Torhüter ab Fliessband

Von Berra bis Schlegel – Markus Peter ist mitverantwortlich, dass die ZSC Lions stets neue Topgoalies produzieren.

Im Kreis seiner Schützlinge: ZSC-Torhütertrainer Markus Peter ist Lehrmeister und Freund zugleich. Foto: Reto Oeschger

Im Kreis seiner Schützlinge: ZSC-Torhütertrainer Markus Peter ist Lehrmeister und Freund zugleich. Foto: Reto Oeschger

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Die Zürcher Goalies waren am Dienstag kaum zu überwinden: Leonardo ­Genoni sicherte dem HC Davos gegen Liberec den Viertelfinaleinzug in der Champions League. In der NLB blieb derweil Niklas Schlegel beim 6:0 der GCK Lions gegen Thurgau ohne Gegentor. Und auch Reto Berra schaffte in der NHL beim 4:0 ­gegen Philadelphia einen Shutout – er hat sich bei Colorado vom Sündenbock zum Rückhalt gewandelt.

Drei Torhüter, eine Parallele: Sie alle ­gingen durch die Schule von Markus ­Peter, genannt «Miez». Der 50-Jährige ist in der ZSC-Organisation verantwortlich für die Förderung der Goalies. Viele seiner Schützlinge ­haben den Durchbruch geschafft: Es ­begann mit Berra und Genoni, ging mit Lukas Meili (Biel) und Tim Wolf ­(Ambri) weiter und fand mit Schlegel sowie Melvin Nyffeler (Lakers) eine ­Fortsetzung. Auch Florence Schelling (Linköping) lernte bei ihm.

Die beachtliche Ausbeute ist der Lohn langjähriger und gezielter Arbeit. Peter, einst selbst Goalie in Bülach, Langnau, Chur und Dübendorf, stiess 1999 kurz nach der Fusion von ZSC und GCK zum Club. Hannu Nyqvist, der finnische Coach von Ari Sulander, hatte ihn von internationalen U-18-Turnieren gekannt und ihn von Bülach abgeworben. Seither wurden die Lions auch dank ­Peter zu ­einer führenden Adresse in ­Europa. Er half mit, die erfolgreiche Nachwuchs­pyramide aufzubauen.

Den 10-jährigen Berra gecoacht

Peter ist einer von mehreren Torhütertrainern in der Organisation, betreut aber jene im entscheidenden Alter zwischen 15 und 20. Dafür pendelt er im 60-Prozent-Pensum zwischen den Trainingszentren Oerlikon, Dübendorf und Küsnacht, gibt Einzelunterricht, analysiert Spiele und macht die Einteilung, welcher Goalie in welchem Team zum Einsatz kommen soll. Nebenbei ist er in ­einem Ingenieurbüro in Eglisau tätig.

Er gilt als ruhiger, akribischer Arbeiter. Fordernd, aber nicht aufbrausend. Statt jemanden in ein vorgegebenes Schema zu pressen, zeigt Peter lieber Optionen auf. «Jeder Goalie ist von Typ und Stil her anders. Es gibt keine Patent­lösung», sagt er. «Ich lerne selbst viel von meinen Schülern, sehe, was funktioniert und was eben nicht.»

Auch nach 16 Jahren bei den Lions ist ihm sein Job nicht verleidet: «In einem Sport, der unglaublich schnell­lebig ist, darf ich immer wieder aufs Neue die Entwicklung eines Talents miterleben. Das ist sehr erfüllend.» Berra (28) zum Beispiel trainierte er schon, als dieser 10-jährig war – heute sendet er ihm ­Gratulations-SMS nach Übersee.

In den frühen Teenagerjahren sei es noch schwierig abzuschätzen, wer eine künftige Nummer 1 werden könne, sagt Peter. «Es ist höchstens ersichtlich, dass einer schneller lernt als andere, weil er koordinativ besonders ­begabt ist.» Zudem müsse erst das Bewusstsein wachsen, dass das Torhüterdasein ein Beruf sein könne und dazu viele Opfer nötig seien. Erst mit rund 19 zeige sich dann, ob ein ­Talent das Zeug für höhere Auf­gaben mitbringe. Drei Punkte sind für Peter auf dem Weg nach oben elementar. 1. Die Technik: «Ein Goalie muss besser Schlittschuh laufen, als viele annehmen.» 2. Die Antizipation: «Er muss das Spiel lesen können.» 3. Das Mentale: «Er muss immer den ­Fokus behalten.»

Zürrer in der Warteschlaufe

Geduld und Ruhe lobt Peter etwa bei Schlegel. Wegen der Verletzung von Stammgoalie Lukas Flüeler kam der 21-Jährige in dieser Saison bereits zu elf NLA-Einsätzen, siegte dabei zehnmal und hielt fast 93 Prozent aller Schüsse. Sein Vertrag läuft aus, er dürfte auf dem Markt bald äusserst begehrt sein.

Schlegel weiss, dass er seinen Aufstieg auch Peter zu verdanken hat. «Er ist sehr detailtreu, sieht Dinge, die sonst keiner sieht», sagt er über seinen einstigen Mentor. «Er ist aber vor allem auch ein Freund. Für ihn gibt es nicht nur Eishockey, man kann mit ihm gut über andere Dinge sprechen. Das hebt ihn von vielen anderen Trainern ab.»

Der mögliche Abgang Schlegels erfordert von den Lions, dass sie den nächsten starken Ersatzmann hervorbringen. Denn Flüeler verpasste in den letzten drei ­Saisons jeweils mindestens 13 Partien wegen muskulärer Probleme. «Unsere breite Basis erhöht die Chance, dass einer rauskommt», sagt Peter. Als Nächstes dürfte Wolfgang Zürrer (19) eine Chance erhalten. Der ZSC produziert Goalies am Fliessband, verliert sie aber auch meist wieder. Der Talentschmied hat sich daran gewöhnt: «Ich freue mich für jeden, der sich durchsetzt.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.11.2015, 22:49 Uhr

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