Steffi Buchli: «An uns führt kein Weg vorbei»

Warum die TV-Lösung mit MySports im Schweizer Eishockey-Kosmos dennoch nicht alle nur glücklich macht.

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Die Unübersichtlichkeit in der Schweiz bei den Fernsehrechten der diversen Sportligen hat für manche Diskussion und auch Unmut bei den Konsumenten und Fans gesorgt. Die Situation bei den Übertragungen von NLA-Eishockey ist wohl die umstrittenste. Neu hat ein Kabel-TV-Konsortium mit über einem Dutzend Mitgliedern rund um UPC die Rechte und wird alle Spiele live übertragen auf dem neuen Sportsender MySports. Der bisherige Rechteinhaber Teleclub hat das Nachsehen.

Wie welch harten Bandagen um die Rechte gekämpft wird und welch kühles Verhältnis zwischen UPC und Teleclub herrscht, zeigte der Frontenwechsel von Stephan Liniger und Reto Müller, zweier ehemaliger Gesichter der Teleclub-Berichterstattung. Kaum wurde ihr Transfer zu UPC im Hinblick auf die nächste Saison im letzten Oktober bekannt, sah man die beiden nicht mehr auf Teleclub.

Im Interview: Programmleiterin Steffi Buchli über den Start von MySports. Video: SDA

Auch früher war nicht alles besser

Unzufriedene Eishockeyfans gab es auch früher. Das volle Teleclub-Programm mit allen NLA-Spielen am TV-Bildschirm gab es zuletzt ausschliesslich für Kunden von Swisscom-TV. Pech für den, der in einem abgelegenen Tal mit zu wenig schnellem Internet von der Swisscom lebte. Ebenso ärgerlich war für die UPC-Kunden, dass sie nicht alle sechs Spiele einer Runde schauen konnten, da die Swisscom ihnen nur zwei oder drei zufällig ausgewählte Partien zur Verfügung stellte. Auch deshalb verhängte die Wettbewerbskommission (Weko) 2016 gegen die Swisscom eine Busse von fast 72 Millionen Franken – der Fall ist indes immer noch nicht abgeschlossen.

Die neue Situation sorgt bei den Eishockeyfans unter den Teleclub-Abonnenten indes für noch mehr Stunk. Denn UPC überlässt Teleclub keine einzige Partie mehr – eine Retourkutsche, die die Swisscom ebenfalls auf juristischem Wege anfechtet, bislang allerdings ohne Erfolg. Wer bisher Swisscom-TV-Kunde ist und weiterhin NLA-Eishockey schauen will, muss also den Anbieter wechseln. Bloss: Rund 15 Prozent der Schweizer Haushalte befinden sich in Tälern, in denen kein Kabelanschluss erhältlich ist – diese Fans gucken nun komplett in die Röhre.

Der theoretischen Chance beraubt

Denn bislang war es zumindest theoretisch für jedermann möglich, alle NLA-Partien zu schauen – auch wenn der Aufwand gross und teuer war. Wer keinen Zugriff auf Teleclub hatte, der konnte das Problem mit einem Handy-Abo der Swisscom lösen. Damit konnten alle Spiele, wenn auch nicht auf dem Fernseher, so doch wenigstens auf dem Internetportal von Swisscom am Tablet, Handy oder Laptop, geschaut werden – für saftige 5 Franken Mietpreis pro Spiel.

UPC bietet so eine Option nicht an. Online lassen sich die Spiele nur noch via Horizon-Go-App von UPC schauen – Zugriff haben da aber nur die Kabel-TV-Kunden des Konsortiums rund um UPC. Eishockeyfans ohne Zugang zu Kabel-TV können also selbst dann nicht NLA-Eishockey schauen, wenn sie bereit wären, zumindest für eine Onlinelösung am Laptop oder Tablet kräftig draufzuzahlen. UPC verspricht immerhin, irgendwann eine offenere Onlinelösung anzubieten. Ein schwacher Trost.

Ein Rückschritt

Ein neuer Anbieter für das Schweizer Eishockey mit einem Onlineangebot, das eine grosse Zahl von Eishockeyfans zum Beispiel in Graubünden, dem Kanton des Rekordmeisters Davos, ausschliesst: Das tönt nach einem Rückschritt.

Auch innerhalb der Schweizer Eishockeyszene fragen sich manche, warum der Verband die Rechte nicht unter dem Gesichtspunkt verkauft hat, so viele Zuschauer wie nur möglich zu erreichen. Die Antwort dürfte ziemlich klar sein: Die Rechte wechselten den Besitzer für 35 Millionen Franken jährlich – das ist eine Verdreifachung der bisherigen Summe.

Was Steffi Buchlis MySports vorhat

Zumindest ein Wermutstropfen dürfte das auch für die neuen Macher beim TV-Sender MySports sein. Denn diese arbeiten seit Monaten fieberhaft daran, zum Saisonbeginn am 7. September nicht nur bereit zu sein, sondern für den Schweizer Eishockeyfan das bislang beste Angebot abzuliefern. Als Programmleiterin wurde Steffi Buchli von SRF verpflichtet. Warum die Leute zu «ihrem» Sender wechseln sollen, beantwortet sie mit klaren Worten: «Weil bei MySports die Musik spielt. Wenn es um Eishockey geht, führt kein Weg an uns vorbei. Diesen Anspruch haben wir.»

MySports wird das Sportfernsehen nicht neu erfinden, und nicht alles wird im Vergleich mit dem bisherigen Anbieter Teleclub anders. Doch was Buchli über die Formate auf ihrem Sender verrät, tönt im Ohr des Eishockeyfans schon einmal gut. Geboten wird nicht nur eine normalerweise von Reto Müller oder Buchli selbst moderierte Studiosendung mit mindestens zwei Experten an den Spieltagen Dienstag, Freitag und Samstag. Fix im Programm steht beispielsweise auch Big Data mit «Advanced Stats» in Zusammenarbeit mit Ex-Spieler Andreas Hänni, der in dieser in die Tiefe gehenden Statistik eine Pionierrolle in der Schweiz einnimmt.

Eine Talkrunde am Freitag

Vor der Studiosendung am Freitag ist zudem eine knapp halbstündige Talkrunde eingeplant, in der weitere Experten zu aktuellen Themen rund um die Liga eingeladen werden. Als Vorbild hat sich Buchli das nordamerikanische Sport-TV genommen: «Die Experten und Moderatoren werden frontal zur Kamera sitzen. Wir haben uns viele Beispiele aus aller Welt angeschaut und uns für dieses nordamerikanische Setting entschieden.»

Buchli freut insbesondere, dass sie bei einem Fachsender im Gegensatz zum Staats-TV SRF bei den Themen mehr in die Tiefe gehen kann: «Wenn du eine Sportart pflegen willst, musst du dir Zeit nehmen können.» Tipps für die Programmgestaltung und wie das Innenleben des Eishockeysports am besten gezeigt werden kann, holte sich das My-Sports-Team auch aus dem Ausland, beispielsweise aus Schweden und vom dortigen «TV-Hockey-Papst» Niklas Wikegard.

In die Tiefe heisst: Porträts und Dokumentationen

In die Tiefe gehen, das wird bei MySports zum Beispiel längere Porträts über die Akteure auf und unmittelbar neben dem Eis heissen. Oder Dokumentationen, ebenfalls im nordamerikanischen Stil, wie es Buchli verspricht.

Den Anfang gleich zu Saisonbeginn macht «Der lange Sommer». Filmer und Ex-Hockeyaner Riccardo Signorell begleitete die Profis Félicien Du Bois (Davos), Jonas Hiller (Biel) und Vincent Praplan (Kloten) im Sommertraining und wird die Off-Season der drei Protagonisten aus drei verschiedenen Optiken präsentieren. Weitere solche Dokumentation sind im Fortgang der Saison geplant.

Der Mittwoch gehört der Swiss League

Nicht verschweigen möchte Buchli das Angebot in der Swiss League (ehemals NLB): «Der Mittwoch wird bei uns zum Abend der zweithöchsten Liga.» Ein Spiel wird jeweils live übertragen, das Studio wird direkt im Stadion aufgebaut, als Experte wurde der ehemalige ZSC- und GCK-Goalie Urban Leimbacher verpflichtet.

Sie verfüge über eine relativ kleine Redaktion, sagt Buchli: «Wir sind 30 Festangestellte für die beiden Kanäle auf Deutsch und Französisch plus ein Pool von freien Mitarbeitern. In unserer Redaktion sind alle hockeyaffin. Das ist eine coole Ausgangslage.»

Und was sagt Buchli über die «Online-Nachteile», über die MySports derzeit verfügt? «Dieses Thema werden wir nach dem Launch in Ruhe anschauen. Das geschieht in einem grösseren Rahmen, da bin ich nicht die entscheidende Instanz.»

SRF reagiert mit neuer Sendung

Ob es eine Reaktion auf die Bemühungen von «MySports» ist? Auf jeden Fall will nun SRF sein Eishockey-Programm entstauben. Wie der Sender am Dienstag mitteilte, sind während der Qualifikation 29 Episoden der neuen Sendung «Eishockey aktuell» geplant, die sich während gut 30 Minuten mit der aktuellen Runde vertieft auseinandersetzt. Der Kampf ums Schweizer Eishockey-Publikum ist lanciert. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.08.2017, 00:10 Uhr

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