Roe trifft, passt und chrampft

Der Amerikaner führt die ZSC Lions zu einem souveränen 3:1 im Spitzenkampf gegen Lausanne – und übernimmt wieder die Führung in der Skorerwertung.

Brillierte beim ZSC: Garrett Roe (vorne). (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Brillierte beim ZSC: Garrett Roe (vorne). (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In der schmucken Vaudoise Aréna traf das beliebte Sprichwort für einmal nicht zu: Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Das Lausanner Publikum feierte das späte Tor Bertschys gegen die überlegenen Zürcher fast wie einen Sieg. Nur 3,4 Sekunden fehlten Flüeler zum zweiten Shutout in Folge, dann musste er sich doch noch geschlagen geben. Rikard Grönborg nahm die Coaches’ Challenge, um das Tor ungeschehen zu machen, doch die Schiedsrichter konnten keine Regelwidrigkeit ausmachen. Das 1:3 Lausannes zählte, die Zuschauer applaudierten begeistert.

Doch eben, das war nicht viel mehr als eine Randnotiz an einem Abend, an dem die Zürcher zeigten, wie weit sie in der noch jungen Saison schon sind. Im Duell der beiden Teams mit dem besten Punkteschnitt waren sie in allen Belangen überlegen. Am Dienstag hatte Lausanne den EVZ noch 2:1 geschlagen, doch die Lions gaben von Beginn weg den Takt an. Ihr Sieg hätte auch noch höher ausfallen können. Und man merkte nicht, dass mit Wick und Diem erneut zwei wichtige Stürmer fehlten. Es machte vielmehr Spass zu beobachten, wie die Jungen wie Sigrist langsam wachsen.

Mustergültiger Konter

Hatte beim 2:0 am Dienstag gegen Servette die dritte Linie um Prassl für die Differenz gesorgt, waren es diesmal die Ausländer, die offensiv die Glanzpunkte setzten. Roe schloss einen mustergültigen Konter nach 149 Sekunden mit dem 1:0 ab. Pettersson (17.) erhöhte im Powerplay auf 2:0. Noreau sorgte in der 37. Minute inmitten einer guten Lausanner Phase mit dem 3:0 für die Entscheidung. Bei diesen beiden Toren hatte Roe jeweils die Vorarbeit geleistet: zu Petterssons Direktschuss mit einem brillanten Querpass, zu Noreaus Treffer, indem er den Puck in der gegnerischen Zone eroberte und ihn dann zum Verteidiger spielte.

Der Amerikaner übernahm mit den Punkten 20, 21 und 22 wieder die Führung in der Skorerwertung vor Zugs spielfreiem Grégory Hofmann (20). Und der Wert des Centers kann nicht einmal an den Punkten gemessen werden, denn er ist omnipräsent, auch defensiv sehr aufsässig.

Die ZSC Lions sind nicht nur in der Rangliste die klare Nummer 1, mit vier Punkten Vorsprung auf Biel, sondern auch nach erzielten Toren mit 58 oder etwas über 3,6 im Schnitt. Und inzwischen schaffen sie es auch, ihr Spiel in der Fremde besser durchzuziehen. Das 3:1 war ihr zweiter Auswärtssieg in Folge nach dem 4:2 vor Wochenfrist in Freiburg.

Andersson als Lösung?

Was die Offensive betrifft, dürften die Zürcher auch für die Zukunft gerüstet sein. Kritischer sieht es in der Abwehr aus: Sutters Abgang per Ende Saison ist vorgezeichnet – der stämmige Verteidiger ist nur noch Zuschauer. Berni möchte sich in Nordamerika versuchen. Hinter Blindenbachers Zukunft steht ein Fragezeichen. Sportchef Sven Leuenberger dürfte sich Gedanken machen, ob Berns Andersson die richtige Ergänzung wäre.

Der Schwede mit auslaufendem Vertrag, Schweizer Lizenz und Offensivflair wird indes von der halben Liga umworben. Mit dessen Landsmann Grönborg an der Bande hätten die Zürcher immerhin ein Argument, das über das Monetäre hinausgeht.

Lausanne - ZSC Lions 1:3 (0:2, 0:1, 1:0)
8002 Zuschauer. – SR Tscherrig/Stolc, Cattaneo/Seewald. Tore: 3. Roe (Suter) 0:1. 17. Pettersson (Roe, Noreau/Ausschluss Moy) 0:2. 37. Noreau (Roe) 0:3. 60. (59:57) Bertschy (Kenins, Jeffrey) 1:3 (Lausanne ohne Torhüter).
Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen Lausanne, 4-mal 2 Minuten gegen ZSC Lions. – PostFinance-Topskorer: Bertschy; Roe.
Lausanne: Stephan; Heldner, Junland; Lindbohm, Frick; Grossmann, Genazzi; Nodari; Bertschy, Jeffrey, Vermin; Leone, Emmerton, Kenins; Moy, Almond, Herren; Traber, Froidevaux, Antonietti.
ZSC Lions: Flüeler; Noreau, Marti; Phil Baltisberger, Geering; Trutmann, Berni; Blindenbacher, Sutter; Pettersson, Roe, Suter; Hollenstein, Krüger, Bodenmann; Chris Baltisberger, Prassl, Sigrist; Simic, Schäppi, Pedretti.
Bemerkungen: Lausanne ohne Jooris (verletzt), Wärn (überzähliger Ausländer), ZSC Lions ohne Wick und Diem (beide verletzt) sowie Ortio (überzähliger Ausländer). – Latte: 24. Roe. – 58. Timeout Lausanne von 57:19 bis 59:57 ohne Torhüter. – 60. Almond verletzt ausgeschieden.

Rangliste: 1. ZSC Lions 16/33 (58:40). 2. Biel 16/29 (43:39). 3. Genève-Servette 16/26 (44:42). 4. Lausanne 14/24 (40:39). 5. Lugano 14/22 (39:39). 6. Zug 13/21 (47:39). 7. Rapperswil-Jona Lakers 15/21 (38:42). 8. Bern 15/19 (45:49). 9. SCL Tigers 15/19 (36:46). 10. Davos 10/18 (34:27). 11. Ambri-Piotta 15/15 (32:43). 12. Fribourg-Gottéron 13/11 (24:35).


Eisbrecher – der Hockey-Podcast von Tamedia

Die Sendung ist zu hören auf Spotify sowie auf Apple Podcast. Oder direkt hier:

Erstellt: 25.10.2019, 23:39 Uhr

Artikel zum Thema

Die Zürcher Jugend forscht – und trifft

Beim 2:0-Sieg der ZSC Lions über Servette macht die dritte Linie mit den Youngstern die Differenz. Mehr...

Ein Abend auf der Baustelle

Die ZSC Lions siegen in Freiburg 4:2 und damit zum zweiten Mal in der Fremde. Der neue Leader der National League hätte sich die Aufgabe aber noch deutlich leichter machen können. Mehr...

Minimalismus lohnt sich

Die ZSC Lions starten gegen die SCL Tigers miserabel und triumphieren am Ende doch – dank einem packenden Finale 5:4 in Overtime. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Fast wie auf der Titanic: Ein Liebespaar betrachtet die untergehende Sonne im untergehenden Venedig (17. November 2019).
(Bild: Luca Bruno) Mehr...