Pflichtaufgaben erfüllt – jetzt warten die Grossen

Andres Ambühl führt die Schweizer mit seinen WM-Toren 20 und 21 zum 4:1 über Norwegen.

Nico Hischier bringt die Schweiz gegen Norwergen sehenswert 2:0 in Front. (Video: SRF)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Nase blutete, doch Andres Ambühl war bestens gelaunt, als er nach dem Norwegen-Spiel vom Eis kam. Nicht nur der vierte Sieg im vierten WM-Spiel freute ihn, er hatte auch zwei Tore zum 4:1 beigesteuert. Seine Linie mit Moser und Bertschy funktioniert bestens, und wenn sie auch noch skort, ist das ein Bonus.

Die Chancen stehen gut, dass Ambühl in der Slowakei den Schweizer Rekordhalter Mathias Seger nach WM-Spielen übertrifft – er ist nun bei 103 angelangt, die Bestmarke steht bei 106. Und nebst den drei verbliebenen Gruppenspielen steht nach vier Siegen auch der Viertelfinaleinzug praktisch fest.

Ein anderer Rekord dürfte für Ambühl nur schwer zu brechen sein, obschon er näher rückt: die 28 WM-Tore, die der legendäre Bibi Torriani in den 30er-Jahren erzielte. Ambühl steht nun bei 21, vor ihm ist noch Martin Plüss mit 23. «Es müsste schon alles perfekt laufen, dass ich noch auf 28 komme», sagte Ambühl schmunzelnd.

Mit 35 ist er der Älteste im Team, für den Jüngsten, den Verteidiger Janis Moser, ist die WM vorbei. Der 18-Jährige erlitt im Österreich-Spiel eine Handgelenkverletzung. Patrick Fischer stehen damit noch sieben Verteidiger zur Verfügung. Vorderhand verzichtet er aber, einen Abwehrspieler nachzunominieren.

«Wir haben ja auch noch ­Ambühl, der verteidigen kann», sagte Fischer mit einem Augenzwinkern. Und: «Wir schauen noch über den Teich, was dort passiert.» Also in die NHL, wo Nino Niederreiter mit Carolina auch das dritte Halbfinalspiel gegen Boston verloren hat. Einen Platz hat Fischer ja noch offen.

Hischiers Geniestreiche

Wenn nach WM-Spielen solche Diskussionen geführt werden, zeigt das, wie weit das Nationalteam inzwischen ist. Seine Pflichtaufgaben hat es souverän erledigt. Nur gegen Lettland (3:1) wurde es knapp, doch da machte Hischier mit dem späten 2:1 den Unterschied. Es ist eindrücklich, wie der 20-Jährige in jedem Spiel gut ist für einen Genieblitz. Gegen die Norweger schoss er zu Beginn des Mittelabschnitts das 2:0 mit einer Art «Buebetrickli». Man hat bei Hischier das Gefühl, dass er viele Situationen schneller erfasst als die anderen.

Gegen die Norweger war den Schweizern anzumerken, dass es ihr zweites Spiel innert 18 Stunden war – und das vierte innert fünf Tagen. Sie wirkten nicht mehr so frisch, auch gedanklich, liessen ein paar Möglichkeiten mehr zu als sonst. «Es ist jetzt gut herausgekommen, aber das müssen wir wieder abstellen», sagte Ambühl. Der Nationalcoach war weniger kritisch: «Ein Riesenkompliment an die Spieler», sagte Fischer. «Eishockey ist ein harter Sport. Man muss Checks annehmen, immer hart arbeiten, und wenn ein Spiel aufs andere folgt, ist das schwierig. Das Team hat das sehr gut gelöst.»

Weiter geht es nun gegen die Grossen: Am Samstag steht die Finalrevanche gegen Schweden am. Am Sonntag gilt es, die russische Offensivmaschinerie zu stoppen. Und am Dienstag spielen die Schweizer gegen die Tschechen, die in Bratislava frenetisch unterstützt werden.

Ein verregneter freier Tag

Doch zuerst folgen nun einmal zwei spielfreie Tage zur Erholung. Den heutigen Donnerstag haben die Spieler zu ihrer freien Verfügung. Er werde sich wohl einmal die Stadt anschauen, blickte Ambühl voraus. Das Wetter spielt momentan aber nicht mit. Gestern musste die Fan­zone in Bratislava wegen heftiger ­Gewitter geschlossen werden.

Resultate und Ranglisten:

Gruppe A (in Kosice): USA - Grossbritannien 6:3 (1:1, 3:1, 2:1). Deutschland - Slowakei 3:2 (0:0, 1:2, 2:0). - Rangliste: 1. Deutschland 4/12 (12:5). 2. USA 4/8 (17:10). 3. Finnland 3/7 (9:6). 4. Kanada 3/6 (15:8). 5. Dänemark 3/5 (15:6). 6. Slowakei 4/3 (13:14). 7. Frankreich 3/1 (6:16). 8. Grossbritannien 4/0 (4:26).

Gruppe B (in Bratislava): Schweiz - Norwegen 4:1 (1:0, 1:0, 2:1). Russland - Italien 10:0 (4:0, 4:0, 2:0). - Rangliste: 1. Russland 4/12 (23:2). 2. Schweiz 4/12 (20:2). 3. Tschechien 3/6 (12:7). 4. Lettland 3/6 (9:5). 5. Schweden 3/6 (19:6). 6. Österreich 3/0 (2:14). 7. Norwegen 4/0 (6:25). 8. Italien 4/0 (0:30).

Erstellt: 15.05.2019, 23:28 Uhr

Artikel zum Thema

WM-Ende für Janis Moser

Für Janis Moser ist die Eishockey-WM bereits Geschichte. Der Youngster erlitt eine Handverletzung. Mehr...

«Je mehr Eiszeit er bekommt, desto besser spielt er»

Video 4:0 gegen Österreich, die Schweizer Eishockeyaner siegen weiter. Das waren die drei prägendsten Figuren im Nachbarschaftsduell. Mehr...

Und plötzlich sitzt das Idol daneben

Die Schweizer Teenager Philipp Kuraschew und Janis Moser sind an der WM nicht nur dabei, sondern mittendrin. Ihr steiler Aufstieg ist ein Abbild des neuen Jugendstils im Welteishockey. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Beruf + Berufung Wo digitale Nomaden der Einsamkeit entkommen

Geldblog PK-Vorbezug: Bedenken Sie die Folgen!

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Herbstlich gefärbte Weinberge: Winzer arbeiten in Weinstadt, im deutschen Baden-Württemberg. (17. Oktober 2019)
(Bild: Christoph Schmidt/DPA) Mehr...