«Sie soll auch ein Ort für Frauen, Paare und Familien sein»

Doug Piper, Vizepräsident der Kloten Flyers, erklärt die Strategie der neuen Besitzer aus Übersee – wie sie den Club in ein erfolgreiches Sportunternehmen verwandeln wollen, auch wenn es vorerst Millionen kostet.

Ganz wie in Nordamerika: Ab dieser Saison schwören sich die Flyers in ihrer Garderobe auf einem neuen Teppich ein.

Ganz wie in Nordamerika: Ab dieser Saison schwören sich die Flyers in ihrer Garderobe auf einem neuen Teppich ein. Bild: Kloten Flyers

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Die Flyers starten in die erste Saison unter kanadischer Führung. Sind Sie nervös?
Nein, ich freue mich sehr, dass es endlich Ernst gilt nach der erfolgreichen Vorbereitung. 7 Siege in 8 Spielen sind wirklich stark, die Chemie stimmt.

Wie verfolgen Sie selbst die Spiele?
Ich sehe sie nicht live, aber wir haben Leute, die uns mit Highlights versorgen.

Was erwarten Sie sportlich von Ihrem Premierenjahr?
Dass wir ein sehr gutes Team sehen werden. Wir haben viel ins Sommertraining investiert, das Team ist ausgezeichnet in Form. Wir wollen zurück ins Playoff und dort so weit kommen wie möglich.

Kloten hat erst 2200 Saisonkarten verkauft – gegenüber 3400 im ­Vorjahr. Beunruhigt Sie der schlechte Ticketverkauf?
Nein. Das haben wir nach dieser sportlich schwierigen Spielzeit erwartet. Ich würde den Verkauf auch nicht schlecht nennen – wir haben das in etwa so angenommen. Wenn wir gut in die neue ­Saison starten, was wir erwarten, werden die Leute wieder kommen.

Sie haben ein neues Ticketmodell, bei dem das Playoff extra kostet. Hat das Ihrem Image geschadet?
Das glaube ich nicht. Ja, das Playoff gibt es nicht mehr gratis dazu. Aber diese ­Änderung war nötig. Denn wir müssen den Club stabilisieren. Und wenn das Team auf dem Eis Erfolg hat, funktioniert dieses Modell gut.

Was soll in Kloten sonst noch anders werden?
Die Flyers sind eine grossartig Marke. Wir wollen sie weiter stärken, indem wir die Mannschaft extrem wettbewerbs­fähig machen. Die zweite Säule ist, dass wir die Junioren wieder an die nationale Spitze zurückführen. Und drittens wollen wir den ­Erlebniswert verbessern.

Wie wollen Sie die Junioren konkret stärken ?
Wir sind noch dabei, zu eruieren, was ­nötig ist, um das Aussenfeld der Swiss-Arena zu überdachen. Die Stadt ist sehr kooperativ und lässt derzeit verschiedene Varianten entwickelt. Wir brauchen dieses Dach unbedingt, um ganzjährig Eishockey spielen zu können – und das muss man, um Spitzenspieler zu produzieren.

Das Stadion gehört der Stadt. Wer würde solche Vorhaben bezahlen?
Ganz allgemein gesprochen, wollen wir uns beteiligen. Aber viel mehr lässt sich erst sagen, wenn die konkreten Varianten vorliegen.

Investieren müssen Sie auch in der Gegenwart. Letztes Jahr verloren die Flyers gut 8 Millionen Franken. Erwarten Sie in dieser Saison ein ähnliches Ergebnis?
Wir hoffen, es wird viel weniger. Aber wir werden die Verluste so lange ­decken, bis der Club finanziell funktioniert. Vielleicht dauert das drei Jahre, vielleicht vier oder fünf. Das ist nicht so entscheidend, weil Kloten für uns ein langfristiges Engagement bedeutet.

Sie würden sich also nicht zurückziehen, wenn der Club diese Saison 6 Millionen verliert?
Sicher nicht.

Sie haben aus den Portland Winterhawks einen der erfolgreichen Clubs auf nordamerikanischer Junioren­ebene gemacht. Können Sie etwas aus jener Erfahrung auch in Kloten anwenden?
In Portland hing vieles davon ab, das Vertrauen der Fans zurückzugewinnen. Deren Verhältnis zum vorherigen Eigentümer war schwierig gewesen. Etwas vom Ersten, was wir darum taten, war der Aufbau eines zehnköpfigen Verkaufs­teams, das die Fans anrief, sich mit ­ihnen unterhielt, sie von unseren Ticket­angeboten überzeugte. Auch in Kloten haben wir neu ein vierköpfiges Verkaufs­team, dessen einzige Aufgabe im Kontakt mit Fans und Besuchern besteht.

Bei der Übernahme sprachen Sie davon, dass alle Heimspiele ausverkauft sein sollten. Bleibt das Ihr Ziel?
Ja, am Ende wollen wir die Arena so oft und so gut wie möglich auslasten. Sie soll kein Ort nur für Hardcore-Fans sein, sondern auch für Frauen, Paare, Familien.

Sie sind in Portland und managen einen Club neun Zeitzonen entfernt. Wie läuft die Kommunikation?
Es geht gut. In der Schweiz müssen Sie vielleicht etwas länger arbeiten, und wir müssen vielleicht etwas früher ins Büro. Aber wir sind präsenter in Kloten, als Sie vielleicht denken. Ich selbst war fünfmal dort und vier meiner Kadermitarbeiter je schon mindestens eine Woche.

Haben Sie Unterschiede in den Geschäftskulturen festgestellt?
Da sind wir uns ziemlich ähnlich. Es gibt wohl eher ein paar Nuancen im Marketing, die neu für uns sind. Zum Beispiel, dass der Fan-Support so stark vom sportlichen Abschneiden abhängt.

Sind Sie eher strategisch wirkende Eigentümer, oder handeln Sie auch operativ?
Wir versuchen, gut in beidem zu sein. Im Laufe der Jahre haben wir sicher operative Prozesse entwickelt, die für uns funktionieren. Wir haben diese den Flyers nicht einfach aufgezwungen, aber wir sind sicher ein Eigentümer, der mit Geschäftsführer Matthias Berner und Sean Simpson öfter über Details spricht, als sie das gewohnt sind.

Wie oft sprechen Sie mit Simpson?
Ich selbst vielleicht einmal pro Woche, aber andere in unserer Organisation fast jeden Tag. Meine eigene Kompetenz ist mehr die Betriebswirtschaft.

Finden Sie es betriebswirtschaftlich gut, dass Simpson Sportchef und Trainer in Personalunion ist?
Ich finde das grossartig. Dieses Modell haben wir auch in Portland. Es ist aus­gezeichnet, wenn man dafür den richtigen Mann hat – und Simpson ist auf ­jeden Fall der richtige Mann.

Warum sind Sie überhaupt ins Schweizer Eishockey eingestiegen?
Wir glauben, dass ein Team in Europa Synergien bringt, und wir haben das ­Gefühl, es gibt hier noch ungenutztes Potenzial – besonders im TV-Bereich, der in der Schweiz leicht unterbewertet ist. Wir denken, da könnten auch mit den neuen Medien zusätzliche Einnahmequellen erschlossen werden.

Wie lange wollten Sie schon einen europäischen Club kaufen?
Die Schweiz und Schweden interessieren uns schon länger, aber ernsthaft beschäftigt haben wir uns damit letztes Jahr.

War Kloten der einzige Schweizer Übernahmekandidat?
Das erste Team auf unserem Radar war Rapperswil-Jona. Gleich danach beschäftigten wir uns mit Kloten, und die Situation war viel attraktiver. Da hat alles gepasst. Es ist eine wunderbare Stadt für uns.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.09.2015, 12:06 Uhr

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(Bild: PD)

Doug Piper

Ferner Taktgeber

Der 56-jährige Amerikaner ist Chief Operating Officer der nordamerikanischen «Avenir Sports & Entertainment»-Gruppe (ASE), die im April die Aktienmehrheit der Kloten Flyers vom damaligen Präsidenten Philippe Gaydoul übernahm. Piper sitzt als Vize­präsident im Verwaltungsrat der Flyers, ausserdem ist er Präsident und Generaldirektor der Portland Winterhawks, einem Club der höchsten kanadischen Juniorenliga. 2008 wurden die Winterhawks ebenfalls von ASE übernommen und zu einem der profitabelsten Clubs der WHL; die Zuschauerzahlen verfünffachten sich. Piper gilt als Spezialist für Sportunternehmen und Marketing, er war unter anderem für die Edmonton Oilers und die Carolina Hurricanes in der NHL tätig sowie für mehrere NBA-Clubs. Sein Arbeitsort ist Portland an der US-Westküste, für die Kloten Flyers ist er der wichtigste Taktgeber. (phm)

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