So schuften sich die ZSC-Spieler durch den Sommer

Weil sie das Playoff verpasst haben, werden die Zürcher länger gequält. Athletiktrainer Mattia Stendahl erklärt, worauf er achtet.

Die ZSC-Spieler schwitzen in der Sommervorbereitung. Video: Simon Graf und Fabian Sanginés

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Der Recycling-Lastwagen, der die Oerliker Salvatorstrasse herabfahren will, muss warten. Mattia Stendahl, der Athletiktrainer der ZSC Lions, streckt dem Fahrer die flache Hand entgegen wie ein Wachsoldat. Damit die zwölf Zürcher Spieler, die auf der Quartierstrasse Hügelsprints machen, rechtzeitig loslaufen können. 6 Sekunden sprinten, 34 Sekunden zurücklaufen, 6 Sekunden sprinten, und so weiter. Dies fünfmal. Dann eine dreiminütige Pause und drei weitere Fünferblöcke.

Während der Pausen fällt kaum ein Wort. Die verschwitzten Hockeycracks saugen an den Trinkflaschen und holen Luft. «Nur nicht erschrecken», sagt Stendahl zu einer Frau, die mit einem Kinderwagen die Strasse hochläuft. Bald wird sie überholt von keuchenden Spielern. Als die Übung dem Ende zugeht, kommt gute Stimmung auf. Nordamerika-Söldner Jonas Siegenthaler, der auch mittrainiert, muntert seine Kollegen auf. Es sind die letzten Hügelsprints für diesen Sommer. Ab Freitag haben die ZSC-Spieler Ferien. Drei Wochen.

Seit Ende April im Training

Wer gedacht hatte, wegen des Verpassens des Playoff hätten die Zürcher mehr Urlaub gehabt, der irrt. Sechs Wochen stehen ihnen jeweils zu. Drei nach der Saison, drei vor Aufnahme des Eistrainings Ende Juli. Und weil sie diesmal weniger lang spielten als in der Meistersaison, dauert ihr Sommertraining elf statt acht Wochen. Am 23. April ging es bereits los.

«Es war ein langer Sommer», sagt Simon Bodenman. «Für den Kopf war das nicht einfach.» Aber man habe gespürt, dass keiner mehr eine Saison erleben wolle wie die letzte. «Alle waren bissig. Selbst im Unihockey. Und wenn wir den Hügel hochsprinten, will jeder zuvorderst sein.»

Seit Februar 2017 ist Stendahl vollamtlicher Athletiktrainer bei den ZSC Lions – es ist das dritte Sommertraining, das er leitet. Er sagt: «Früher galt die Devise, dass das Sommertraining pickelhart sein soll. So hart, dass die Spieler täglich fast erbrechen müssen. Heute denkt man anders: Es muss in erster Linie clever sein.»

Er halte sich vor Augen, dass er es nicht mit Ausdauerathleten zu tun habe, sondern mit Spielernaturen. «Und die muss man so oft wie möglich spielen lassen. Man kann auch Intervalltrainings sehr gut in Spielformen verpacken. So kann man einen Spieler viel mehr pushen.»

An diesem Dienstag beginnt die Trainingseinheit um neun Uhr mit einem 45-minütigen Aufwärmen auf dem Kunstrasen, in das Stendahl ­Yogaübungen integriert. Es folgen die Hügelsprints. Zuletzt wird Unihockey gespielt in der Kunsteisbahn Oerlikon, die kein Eis hat und ein Klima wie in einem Treibhaus. Nach der Mittagspause geht es im Kraftraum weiter.

Von den USA geprägt

Pro Woche gibt es neun Trainingsblöcke, je zwei am Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag, einen am Mittwoch. Stendahl kommt selber aus dem Eishockey, spielte bis zur Elite A bei Rapperswil und machte den Master Spitzensport in Magglingen mit dem Fachgebiet Trainingswissenschaft. Stark geprägt hat ihn sein sechsmonatiges Praktikum in Phoenix bei Exos, einer Grossfirma für Athletiktraining.

Das Sommertraining hat sich in letzter Zeit stark gewandelt. Bankdrücken mit Maximalgewichten erachtet Stendahl als zu risikoreich. «Was bringt es mir, 140 Kilo zu stemmen, wenn ich es nicht umsetzen kann?», fragt er rhetorisch. Er legt viel Wert aufs Aufwärmen und die Beweglichkeit. Wobei er darunter nicht versteht, dass man den Spagat machen kann. Sondern, dass man in extremen Gelenkwinkeln Kraft generieren kann.

Ende Juli geht es dann wieder aufs Eis, und dann ist auch der neue Headcoach Rikard Grönborg da. Stendahl kann ihm auf dessen Muttersprache rapportieren, wie es im Sommer gelaufen ist. Sein Vater ist Schwede.

Erstellt: 01.07.2019, 19:07 Uhr

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