Transfer fix: Genfs Goalie wechselt im Sommer nach Davos

Mit diesem Transfer rechnete kaum einer. Obwohl er mit seinen jungen Goalies gut unterwegs ist, holt der HCD Robert Mayer.

Ab nächster Saison wohl in Davos: Servettes Robert Mayer.

Ab nächster Saison wohl in Davos: Servettes Robert Mayer. Bild: Salvatore Di Nolfi/Keystone

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Der HC Davos meldet nun offiziell die Verpflichtung Robert Mayers, der Genfer Goalie wechselt ab nächstem Sommer zum Schweizer Rekordmeister, er hat einen Vertrag bis 2024 unterschrieben.

Und im ersten Augenblick fragt man sich: Warum?

Die Bündner sind mit ihrem neuen jungen Goalie-Duo Joren van Pottelberghe/Sandro Aeschlimann grundsätzlich glücklich, beide haben gültige Verträge bis Sommer 2021, dennoch herrscht im Landwassertal ein grosses Kribbeln bezüglich Torhüter-Situation.

Allerdings nicht nur dort. Der Grund ist der «Wahnsinn» auf dem Schweizer Goalie-Markt. Er wird eigentlich erst in einem Jahr erwartet, weil im Sommer 2021 Verträge in Ambri (Benjamin Conz), Langnau (Ivars Punnenovs und Damiano Ciaccio), Lugano (Sandro Zurkirchen), Rapperswil-Jona (Melvin Nyffeler) und eben Davos auslaufen.

Jener von Niklas Schlegel in Bern wäre ebenfalls 2021 ausgelaufen, nun wurde aber heute Dienstag sein sofortiger Abgang zu Lugano bekannt. Das macht alles aber nicht weniger kompliziert. Nur der ZSC (Lukas Flüeler bis 2022), Lausanne (Tobias Stephan bis 2022), Fribourg (Reto Berra bis 2024) und Zug (Leonardo Genoni bis 2024) haben über 2021 hinaus Gewissheit betreffend eines klaren Nummer-1-Goalies.

Und nun holt Davos noch einen Goalie

Aber nochmals die Frage zur Davoser Situation: Warum? Ein möglicher Grund: Van Pottelberghe ist ein NHL-Draftee der Detroit Red Wings, er hat Ende der aktuellen Saison eine Ausstiegsklausel für Nordamerika. Es ist der Traum des 22-jährigen Goalies, es einst in die beste Eishockey-Liga der Welt zu schaffen, es besteht die Möglichkeit, dass er 2020 zumindest in der AHL beim Farmteam in Grand Rapids eine Chance erhält und diese dann auch packen will. Aeschlimanns Abgang aus Davos ist 2021 ebenfalls möglich, dann, wenn das Goalie-Karussell sich in vollem Schwung drehen dürfte.

Im Davoser Worst Case Szenario stehen die Bündner 2021 ohne (Schweizer) Goalie da. Mit Mayer ist indes nun auch folgendes möglich: van Pottelberghe und Aeschlimann bleiben bis Vertragsende Sommer 2021 beim HCD, dann hat der Rekordmeister für die Saison 2020/21 drei valable Goalies im Kader. Was sagt man in Davos dazu? «Lieber drei Goalies als nur einer», meint Sportchef Raeto Raffainer. «Die Möglichkeit, einen Torhüter vom Format Mayers zu verpflichten, wird es in ein oder zwei Jahren wohl nicht mehr geben. Deshalb mussten wir diese Chance jetzt nutzen.»

Wie reagieren die aktuellen Davoser Goalies?

Es dürften dann weitere Fragen auftauchen, eine stellt sich bereits jetzt: Wie reagieren die beiden Davoser Goalies darauf, wenn sie nun wissen, dass nächste Saison ein anderer Nummer-1-Keeper kommt? Besonders für van Pottelberghe ist die Situation delikat: Er war bereits letzte Saison mit Gilles Senn Teil eines Davoser Goalie-Duos, dem unerwartet ein anderer, prominenterer Keeper (damals der Schwede Anders Lindbäck) vor die Nase gesetzt wurde.

Beiden dürfte klar sein, dass einer nächste Saison kaum noch in Davos spielen wird, ein Szenario mit drei valablen Goalies ist untragbar. Und was bedeutet all das für den verrückten Schweizer Goaliemarkt? Sicher keine Beruhigung …

Das Karussell wird nun ins Rollen kommen

Es gibt bereits so viele Fragezeichen, so viele Szenarien. Genf und Bern beispielsweise brauchen schon für nächste Saison neue Nummer 1-Goalies. Ausser die Servettiens stufen den 23 Jahre jungen Gauthier Descloux als bereits bereit für diese Rolle ein. Und der SCB verlängert vorzeitig mit dem Finnen Tomi Karhunen, der kürzlich als «Notnagel» bis Ende Saison gekommen ist.

In Biel braucht es einen Nachfolger für Jonas Hiller, der zurücktreten wird. Oder tritt er am Ende doch nicht zurück? Und wenn doch, setzt Biel dann auf einen Ausländer? Oder kommt dann, zumindest für eine Saison, plötzlich einer der beiden aktuellen Davoser Goalies zum Handkuss? Jener, der in Graubünden nur noch die «Nummer 3» wäre …?

Und was die 2021 auslaufenden Goalie-Verträge angeht: Will Zurkirchen auch dann in Lugano bleiben, wenn er sich das Amt mit Schlegel teilen muss? Und die SCL Tigers? Sie versuchen bereits jetzt, mit Ivars Punnenovs über eine vorzeitige Vertragsverlängerung einig zu werden. Der Lette mit Schweizer Lizenz ist derzeit einer der besten seines Fachs in der National League, es wird zur äusserst schwierigen Herausforderung für Langnaus Sportchef Marco Bayer, Punnenovs zu halten. Die halbe Liga dürfte hinter Punnenovs her sein – sprich alle Teams ohne gelöste Goalie-Situation nach 2021, und dazu gehören einige finanziell potentere Teams als die Emmentaler. Nein, ruhig wird der Goalie-Markt definitiv nicht bleiben …


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Erstellt: 10.12.2019, 15:48 Uhr

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