Niederreiter verspürt null Druck

Der Bündner steht mit Carolina im Playoff-Halbfinal vor wichtigen Partien. Sein Team liegt gegen Boston 0:2 zurück – wieder ist eine Wende gefragt.

Der Schweizer Routinier unter vielen Playoff-Neulingen bei Carolina: Nino Niederreiter.

Der Schweizer Routinier unter vielen Playoff-Neulingen bei Carolina: Nino Niederreiter. Bild: James Guillory/Reuters

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Wenn Rod Brind’Amour auf Nino Niederreiter angesprochen wird, gerät er ins Schwärmen. «Ich mochte ihn sofort. Obwohl nicht viel über ihn gesprochen wurde, sehe ich seine Verpflichtung als eine der besten der Saison an», sagt der Trainer der Carolina Hurricanes. Wer es nicht ganz so gut mit ihm meint, könnte Brind’Amour bei der Beurteilung seines Schweizer Stürmers, der am 17. Januar im Tausch für ­Victor Rask von Minnesota nach Carolina kam, Befangenheit vorwerfen. Schliesslich hatte der ­Kanadier während der Lockout-Saison 2004/05 einen Monat in Kloten mit Niederreiters Agent, Andy Rufener, zusammengespielt. Und dieser wiederum hatte Brind’Amour gleich nach der Niederreiter-Verpflichtung angerufen und ihm gesagt, dass er «diesen Kerl lieben» werde.

Doch Brind’Amour ist nicht dafür bekannt, Leuten das zu sagen, was sie gerne hören wollen. Vielmehr tritt er als Coach genau so auf, wie er es früher als Stürmer auf dem Eis getan hat: ehrlich, direkt, unmissverständlich. Und Niederreiters Statistik gibt ihm recht. In den 36 Vorrundenspielen hatte der Churer 30 Punkte verbucht. Zuvor waren es in 46 Partien für Minnesota lediglich 23 gewesen. Auch dank Niederreiters Leistungen hat Carolina erstmals seit 2009 wieder das Playoff erreicht. Es folgte ein unerwarteter Sieg in sieben Spielen gegen Stanley-Cup-Sieger Washington. Und im anschliessenden Viertelfinal wurden die New York Islanders glatt in vier Partien vom Eis gefegt.

«Einen Match stehlen»

«Wir sind nicht per Zufall hier, sondern haben sehr gutes Eishockey gespielt und es deshalb verdient», sagt Niederreiter gegenüber dieser Zeitung. Nun kämpft Carolina gegen Boston um den Finaleinzug. Man habe «null Druck», sagt Niederreiter. Das wiederum heisst jedoch nicht, dass Carolina den Final in der Eastern Conference als Schaulaufen ansieht und für Boston brav Spalier steht. Sie wollten probieren, «einen Match in Boston zu stehlen», hatte er vor dem ersten Spiel betont.

Doch das gelang nicht. Der Hurrikan hatte auf dem Weg gen Norden mächtig an Kraft verloren und war letztlich in Boston nur noch ein mittelstarker Wind gewesen. In der ersten Partie führten die Gäste nach zwei Dritteln zwar 2:1 und wirkten optisch überlegen, mussten aber im Schlussabschnitt noch vier Gegentreffer hinnehmen. Am Sonntag agierte Carolina dann viel physischer, checkte, schubste, rempelte mindestens so viel wie die Bruins – und hatte trotzdem beim 2:6 keine Chance.

Für die Hurricanes ist diese Situation nicht neu. Gegen Washington kam Carolina auch mit einem 0:2-Rückstand in der Serie zurück nach Raleigh – der Rest ist bekannt. Allerdings wirken die Bruins bislang ausgeglichener, effizienter und vor allem erfahrener. Das kommt nicht überraschend. Denn obwohl erst 26-jährig, zählt Niederreiter in seinem Team bereits zu den ­Älteren. Zudem gilt er unter den 13 Playoff-Neulingen mit seinen 52 Einsätzen in den K.-o.-Runden als Routinier. Nur Jordan Staal und Justin Williams haben noch mehr Spiele in der entscheidenen Phase absolviert – und bereits jeweils den Stanley Cup gewonnen. Mit ihnen bildet Niederreiter eine Sturmreihe. Doch offensiv kam das Trio bislang kaum zur Entfaltung. Vielmehr waren die drei damit beschäftigt, den Spielraum von ­Bostons Top-Reihe Bergeron, Marchand, Pastrnak, einzuengen. Zumindest das gelang ganz ordentlich, die drei verbuchten bisher nur ein Tor und drei Assists.

Verlockende Aussichten

Als das Playoff für Carolina begann, hatten die Hurricanes nicht einmal Richtung Final geschielt. «Der war da ja noch drei Runden weg», sagt Niederreiter. Nun hat das Team den halben Weg hinter sich. Und warum sollte mit den lautstarken Fans in den beiden Heimspielen nicht der Ausgleich in der Serie gelingen? Zumal Carolina als einziges Team daheim unbezwungen ist.

Die Aussicht, mit vier weiteren Siegen um den Stanley-Cup zu spielen, ist ebenso verlockend wie gefährlich. «Nur nicht zu weit nach vorne schauen, Schritt für Schritt gehen», fordert Niederreiter. Er weiss, dass die nächsten beiden Partien die wichtigsten seiner NHL-Karriere werden. Er will dafür sorgen, dass sein Trainer auch danach eine hohe Meinung von ihm hat.

Erstellt: 14.05.2019, 12:36 Uhr

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