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Raus aus der Schublade

Er schiesst genauer als Wayne Gretzky und ist Stanley-Cup-Sieger. In Zug will der Schwede Viktor Stålberg den Spass wiederfinden – und einen Titel.

Marco Keller, Zug
Lieber die Schweizer Liga als die NHL: Viktor Stålberg freut sich auf die Neuausrichtung in Zug. Foto: Urs Flüeler (Keystone)
Lieber die Schweizer Liga als die NHL: Viktor Stålberg freut sich auf die Neuausrichtung in Zug. Foto: Urs Flüeler (Keystone)

Da wäre sogar Wayne Gretzky erblasst. Den Puck an beide Pfosten und den Rahmen zu zirkeln, wäre wohl auch für «The Great One» zur unlösbaren Aufgabe ­geworden. Viktor Stålberg gelang dieser Präzisionsschuss 2011, wenn auch ­unfreiwillig. Chicagos Stürmer lief zum Penalty an, legte sich die Scheibe auf die Backhand und setzte sie an den rechten Pfosten. Von dort aus kullerte sie an die Querlatte und weiter an den linken Pfosten. «Ich hatte schon etwa 15 Partien nicht mehr getroffen», erinnert sich Stålberg lachend, «und ich war überzeugt: Jetzt werde ich nie mehr ein Tor schiessen.»

Genau genommen, waren es 19 Partien, in denen Stålberg vorher leer ausgegangen war. Seine Befürchtungen nach dem artistischen Fehlschuss erfüllten sich indes nicht, kurz darauf traf er wieder. Was blieb, waren Foppereien seiner Kollegen sowie ein Video, das 600'000-mal angeklickt wurde.

Neun Jahre verbrachte er in der NHL, diesen Sommer war für den gebürtigen Göteborger Schluss. Ottawas Headcoach Guy Boucher hätte ihn gerne behalten, auch andere Clubs wollten ihn – für ihn waren aber die jeweiligen Gesamtpakete zu wenig ­attraktiv: «Die Angebote waren nicht so gut, dass es sich gelohnt hätte, zu bleiben. In der NHL bestreitet man viel mehr Spiele, und man ist durch die ­vielen Reisen sehr oft von der Familie entfernt. Meine Verlobte und ich ­erwarten im Oktober unser erstes Kind, da ist das ein wichtiger Faktor.» Noch wichtiger aber ist etwas anderes: «Ich will eine grössere Rolle, eine offen­sivere.» Und bestimmt fügt er an: «Und ich will wieder mehr Spass haben.»

«Ich will eine grössere Rolle, eine offen­sivere. Und ich will wieder mehr Spass haben.»

Hat man als etablierter Spieler in der besten Eishockeyliga der Welt nicht automatisch Spass? Nicht, wenn man wie Stålberg in einer Schublade steckt, aus der es kaum ein Entrinnen gibt. In seinem Fall war es diejenige der Defensivspieler aus dem dritten oder vierten Block mit acht bis zwölf Minuten Eiszeit. Und hohem Frustpotenzial: «Es gibt Abende während der Saison, an denen man denkt, Eishockey sei nicht der beste Job.»

Die Stålbergs hatten Optionen. ­Russland war für die Jung­familie trotz grosser finanzieller Verlockung keine, und letztlich war die Schweiz attraktiver als Schweden. Aus verschiedenen Gründen, sagt Stålberg: «Das Eishockey ist hier offensiver, macht mehr Spass und ist ­weniger strukturiert. Die Lebensqualität ist auch hoch, der Lohn stimmt, und die Steuern sind tief.»

2,5 Millionen bei der Parade

Mit Stålberg bekommt der EVZ nicht nur einen Mann, der sagt, was er denkt, sondern auch einen Allrounder. Für seine Körpermasse von 191 Zentimetern und 95 Kilogramm ist er erstaunlich agil, er weiss, seinen Körper einzusetzen, verbringt aber kaum Zeit auf der Strafbank. Trotz limitierter Eiszeit liess er sich in 548 NHL-Partien 179 Skorerpunkte notieren, davon 84 Tore.

An diesen Werten will er in Zug arbeiten: «Ich will ein Spieler sein, den die Jungs in verschiedensten Situationen ­suchen können.» Dass er auch ein Offensivfaktor sein kann, bewies er in der Lockout-Saison, als er für Atlant Mytischi und Västra Frölunda im Durchschnitt rund 1 Skorerpunkt pro Spiel produzierte.

Seine Zeit in Nordamerika, die einst am College in Vermont begann, bezeichnet er als «toll». Besonders in Erinnerung bleibt sein erstes NHL-Spiel mit ­Toronto gegen Montreal, dann die ­Saison 2011/12, als er für Chicago 22 Tore ­erzielte: «So viele Spieler träumen von der 20-Tor-Marke.»

Hungrig nach mehr

Über allem steht natürlich der ­Gewinn des Stanley Cup mit den Blackhawks. «Das war unvergleichlich. Es ist die coolste Trophäe im Sport, nichts ist so schwierig, wie sie zu gewinnen.» Zweieinhalb Millionen Fans säumten die Siegesparade, dann wurde eine Woche gefeiert. «Chicago ist eine tolle Stadt, um den Titel zu holen», schmunzelt er.

31 ist Stålberg nun und freut sich sehr auf diese Neuausrichtung. Er hat noch hohe Ziele: «Ich glaube, ich habe noch fünf Jahre gutes Eishockey in mir, ich bin hungrig und fit. Und hoffentlich kann ich mit Zug einen Titel gewinnen.» Man sieht es Viktor Stålberg an: Es wäre ein Szenario, das ihm ausnehmend viel Spass bereiten würde.

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