andererseits, weil Sportchef Edgar Salis bei den Transfers ein glückliches Händchen hatte. Die aktuelle Zürcher Bilanz ist mit 39 Punkten aus 19 Spielen fast die gleiche wie im Vorjahr (41 aus 20), die Hauptprotagonisten sind andere: Hatten Wick, Cunti und Chris Baltisberger 2014 zur gleichen Zeit schon 23 Tore erzielt, kommt das Trio nun auf 5. Die Offensivleader waren diesmal Matthews und seine Sturmpartner Nilsson und Herzog.

Star ohne Starallüren

Matthews und Herzog haben sich blendend eingefügt, auch der junge Suter ist eine Bereicherung. In der Abwehr haben Phil Baltisberger und Hächler ihre Rollen noch nicht gefunden, aber Geduld verdient. Die Blutauffrischung und weitere Verjüngung hat den talentierten Zürchern, die zur Selbstgefälligkeit neigen, gut getan. Und die Befürchtung, Wunderkind Matthews könnte für Unruhe sorgen, weil Coach Marc Crawford ihm mit Blick auf die eigene Karriereplanung einen Sonderstatus einräumt, erwies sich als unbegründet. Der 18-Jährige braucht das nicht. Er rechtfertigt seine Eiszeit mit Leistung und ist sehr professionell, zeigt keine Starallüren.

Grund zur Sorge ist indes, dass Stammgoalie Flüeler schon zum wiederholten Male mit Adduktorenproblemen ausgefallen ist. Die Zürcher können nicht immer einen Ersatzmann aus dem Hut zaubern, der seinen Job so gut macht wie Schlegel. Und je öfter sich dieser beweist, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass er (zum HCD) abwandert. Doch zurück zu den kurzfristigen Aussichten: Es ist gut, dass sich die Lions vorne positioniert haben. Und sie haben noch viel Raum zur Steigerung. Man hat den besten Wick, Cunti, Geering oder Seger noch nicht gesehen.

Das spricht nicht für die hinter den Zürchern rangierte Konkurrenz. Das Niveau in der Liga war nicht so hoch wie auch schon, vermeintliche Spitzenteams wie Lugano, Bern oder Davos tun sich schwer. Die Lions sind also gut beraten, ihre Leaderposition nicht überzubewerten. Sie sind auf dem richtigen Weg. Aber der Weg zum Titel – und der ist der Massstab – ist noch lang.

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