Steigt Kloten freiwillig ab?

Vier Jahre nach dem Fast-Konkurs sehen sich die Kloten Flyers wieder mit Besitzerproblemen konfrontiert. Nun sind mehrere Szenarien denkbar.

Enttäuschung bei den Flyers: Sie verlieren den Playoff-Viertelfinal gegen Davos mit 0:4 – nun stehen sie vor noch grösseren Problemen.

Enttäuschung bei den Flyers: Sie verlieren den Playoff-Viertelfinal gegen Davos mit 0:4 – nun stehen sie vor noch grösseren Problemen. Bild: Keystone

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Es ist überall ein Déjà-vu bei den Flyers. Gegen Davos auf dem Eis, wo sie gestern die Saison mit dem gleichen 0:4 in der Serie beendeten wie bei ihrem letzten Playoff-Auftritt, dem Final 2014. Und auf der Geschäftsstelle: Wie vor nicht einmal einem Monat, als die Clubbesitzer im fernen Nordamerika für Schlagzeilen sorgten, ist in Kloten niemand erreichbar.

Damals hatte Club-Präsident Ken Stickney Liga-Konkurrent Lausanne gekauft, ohne in Kloten jemanden zu informieren. Und heute vermeldet der «Blick», die ASE-Gruppe, welche die Flyers vor nicht einmal einem Jahr für einen symbolischen Franken gekauft hatte, wolle den Club schon wieder loswerden. Per sofort und frustriert von einem Business-Abenteuer, das die Kanadier diese Saison über 7 Millionen Franken kostete.

Freiwilliger Abstieg?

Doug Piper, bei ASE fürs Geschäftliche zuständig, beklagte schon im Januar, ein Unternehmen, das 130 Prozent seiner Einnahmen für Löhne ausgebe, könne mittelfristig nicht überleben. Gleichzeitig bekräftigte er aber, ASE und ihr milliardenschwerer Besitzer Bill Gallacher würden das Engagement bei den Flyers als langfristige Angelegenheit sehen.

Gemäss «Blick» hat sich das nun geändert. Drei Szenarien würden bei ASE zur Verlustminimierung durchgespielt, so die Zeitung: der Verkauf von Spielern, der freiwillige Abstieg und das Verschieben der AG in eine andere Stadt.

Theoretisch denkbar sind alle drei Szenarien, praktisch durchführbar wohl nur das erste. Für viele der namhafteren Spieler bestünde in der NLA sehr wohl ein Markt. Ein Rückzug in die NLB würde zwar das Defizit senken, aber die Einnahmen erst recht einbrechen lassen. Die wirtschaftlichen Aussichten wären damit kaum besser, die Struktur des Clubs ebenso hinfällig wie die grossen Pläne mit der neuen Nachwuchsorganisation «Young Flyers». Der Umzug in eine andere Stadt, in Nordamerika kein unüblicher Schritt, ist in der kleinräumigen Schweiz schlicht unrealistisch.

Rechnungen pünktlich bezahlt

Indirekt hört man aus Clubkreisen, die vom «Blick» entworfenen Szenarien entbehrten jeder Grundlage. Doch so genau weiss das niemand: Die Mitarbeiter in Kloten sind ja nur Angestellte, wogegen ASE über 99 Prozent der Aktien besitzt und damit das alleinige Sagen hat. Die massgebenden Männer sitzen acht, neun Zeitzonen entfernt und haben sich seit dem Playoff nicht geäussert. Dass sie ihren Club in der entscheidenden Meisterschaftsphase nicht einmal besuchen kamen, deutet sicher nicht auf übermässige Identifikation hin.

Und darum wirkt das abrupte Meisterschaftsende der Flyers wie ein weiteres Déjà-vu: Wie 2012, als der Club hoch verschuldet war und vor dem Ende stand. Hoch verschuldet sind die Flyers zwar nicht, ASE bezahlt die Rechnungen pünktlich und kann sich einen hochdefizitären Club – im Gegensatz zum damaligen Präsidenten Jürg Bircher – auch leisten. Es macht aber ganz den Anschein, dass die Nordamerikaner das nicht mehr wollen.

Erstellt: 11.03.2016, 14:56 Uhr

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