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Souverän, geschwächt und siegreich

Der ZSC startet mit einem 4:3 gegen Lugano ins Playoff und verliert seinen Topskorer.

Wieder in Führung: ZSC-Stürmer Pius Suter bejubelt sein 2:1, Luganos Vauclair dreht ab.
Wieder in Führung: ZSC-Stürmer Pius Suter bejubelt sein 2:1, Luganos Vauclair dreht ab.
Ennio Leanza, Keystone

Das Hallenstadion hat schon einiges erlebt, seit es 2005 renoviert ­wurde. Robbie Williams trat hier auf und auch Beyoncé, es gab mehrere Meisterfeiern des ZSC. Gestern kam eine Premiere dazu: Im sechsten Anlauf gewann der ZSC erstmals zum Playoff-Auftakt im aufgefrischten Gemäuer. Und doch er­innerte dieses 4:3 am Ende an ein ganz anderes Ereignis: ans legendäre Rolling-Stones-Konzert von 1967.

Damals schlugen ein Teil des Publikums die Einrichtung des Stadions kurz und klein, die Stones verliessen fluchtartig den Saal. Die denkwürdige Szene zum gestrigen Playoffstart hatte nur zwei Akteure, die den Saal vorzeitig verliessen, und zu fluchtartigen Bewegungen waren sie ausser Stande: In der 32. Minute verschwanden ZSC-Topskorer Nilsson und Lugano-Stürmer Brunner zeitgleich im Kabinengang. Beide mussten gestützt werden, beide hatten eine Knieverletzung erlitten.

Vom überlegenen ZSC zum echten Playoffkampf

Es war der negative Höhepunkt einer Partie an der Grenze zur Gehässigkeit. Denn Nilsson, der bis dahin Beste eines starken Ensembles, war in vollem Lauf von Luganos Vauclair getroffen worden. Es war ein Aufprall Knie auf Knie, und der Schwede blieb danach lange liegen.

Es war bereits Vauclairs dritte auffällige Szene des Abends. In der 17. Minute hatte er Schäppis Führung ausgeglichen, Anfang Mittelabschnitt mit einem Ell­bogencheck Pestoni vorübergehend ausser Gefecht gesetzt. Da passte ins Bild, dass auch Luganos Bürgler sein Leibchen wegen eines blutigen Cuts schon früh wechseln musste. Und Lapierre, der böse Bube der Tessiner, war noch gar nicht gross in Erscheinung getreten.

Auf all diese Widrigkeiten reagierte der ZSC lange souverän. Er hatte die Startphase mit aggressivem Forechecking und Angriffswelle um Angriffswelle ­dominiert, er eroberte durch Suter im zweiten Drittel die Führung zurück, er erhöhte bis zur 41. Minute auf 4:1. Der überragende Verteidiger Rundblad übernahm in Abwesenheit seines schwedischen Landsmanns die Rolle des Spielgestalters.

Und dann drohte alles binnen Minuten zu kippen. Fazzini traf im Powerplay (43.), Blindenbacher legte Lapierre den Puck einschussbereit auf (46.) und bereitete so den Weg für ein turbulentes Finale, in dem die Tessiner das 4:4 mehrfach nur knapp verpassten. Die perfekte Ordnung war da längst aus dem Spiel der Zürcher gewichen, auch sie liessen sich in verbale und andere Scharmützel ein – und das Publikum tobte sowieso, seit Lugano-Goalie Merzlikins eine provokative Geste Richtung Tribünen gemacht ­hatte. Dass Vauclair mit Pfiffen bedacht wurde, versteht sich von selbst.

Salis rechnet «in nächster Zeit nicht mehr» mit Nilsson

Kurz: Der Match hatte sich von einer spielerischen Demonstration des ZSC in einen klassischen Playoff-Kampf verwandelt. Am Ende rannte Lugano an, nahm Trainer Greg Ireland sein Timeout und ersetzte den Torhüter durch einen sechsten Feldspieler. Am 3:4 zum Serienstart änderte sich nichts mehr.

Richtige Siegerlaune mochte aber auch beim ZSC nicht aufkommen. Nilsson wird heute per MRI untersucht, doch Sportchef Salis rechnet nicht damit, dass er in absehbarer Zeit wieder spielen kann. Von Brunner, der sich das Knie verdreht hatte, war zu vernehmen, dass er mit Krücken im Bus auf die Heimfahrt warte.

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