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«Nicht immer nur weisse Männer»

Es sollte nicht speziell sein, ist es aber dennoch. Die Toronto Maple Leafs haben zwei wichtige Positionen mit Frauen besetzt.

Kyle Dubas, General Manager der Toronto Maple Leafs
Kyle Dubas, General Manager der Toronto Maple Leafs
Chris Young, Keystone

Hayley Wickenheiser als «Assistenz-Direktorin Spielerentwicklung», Noelle Needham als Scout. Die Toronto Maple Leafs setzen auf Frauenpower. Und nicht nur bei den in der NHL traditionellen Ice Girls, die in den kurzen Werbeunterbrechungen in noch kürzeren Höschen das Eis entlang den Banden zusammenkratzen.

Oder, ebenfalls ein typischer Frauenjob in der besten Eishockeyliga der Welt, als Assistentin des Assistenten des Medienbetreuers, der meistens gleichzeitig der Assistent des PR-Verantwortlichen ist.

Trotz all den Vorreiterrollen in sportlichen und regeltechnischen Bereichen im Eishockeysport ist die NHL in vielem selbst im Vergleich aller grossen US-Sports nicht als fortschrittlich, sondern als eher «traditionell» zu bezeichnen.

Frauen in wichtigen Positionen, zum Beispiel als Skating Coach, gab und gibt es zwar hin und wieder in der NHL. Es sind aber absolute Ausnahmefälle.

Kyle Dubas wirbelt – nicht nur auf dem Statistikblatt

Darum sorgen die Anstellungen von Needham und vor allem Wickenheiser für erhobene Augenbrauen in der Macho-Welt des nordamerikanischen Eishockeys.

Verantwortlich ist einer, von dem man erwartet und in Toronto sogar erhofft hatte, dass er vieles ein wenig anders macht als andere: Kyle Dubas, der erst 31-jährige General Manager des (Anhänger der Montreal Canadiens und New York Rangers mögen verzeihen oder kurz wegschauen) vielleicht berühmtesten Eishockeyclubs der Welt.

Dubas ist seit drei Monaten im Amt, löste die 75-jährige Legende Lou Lamoriello ab und gilt bei Kritikern als reiner Statistik-Nerd und Analytics-Jüngling.

Dass das falsch ist, beweist Dubas nun doppelt. Erstens war am 1. Juli, dem ersten Tag des freien Spielermarkts, die Verpflichtung von Starspieler John Tavares der grösste Coup ligaweit.

Und zweitens, indem er nun Wickenheiser und Needham in sein Team einbindet, zeigt er, dass er in diesem erzkonservativen Business den Blick für Dinge ausserhalb des «NHL-Bubbles» besitzt.

Wobei Wickenheiser nicht irgendwer ist. Die 40-jährige Kanadierin ist quasi die «Wayne Gretzky des Fraueneishockeys» – die wahrscheinlich Erfolgreichste ihrer Sportart.

Hayley Wickenheiser feiert mit Kanada den Olympiasieg 2014 in Sotschi. (Bild: Paul Chiasson/Keystone)
Hayley Wickenheiser feiert mit Kanada den Olympiasieg 2014 in Sotschi. (Bild: Paul Chiasson/Keystone)

«Stelle Frauen ein!»

Dubas liess sich kürzlich, so schreibt es das US-Online-Sportmagazin «Athletic», mit einem bemerkenswerten Satz zitieren: «Es muss nicht immer ein weisser Mann sein.» Auf den Plan habe ihn Masai Ujiri gebracht, sein Amtskollege beim lokalen NBA-Basketballteam, den Toronto Raptors. Dieser habe ihm auf die Frage nach irgendeinem brauchbaren Tipp folgendes geantwortet: «Stelle Frauen ein!»

Einen Anfang hat Dubas nun gemacht. Wird er zum Trendsetter? Diese Frage stellte sich bereits bei seinem Amtsantritt und wegen seiner Vergangenheit als einer der ersten Verfechter der neuartigen Analytics und Advanced Stats im Eishockey.

Und schon stellen sich erste Kolumnistinnen und Kolumnisten in Nordamerika die Frage: Wie lange geht es noch, bis eine Frau hinter der Bande eines NHL-Teams steht?

Das dürfte allerdings noch dauern. Irgendwo hört die Experimentierfreudigkeit dann doch auf in der NHL. Einer Liga, in der ausser den Kurzepisoden um die Jahrtausendwende mit Alpo Suhonen und dem 2004 verstorbenen Ivan Hlinka, beide weiss und männlich, noch nie Europäer Headcoach-Positionen besetzen durften.

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