Zum Hauptinhalt springen

Problemfall Eishockey-Justiz

Das System hat schon vor dem Fall Blindenbacher viel Vertrauen verspielt.

Philipp Muschg
Er fehlt den ZSC Lions. Aber wie lange noch? Heute kommt das Urteil gegen Severin Blindenbacher (links), der zu Beginn der Playoff-Serie noch gegen Luganos Alessio Bertaggia kämpfen konnte.
Er fehlt den ZSC Lions. Aber wie lange noch? Heute kommt das Urteil gegen Severin Blindenbacher (links), der zu Beginn der Playoff-Serie noch gegen Luganos Alessio Bertaggia kämpfen konnte.
Keystone

Leicht gequält war der Gesichtsausdruck von Severin Blindenbacher, als er kurz vor Spielbeginn sein Gesicht auf dem Grossbildschirm des Hallen­stadions entdeckte. Er sass in Zivil auf der Tribüne statt auf der Spielerbank, neben ihm der verletzte Robert Nilsson und der ebenfalls gesperrte Patrick Thoresen. Das Bild des Trios wollte und wollte nicht vom LCD-Schirm verschwinden, Blindenbachers Miene blieb finster, die Botschaft ans Publikum war klar. Erstens: Auch diese drei unterstützen uns. Zweitens: Diese drei wurden uns ­genommen.

Während Nilssons Fehlen auf einen Unfall zurückgeht, wurden Thoresen und Blindenbacher am Montag vom Einzelrichter gesperrt. Und darum wirkte ihre Präsentation gestern zugleich wie ein Vorwurf an die Justiz. Auch wenn das niemand beim ZSC so sagen würde: Es herrscht der Eindruck eines Willkürsystems.

Dass der Club keinen Rekurs einlegte gegen die nach nicht weniger als vier Tagen Entscheidungszeit verhängte Thoresen-Sperre hat nicht nur damit zu tun, dass für die Formulierung des Rekurses bloss 15 Stunden blieben. Sondern auch damit, dass die Zürcher fürchteten, das Strafmass könnte noch erhöht werden.

Der Grund fürs verlorene Vertrauen ins System: Das Spiel am 7. März, als Servettes Vukovic dem Zuger Senteler zwei zweihändige Stockschläge verabreichte, dann einen Crosscheck. Der Player Safety Officer (PSO), dem Namen nach für den Schutz der Spieler verantwortlich und in seiner Hauptfunktion Ankläger, sah in seiner Anklageschrift bloss den ersten Stockschlag, schaffte es nicht einmal, das Vergehen korrekt zu benennen («sal­shing» statt «slashing») und schlug als Strafe nur eine einzige Spielsperre vor.

Wick: «Es ist einfach schlecht»

Der Einzelrichter erhöhte die Strafe nach einer Einsprache von Zug auf drei Spiele, erklärte in seinem 7-seitigen Entscheid aber, sie könnten nur auf das vom PSO beklagte Vergehen urteilen, also den ersten Stockschlag. Für mehr hätte es einen «Club Request» des EVZ gebraucht, und der sei ausgeblieben.

Ob das formaljuristisch korrekt ist oder nicht: Der Eindruck bei Clubs, Spielern und Öffentlichkeit ist der eines Justizversagens. Oder wie ZSC-Stürmer Wick das System erlebt: «Es ist einfach schlecht.» Bis heute um 18 Uhr wird das Urteil gegen Blindenbacher bekannt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch