«Schade, gibt mir Leuenberger jetzt auf die Schnauze»

Arno Del Curto erklärt, wieso sein HCD gegen den SCB nicht mehr sein Hockey spielen kann. Und ­welche Gegenwette ihm Dick Axelsson offerierte.

Arno Del Curto musste gegen Bern einen neuen Mix ausprobieren. Foto: Keystone

Arno Del Curto musste gegen Bern einen neuen Mix ausprobieren. Foto: Keystone

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Sie motivierten Dick Axelsson für Spiel 3 mit 1000 Franken zu mehr Disziplin. Playoff-Coaching kann ins Geld gehen.
Das war nur, um ihn ein bisschen im Stolz zu treffen. Und er macht ja mit: Er gibt mir sogar 2000 Franken, sollte er im nächsten Spiel in Bern ausflippen.

Auf diese 2000 Franken würden Sie wohl gerne verzichten.
Ja, er muss sich aufs Hockey konzentrieren, nicht auf Nebenschauplätze.

Kamen Sie ins Grübeln nach der zweiten Niederlage gegen den SC Bern?
Nein, ich kenne ja die Gründe. Wir ­haben zu viele Spieler, die zu viele ­Matchs absolviert haben. Irgendwann bezahlt man dafür. Irgendwann gibt es eine fundamentale Müdigkeit. Das merkt man daran, dass wir nicht mehr so leicht vors Tor kommen.

War das der einzige Grund?
Nein. Wenn man Meister ist, besteht auch die Gefahr, dass man die Nase zu hoch trägt. Das erste Mal passierte das, als wir gegen Frölunda 0:5 verloren. Nun passierte es wieder gegen Bern.

Was genau passierte?
Nehmen wir all die jungen Spieler, die ich habe. Die sind jetzt Meister. Im letzten Jahr war alles leicht für sie, alles ­gelang ihnen. In diesem Jahr ist diese Leichtigkeit weg. Das hat man in den ersten beiden Partien gegen Bern gesehen. Aber man kann das nicht einfach mit Handauflegen korrigieren. Das geht nur mit vielen Gesprächen.

Und was sagt man da?
Am Dienstag sagte ich: Meine Damen und Herren, ihr seid amtierender Meister, wir hatten eine grossartige Saison, und ihr dürft auch im zweiten Jahr Fehlerchen machen. Aber versucht sie zu minimieren. Und wir können gegen Bern nicht mehr ganz unser Spiel spielen, also machen wir einen Mix. Probiert es!

Das hat gut geklappt.
Ja, das haben wir ganz ordentlich hingekriegt. Wobei das nichts mit dem lieben Gott und auch nichts mit Handauflegen zu tun hatte. Es brauchte das erste und das zweite Tor, damit das Selbstvertrauen wieder da war.

Letztes Jahr gewannen Sie gegen den SCB relativ locker mit 4:0 Siegen. Sind die Berner unter Lars Leuenberger unberechenbarer geworden?
Ich mag keine Trainer gegeneinander ausspielen, das ist nicht meine Art. Bern spielt jetzt gut, so viel kann ich sagen.

Freuen Sie sich, wenn junge Schweizer Trainer Erfolg haben?
Ja, sehr. Es freut mich, dass Lars Leuenberger einen so guten Job macht. Nur schade, gibt er mir jetzt auf die Schnauze. (lacht)

Wie würden Sie die Serie zwischen Davos und Bern einordnen?
Ein gut organisiertes, leidenschaftliches, extrem energiegeladenes und hungriges Bern gegen ein Davos, das all das manchmal hat und manchmal nicht. Ein Davos eben, das noch sucht. Aber ich muss sagen: So gut wie Bern hat sich letztmals Frölunda auf uns eingestellt.

Wird man eigentlich im Alter ein besserer Trainer?
Nein. Man hat zwar mehr Erfahrung, aber wichtiger ist: Hat man auch mehr Energie, Euphorie, Leidenschaft? Die Gefahr besteht, dass man mit der Zeit ­alles routiniert macht, ohne Leidenschaft. Das ist nicht einmal eine Frage des Alters. Aber fragen Sie mich jetzt nicht, ob ich noch Leidenschaft habe. Ich urteile nicht über mich selber.

Erstellt: 23.03.2016, 21:53 Uhr

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