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Im Playout gegen Ambri können die Klotener zeigen, dass sie besser sind als ihr Ruf – oder Trainer Kevin Schläpfer demontieren.

Zum Abschied gefordert: Praplan, Santala, Hollenstein.

Zum Abschied gefordert: Praplan, Santala, Hollenstein. Bild: Keystone

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Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Wenn der EHC Kloten ab heute versucht, im Duell gegen Ambri seine 56-jährige Zugehörigkeit zur höchsten Liga zu bestätigen, zählt die Vergangenheit rein gar nichts.

Es ist egal, ob sich die Clubführung durch den Verzicht auf einen Sportchef selbst in die Schusslinie brachte. Ob der EHC alle sechs Saisonbegegnungen gegen Ambri verlor, abgeschlagen Tabellenletzter war, mit vier Niederlagen in Serie in die schwierigsten Spiele einer jüngeren Geschichte geht. Es ist sogar egal, dass die Mannschaft seit Wochen Auflösungserscheinungen und taktischen Freistil zeigt. Es zählt einzig, wie sie heute und in den weiteren Spielen dieses Abstiegskampfs auftritt.

Die Spieler haben es in der Hand. Sie sind es, die dem Club mit ihren Leistungen das beschert haben, was der EHC auf Plakaten in rührigem Zürichdeutsch als «Saison wienen Albtraum» bezeichnet. Die Marketingabteilung will noch einmal Publikum mobilisieren, «zum s’Abstiegsgspängst usem Schluefweg z’vertriibe», wie es heisst. Und am Publikum lag es nun wirklich nicht. Es schwand zwar zusehends. Doch angesichts des im Rink Gebotenen blieb die Stimmung besonders auf den Stehplätzen bemerkenswert gutmütig.

Doch Marketingabteilung und Fans schiessen keine Tore. Die Spieler haben es in der Hand.

Letzte Chance der Abgänger

Nicht einmal die Hälfte der Akteure auf dem Eis hat auch nächste Saison einen Vertrag in Kloten. Sinkt dadurch die Identifikation mit dem EHC? Sind die Träger grosser Namen wie Denis Hollenstein, Santala, Praplan, Bieber, Grassi oder Boltshauser nicht mehr mit dem Herzen bei der Sache, weil sie nächste Saison anderswo ihrem Beruf nachgehen – im Gegensatz zu Ambri, wo sämtliche Schlüsselspieler bleiben? Oder wollen die Klotener vielleicht genau deshalb zu viel und sind wie gelähmt? Mit Ausnahme von Daniele Grassi (Gehirnerschütterung) sowie Andri Spiller (Handbruch) und Serge Weber (Adduktoren) können sämtliche Klotener darauf eine Antwort geben. Sie findet sich nicht in den vergangenen fünf Monaten – sondern nur in den nächsten paar Wochen.

Die Spieler haben es in der Hand.

An deren Qualität kann es nicht liegen. Die Abgänger haben beim NHL-Club San Jose unterschrieben, beim Schweizer Meister Bern, beim ZSC, beim aufstrebenden Lausanne. Wenn so viele, zum Teil langjährige Leistungsträger in derselben Saison während Monaten ausser Form sind, mag das bedenklich stimmen. Aber dann müsste es ebenso möglich sein, dass sie alle sich im selben Moment wieder auf ihre Stärken besinnen. Insbesondere, aber natürlich nicht nur die Formation mit Hollenstein, Santala und Praplan, die beim EHC seit vielen Saisons für die Tore zuständig ist.

Die Spieler haben es in der Hand.

Kein erkennbares System

Sie müssen nicht jedes Spiel gewinnen. Aber sie müssen etwas tun, was unter Kevin Schläpfer zur Rarität wurde: ein erkennbares System spielen, diesem übers gesamte Spiel treu bleiben, die Fehlerquote tief halten und sich nicht in Einzelaktionen verlieren. Wollen oder können sie das nicht, wäre das ein Armutszeugnis für die Mannschaft – und wohl das Ende von Schläpfer als Trainer in Kloten.

Die Spieler haben es in der Hand.

Denn dass zwischen Team und Trainer etwas grundlegend nicht stimmt, war in den letzten Monaten zur Genüge zu beobachten. Aufmunterungen, Strafmassnahmen, Vier-Augen-Gespräche, Umstellungen aller Art, laute oder leise Töne: Nichts brachte die geringste Wirkung auf dem Eis. Die Clubführung liess sich davon nicht beeindrucken. Mit dem Festhalten an Schläpfer hat sie die riskante Wette abgeschlossen, dass sich all das genau in jenem Moment ändert, in dem es für den EHC um alles geht.

Hollenstein doch Nothelfer?

Es ist zu hoffen, dass sie recht behält. Dass der Plan aufgeht, Clublegende Felix Hollenstein erst im Sommer als Sportchef zu installieren und nicht bereits im März als Nothelfer an die Bande zu stellen. Dass Kevin Schläpfers drei Ligaqualifikationen in sieben Jahren – eine vierte fiel aus, weil Ajoie nicht aufsteigen wollte – tatsächlich ein Qualitätsmerkmal sind, wie die Clubführung glaubt. Und nicht vielmehr ein schwerer Makel.

Es ist die einzige Frage, die Verwaltungsrat und Präsidium jetzt noch beschäftigen kann. Den Rest haben die Spieler in der Hand.

Erstellt: 27.03.2018, 12:50 Uhr

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