Nilsson: «Bittersüss? Nein, nur süss»

Der ZSC verabschiedete sich am Samstag beim Spiel gegen Lugano (1:2) von Robert Nilsson. Der Schwede sagt, er sei versöhnt mit seiner Karriere.

Robert Nilsson und seine Frau Sasha wurden verabschiedet. Foto: Keystone

Robert Nilsson und seine Frau Sasha wurden verabschiedet. Foto: Keystone

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Es komme ihm schon etwas schräg vor, sagte Roman Wick am späten Samstagabend. «Von meinen Kollegen wird einer nach dem anderen verabschiedet. Es sind nicht mehr viele übrig aus meiner Generation.»

Die Zeremonie rund um Robert Nilsson ging dem 34-Jährige nahe. «Es waren auch meine besten Jahre, als ich mit ihm zusammenspielen konnte», sagte Wick. «Ich habe das sehr genossen und werde ihn extrem vermissen. Ich wünsche ihm nur das Beste.» Nilsson zieht mit seiner Frau im Februar zurück nach Stockholm, Wick spielt noch diese und nächste Saison, dann ist auch für ihn Schluss. Das hat er schon bekannt gegeben.

Ob Wick dereinst einen ähnlich rauschenden Abschied bekommen wird wie Nilsson, bleibt abzuwarten. Der Schwede spielte zwar nur rund viereinhalb Saisons für die ZSC Lions. Doch mit seiner Spielfreude eroberte er viele Herzen. Und so erstaunte es nicht, dass er am Samstag von den 9800 stehende Ovationen bekam, als für die Zeremonie aufs Eis Schritt. Seine Frau Sasha verdrückte eine Träne, auch Redner Walter Frey war sichtlich bewegt, Nilsson strahlte und winkte in die Ränge.

Verliebt in Zürich

Jeder wollte an diesem Abend noch ein Selfie mit ihm schiessen und wünschte ihm gutes Gelingen für sein Leben nach dem Eishockey. Er bedankte sich stets freundlich. In einer ruhigen Minute in der zweiten Pause sagte er: «Ich hatte nicht gedacht, dass es eine solch grosse Sache werden würde. Aber zwei Sekunden, bevor ich aufs Eis ging, dachte ich: Wow, das ist cool! Wir verliebten uns in Zürich, es ist für uns wie eine zweite Heimat geworden.»

Nilssons Penalty ins ZSC-Glück: So schoss der Schwede die Zürcher 2014 zum Titel. Video: SRF.

Abschiede sind bittersüss, doch Nilsson mochte das für den seinen nicht gelten lassen. «Ich spürte keine Bitterkeit», sagte er. «Ich war ja nun schon eine Weile verletzt, konnte mich länger darauf vorbereiten. Nein, es ist nur süss.»

Genau so unbeschwert lernte man ihn in Zürich kennen. Der TV-Sender ­Mysports zeigte ein Video des jungen Nilsson, wie er übers Eis tanzt wie ein Artist. Man fragte sich unweigerlich: Was wäre alles möglich gewesen für dieses Ausnahmetalent?

Das Unbeschwerte verloren – und wieder gewonnen

«Ach, da war ich elf, zwölf Jahre alt», sagte Nilsson schmunzelnd, auf jenes Video angesprochen. «Es sind glückliche Erinnerungen. In diesem Alter spielst du nur, weil du es liebst zu spielen. Du musst dir keine Gedanken machen über etwas anderes.» Diese Unbeschwertheit habe er später verloren. «Wenn du in die NHL kommst, hast du viel Verantwortung und Druck. Du musst deinen Job machen, sonst verlierst du ihn.»

Er sei sehr froh, habe er in ­Zürich den Spass wiedergefunden. «Ich war reifer, kannte mich besser. Ich wünschte, ich hätte diese Mentalität schon gehabt mit 20. Wenn meine ZSC-Teamkollegen sagen, ich sei nicht nervös gewesen hier, dann stimmt das. Aber wenn sie mich in Edmonton gesehen hätten, mit 22, da war ich die ganze Zeit nervös.» Seine Zürcher Zeit versöhnte ihn mit seiner Karriere.

Forsters Check gegen Nilsson am 19.1.2018. Video: SRF.

Einer wie er fehlte den ZSC Lions an diesem Wochenende, an dem sie mit Niederlagen in Rapperswil-Jona (0:3) und Lugano (1:2) einen empfindlichen Rückschlag erlitten. Einer, der das Spiel mit überraschenden Ideen aufbrechen konnte. Die Zürcher kamen schon zu Chancen, doch ihnen fehlten der Spielwitz und die letzte Entschlossenheit. Von 63 Schüssen fand in 120 Minuten nur einer den Weg an einem ihrer Ex-Goalies Melvin Nyffeler (Rapperswil-Jona) und Niklas Schlegel (Lugano) vorbei.

Und Pettersson schaut zu

Dies, nachdem die Zürcher zweimal gegen die SCL Tigers 6:1 gewonnen hatten. Und ausgerechnet, nachdem Roe und Krüger ins Team zurückgekehrt waren und Pettersson wieder zuschauen musste. «Ich muss langfristig denken», erklärte Coach Rikard Grönborg. «Wir müssen Roe und Krüger wieder aufbauen. Leider hat es sich kurzfristig noch nicht ausbezahlt.»

Es war für die ZSC Lions an diesem Samstag ein Abend zwischen Wehmut und Ohnmacht.

Erstellt: 19.01.2020, 21:16 Uhr

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