Roman Josi stellt die Weichen zum Sieg

Lange tat sich die Schweiz gegen Österreich schwer, doch sie gewann noch 4:0.

Roman Josi lenkt das Spiel mit einem abgelenkten Weitschuss in die richtigen Bahnen. (Video: SRF)

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Eine der bekanntesten Sportweisheiten lautet: «Wer die Tore nicht schiesst, bekommt sie.» Im dritten Schweizer Gruppenspiel in Bratislava wurde sie für einmal widerlegt. Das Team Patrick Fischers liess eine Chance nach der anderen aus, der Linzer Ersatzgoalie Kickert schien phasenweise unbezwingbar. Erneut drohte ein Punktverlust gegen den Nachbarn, gegen den die Schweizer 2018 im WM-Startspiel nur einen 3:2-Overtimesieg geschafft hatten. Doch dann hatte Josi genug. In der 54. Minute drosch er wuchtig auf den Puck ein, der wurde leicht abgelenkt und brauste zum 2:0 ins Lattenkreuz.

Der 40. Schuss der Schweizer führte so zur Entscheidung in einem lange zähen Spiel. Den ersten Treffer hatte Fiala 33 Sekunden vor Ablauf des Startdrittels erzielt, nach einem schönem Querzuspiel Hischiers. Es ist kein Zufall, dass die NHL-Cracks die wegweisenden Tore erzielten. Doch wenn die Schweizer in Bratislava wieder Richtung Medaillen stürmen wollen, müssen auch andere ihre Offensivstärke finden. Im Finish trafen noch Kuraschew (58.) und Andrighetto (60.) zum standesgemässen 4:0.

Mit Andrighetto gab gegen Österreich ja ein fünfter NHL-Spieler seinen Einstand. Für ihn musste Genazzi weichen, Fischer zog die Variante mit 7 Verteidigern und 13 Stürmern vor. Auch, um Josi mehr Eiszeit zu verschaffen und ihn so in Schwung zu bringen. Der Nashville-Captain genoss das sichtlich und krönte seine starke Leistung mit seinem Tor. Andrighetto spielte in einer Linie mit Haas und Scherwey, das Trio harmonierte noch nicht optimal. Dafür rückten Ambühl und Moser in die vierte Linie mit Bertschy und kam Rod nur noch als 13. Stürmer zum Einsatz.

Berras zweiter Shutout

Gegen Gegner wie Österreich macht es Sinn, ein Team mit möglichst viel Offensivpotenzial zu nominieren. Doch eben: Die Rechnung ging lange nicht auf. Im Mittelabschnitt war die Abschlussschwäche der Schweizer am offensichtlichsten: 22:4 lautete das Schussverhältnis, ein Tor gelang aber nicht. Die grösste Baustelle ist noch das Powerplay.

Heute steht um 16.15 Uhr gegen die Norweger das letzte Spiel gegen einen Aussenseiter an. Die bewegten sich vor ein paar Jahren noch auf Augenhöhe mit den Schweizern, inzwischen sind sie zurückgefallen, derweil die von Heinz Ehlers gecoachten Dänen im Aufwind sind. Nach der Partie gegen Norwegen folgen zwei spielfreie Tage, ehe es gegen die «Grossen» geht – gegen Schweden, Russland und Tschechien. Wie gut dieses Schweizer Team ist, wird man erst bei diesen Duellen so richtig beurteilen können. Doch so lange es seine Pflichtaufgaben erledigt, wenn auch mit Mühe, so ist das schon einmal gut.

Und, nebenbei sei auch noch erwähnt: Berra feierte im zweiten WM-Einsatz seinen zweiten Shutout. Der Fribourg-Goalie hat bisher alle 37 Schüsse abgewehrt, die auf sein Tor gekommen sind. Eine reife Leistung, die eine hohe Konzentrationsfähigkeit bedingt.

Schweiz - Österreich 4:0 (1:0, 0:0, 3:0)
Bratislava. - 4488 Zuschauer. - SR Kaukokari/Rantala (FIN), Jensen/Nikulainen (DEN/FIN).
Tore: 20. (19:28) Fiala (Hischier, Praplan) 1:0. 54. Josi (Loeffel, Simon Moser) 2:0. 59. Kuraschew (Hischier/Ausschluss Thomas Raffl) 3:0. 60. (59:47) Andrighetto (Diaz, Praplan/Ausschlüsse Herburger, Wolf) 4:0.
Strafen: 4mal 2 Minuten gegen die Schweiz, 9mal 2 plus 10 Minuten (Herburger) gegen Österreich.
Schweiz: Berra; Weber, Josi; Janis Moser, Diaz; Loeffel, Frick; Fora; Fiala, Hischier, Praplan; Hofmann, Kuraschew, Martschini; Scherwey, Haas, Andrighetto; Ambühl, Bertschy, Simon Moser; Rod.
Österreich: Kickert; Pallestrang, Schlacher; Heinrich, Schumnig; Peter, Wolf; Strong, Unterweger; Schneider, Herburger, Ganahl; Thomas Raffl, Michael Raffl, Hofer; Zwerger, Haudum, Baumgartner; Rauchenwald, Obrist, Cijan.
Bemerkungen: Schweiz ohne Mayer (Ersatztorhüter), Genazzi, Genoni (beide überzählig) und Bertaggia (noch nicht gemeldet). - Schüsse: Schweiz 45 (9-21-15); Österreich 18 (6-4-8). - Powerplay-Ausbeute: Schweiz 2/8; Österreich 0/3.

Erstellt: 14.05.2019, 23:40 Uhr

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