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Sbisas Beförderung und der NHL-Countdown

Der 18-jährige Shootingstar ist in Philadelphia schon unter den ersten vier Verteidigern. Er hat noch sieben Spiele Zeit, um sich diesen Platz zu sichern.

Luca Sbisa kommt vom Auslaufen zurück in die Garderobe, im Bauch von Philadelphias Wachovia Center. Sein zweites NHL-Spiel, das er gerade hinter sich hat, ist nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Er holte sich eine blutige Nase, als ihn Montreals Kowalew in der 57. Minute ins Plexiglas krachen liess, aber das ist in diesem Geschäft nicht der Rede wert. Wichtig ist, dass der 18-jährige Verteidiger dabei nicht nur auf den Füssen blieb, sondern sich auch gleich den Puck vom Russen zurückholte, um den nächsten Angriff der Flyers einzuleiten. Damit zeigte er genau das, was seine Trainer von ihm sehen wollen - und was ihn zur gegenwärtig grössten Hoffnung des Schweizer Eishockeys macht: Er ist fähig, gegen die Besten der Welt zu spielen, und bereit, dafür einen Preis zu bezahlen.

«Ich muss egoistischer sein»

Dass er hier, in der Garderobe der Flyers, in der Ecke links vom Eingang, zwischen den Verteidigerkollegen Parent und Coburn, überhaupt einen Platz hat, ist ein Glück, das Sbisa noch immer kaum fassen kann. Und zugleich ist er sehr unzufrieden. «Ich bin nicht bereit, Verantwortung zu übernehmen, ich spiele den Puck zu oft einfach weiter, ich muss mehr aufs Tor schiessen», sagt er und bringt seine Selbstkritik noch auf den Punkt: «Ich muss egoistischer sein.» Sbisa hat nach zwei Niederlagen noch keinen Skorerpunkt und mit -3 die schlechteste Bilanz seines Teams.

Nichtsdestotrotz zeigte er am Montag beim 3:5 gegen Montreal wiederum eine beeindruckende Leistung, verteidigte meist souverän und leitete viele Angriffe ein. Und er spielte eine noch wichtigere Rolle: Flyers-Coach John Stevens beförderte seinen Jüngsten von der dritten in die zweite Verteidigung und erhöhte seine Eiszeit von 16:27 auf 21:05 Minuten. «Wir dachten, er käme als fünfter oder sechster Verteidiger zum Einsatz», so Stevens. «Aber er hat gezeigt, dass er in der Lage ist, etwas mehr zu spielen.»

Die Bemühungen des Klubs

Wie hoch Philadelphias diesjähriger Erstrundendraft bei seinen Chefs im Kurs steht, zeigt sich nicht nur daran, wie ernsthaft sie ihn zurzeit testen. Es zeigt sich auch am freundschaftlichen Umgang von General Manager Paul Holmgren mit seinen Eltern, die aus der Schweiz angereist sind. Oder daran, dass sich der Headcoach persönlich darum bemüht hat, dass Sbisa seit dem vergangenen Wochenende nicht mehr im Hotel wohnt, sondern bei seinem Teamkollegen Riley Cote.

Doch der Senkrechtstarter spürt auch bereits einigen Druck. Er darf wegen seines jugendlichen Alters nur 9-mal eingesetzt werden, ehe sein Klub entscheiden muss, ob er die Saison in der NHL oder bei den Junioren zu Ende spielt. Und der Countdown bis zur Entscheidung wurde nach dem Pennsylvania-Derby in Pittsburgh in der Nacht auf heute wohl schon auf sechs Spiele heruntergezählt. Einstweilen holte der Klub am Montag mit Bostons Andrew Alberts bereits einen zusätzlichen Verteidiger. «So ganz habe ich mich noch nicht daran gewöhnt, hier zu spielen», sagt Sbisa. Nach zwei Spielen ist die Frage nicht mehr ob, sondern nur noch wann er auch das schaffen wird.

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