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Überflieger Josi, Rätsel Niederreiter und Wirbelwind Fiala

Die 15 Schweizer in NHL-Organisationen schreiben unterschiedliche Geschichten. Ein Blick auf ihre Leistungen zwischen Skorerpunkten und Dollarmillionen.

Geld gibt es für Roman Josi künftig reichlich: Er erhielt einen Achtjahresvertrag über 72,4 Millionen Dollar.
Geld gibt es für Roman Josi künftig reichlich: Er erhielt einen Achtjahresvertrag über 72,4 Millionen Dollar.
Keystone

In der National League rückt das Playoff nahe, in der NHL sind erst gut zwei Drittel der Qualifikation gespielt. Viele Teams mit Schweizern haben sich diese Saison schwergetan, nur vier wären aktuell im Playoff dabei: Gaëtan Haas (Edmonton), Dean Kukan (Columbus), Nino Niederreiter (Carolina) und Jonas Siegen thaler (Washington). Ein Blick auf die Leistungen der Schweizer:

Der Absteiger

Sven Bärtschi (Stürmer, 27)

Seine Rückversetzung vor Saisonstart kam überraschend, hatte er doch in den letzten vier Jahren mehr als 200-mal für Vancouver gespielt. Bärtschi durfte zwar noch sechs NHL-Partien bestreiten, seit dem 20. November muss er aber stets für die Utica Comets auflaufen, obwohl er dort im Schnitt einen Skorerpunkt pro Partie (33 Punkte in 32 Spielen) erzielt. Auch nächste Saison läuft der noch mit mehr als 3 Millionen US-Dollar dotierte Vertrag des 27-Jährigen, was Interessenten abhält.

6 Spiele/2 Punkte (0/2), -2-Bilanz

Der Wirbelwind

Kevin Fiala (Stürmer, 23)

Der 23-Jährige hatte in Minnesota einen schweren Saisonstart. Und 2020 gab es Fragezeichen betreffend Konstanz des Ostschweizers. Acht Spiele lang traf er nicht. Aber in der abgelaufenen Woche wirbelte er. Zwei Goals gegen Chicago, ein Tor und ein Assist gegen Vancouver, ein Assist gegen Dallas beim 3:2 nach einem 0:2-Rückstand: fünf Punkte, drei Siege. Fiala ist besser unterwegs als 2018/19, als er für Nashville und Minnesota total 39 Punkte skorte.

50 Spiele/35 Punkte (13/22), +1

Der Anpassungsfähige

Gaëtan Haas

Nachdem er bei seinem Debüt nur 2:11 Minuten Eiszeit erhielt, hat sich der Romand eine etwas grössere Rolle erspielt. Der Mann, der für den SC Bern die letzte Meisterschaft mitentschied, ist fixer Viertlinien-Center bei Edmonton. Seine technischen Vorzüge kommen aber nicht optimal zur Geltung, da er in einer der Defensivreihen im Einsatz ist. Haas muss sich jede Einsatzminute hart erkämpfen, nur in der Hälfte der Spiele erreicht er zweistellige Werte.

46 Spiele/10 Punkte (5/5), 0

Der Stagnierende

Nico Hischier (Stürmer, 21)

Eine Saison, in welche die Devils mit grossen Hoffnungen stiegen, hat in ein Desaster gemündet: Topskorer Taylor Hall weg, Coach John Hynes weg, General Manager Ray Shero weg, die Playoff-Chancen bald auch. Nico Hischier ist es nicht gelungen, New Jersey aus der Krise zu führen. Ihm fehlt in seiner dritten NHL-Saison immer noch das Spielvolumen zum Nummer-1-Center. Immerhin hat er noch viel Zeit, um zu beweisen, dass er es doch sein kann. Ab nächster Saison läuft sein neuer Siebenjahresvertrag über 50,75 Millionen Dollar.

46 Spiele/32 Punkte (13/19), -9

Konnte die Devils noch nicht aus der Krise führen: Nico Hischier. (Bild: Keystone)
Konnte die Devils noch nicht aus der Krise führen: Nico Hischier. (Bild: Keystone)

Der Überflieger

Roman Josi (Verteidiger, 29)

Nur dank ihrem Captain schnuppern die Nashville Predators noch an einem Playoff-Platz. Roman Josi spielt mit 29 seine beste Saison, er skort wie noch nie und hat auch mit Abstand die beste Plus-Minus-Bilanz im Team. Wenn er seine Form weiterziehen kann, ist er auch ein Kandidat für die Norris-Trophy des besten NHL-Verteidigers. Die Predators statteten ihn im Oktober mit einem neuen Achtjahresvertrag über 72,4 Millionen Dollar aus. Es gibt keine Anzeichen, dass sie dies kurz- oder mittelfristig bereuen werden. Der Berner wird immer besser.

54 Spiele/54 Punkte (14/40), +22

Der Belohnte

Dean Kukan (Verteidiger, 26)

Am 2. Januar wurde der Aufschwung des Zürchers abrupt gestoppt, als er sich gegen Boston am Meniskus verletzte. Der 26-Jährige hatte sich im letzten Playoff in der Hierarchie von Columbus nach oben gespielt und auch in dieser Saison einen ansprechenden Start. Einen Vertrauensbeweis erhielt er am Freitag, als sein Vertrag um zwei Jahre für 3,3 Millionen Dollar verlängert wurde. Für die Heim-WM ist Kukan unabhängig von seiner Genesung kein Thema, da er letztes Jahr Fischer verärgerte.

33 Spiele/5 Punkte (1/4), -9

Der Gebremste

Philipp Kuraschew (Stürmer, 20)

Die Blackhawks halten grosse Stücke auf dem kreativen Jungcenter, doch der Einstieg ins Männereishockey war für Philipp Kuraschew nicht einfach. Seit Ende Dezember fehlt er wegen eines Checks gegen den Kopf, sonst hätte er wohl schon erste NHL-Einsätze erhalten. In 29 Spielen skorte er für Rockford 16 Punkte - kein schlechter Wert für einen Neuling. Doch er muss mit der ruppigeren Gangart noch besser zurechtkommen.

Der Suchende

Denis Malgin (Stürmer, 23)

Wenn Malgin Glück hat, wird er noch diese Saison seinen 200. NHL-Match absolvieren. Bei den Florida Panthers aber ist der 23-Jährige nicht erste Wahl. Er bewegt sich aktuell auf dem gleichen Niveau wie im letzten Winter. Der Vertrag Malgins, der sich 2016 von Zürich aus in die NHL aufmachte, läuft nach einer Verlängerung im letzten Sommer noch diese Saison. Ob es dem 1,75 m grossen Center zu einem neuen Kontrakt oder zu einer neuen Destination in der NHL reicht?

35 Spiele/11 Punkte (4/7), -6

Der Langsamstarter

Timo Meier (Stürmer, 23)

Dem Appenzeller ist es nicht gelungen, seine exzellente Vorjahressaison (30 Toren, 66 Punkte) zu bestätigen. Damit steht er bei den Sharks, die als Titelaspiranten starteten und nur noch geringe Playoff-Chancen haben, aber nicht allein da. Ausgestattet mit einem neuen Vierjahresvertrag über 24 Millionen Dollar startete er miserabel in die Saison und bekam auch nicht die gewünschte Eiszeit. Der neue Coach Bob Boughner setzt zwar mehr auf ihn und seine Formkurve wies nach oben, doch die Saison dürfte für ihn kaum mehr zu retten sein - ausser an der WM.

Exzellent in der Vorsaison, diesmal startete er schlecht: Timo Meier. (Bild: Keystone)
Exzellent in der Vorsaison, diesmal startete er schlecht: Timo Meier. (Bild: Keystone)

55 Spiele/36 Punkte (18/18), -15

Der Stille

Mirco Müller (Verteidiger, 24)

Der 24-jährige Verteidiger aus Winterthur macht kaum Schlagzeilen. Im letzten Sommer erhielt er eine Gehaltsaufbesserung, sein Einjahresvertrag bei den New Jersey Devils ist 1,4 Millionen Dollar wert. Was nach dieser Saison kommt, ist offen. Was erstaunt bei einem, der bereits vor sechs Jahren sein NHL-Debüt gab (für San Jose). Erst vier NHL-Tore erzielte er, das mag zu wenig sein. Seine Defensiv-Qualitäten dagegen waren auch mitentscheidend beim Schweizer WM-Silber 2018.

35 Spiele/4 Punkte (1/3), -9

Das Rätsel

Nino Niederreiter (Stürmer, 27)

Nach dem Wechsel noch während der Saison von Minnesota zu Carolina war Nino Niederreiter im vergangenen Winter als «der Trade» gefeiert worden. In 36 Spielen kam er auf 30 Punkte (14 Tore). Und jetzt rätselt der 27-jährige Flügel, warum es ihm nicht läuft. Seit Jahreswechsel hat er nur ein Tor erzielt, total sind es sieben. Niederreiter, der rund 5 Millionen Dollar verdient, erwartet von sich selber viel mehr. Er wird noch in dieser Saison seine 600. NHL-Partie absolvieren.

54 Spiele/23 Punkte (7/16), -6

Das Stehaufmännchen

Luca Sbisa (Verteidiger, 30)

Einmal mehr wurde der physisch starke Zuger abgeschrieben, im letzten Sommer schien seine Karriere fast beendet, als er erneut lange kein Team fand. Dann wurden aber Verteidiger-Engpässe bei Winnipeg zum Glück des Defensiv-Verteidigers. Er spielt eine respektable Saison mit fast ausgeglichener Plus-/Minus-Bilanz, ist im Boxplay gesetzt und mit seinen 30 Jahren der erfahrenste Verteidiger bei den Jets. Fischer wird ihn auf seiner Übersee-Reise beobachten.

42 Spiele/10 Punkte (2/8), -1

Der Kurzberufene

Gilles Senn (Goalie, 23)

Keine Organisation rotiert bei den Goalies so stark wie New Jersey. 5 Torhüter streiten sich um 4 Positionen in NHL und AHL und mit Ausnahme von Blackwood sind alle betroffen. Senn erhielt mit seinen ersten zwei NHL-Einsätzen innert 24 Stunden ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk, seither spielt er aber stets für Binghamton. Dort werden seine Werte immer besser. Er hat 20 Starts auf dem Konto und erreichte zuletzt viermal eine Abwehrquote von über 90 Prozent.

2 Spiele, 3,43 Gegentore, 90,2 Prozent Fangquote

Einer von fünf Goalies bei den New Jersey Devils: Gilles Senn. (Bild: Keystone)
Einer von fünf Goalies bei den New Jersey Devils: Gilles Senn. (Bild: Keystone)

Der Verlässliche

Jonas Siegenthaler (Verteidiger, 22)

Der Zürcher hat sich bei Washington, einem Topteam der Liga, klammheimlich einen NHL-Stammplatz erkämpft. Ja, mehr noch: Er ist einer der verlässlichsten Spieler in der Abwehr der Capitals. Der 22-Jährige, der schon früh als Ausnahmetalent galt, brauchte einfach etwas Zeit, um noch zu reifen. Mit seiner Grösse, Spielintelligenz und Mobilität verrichtet er seine Abwehrarbeit sehr solide, inzwischen hat er auch schon zwei NHL-Tore erzielt. Sein Vertrag läuft aus, die Capitals dürften ihm einen neuen offerieren.

54 Spiele, 2 Tore, 7 Assists, +9

Der Hartnäckige

Yannick Weber (Verteidiger, 31)

Der 31-jährige Verteidiger ist ein Phänomen. Immer wieder schien es, dass es ihm knapp nicht reicht für einen Vertrag, immer wieder bewies er das Gegenteil. Ende dieser Saison läuft der Kontrakt in Nashville aus, bei den Predators hat er 20 Partien weniger absolviert als Roman Josi. Vor etwas mehr als einer Woche erzielte Weber seinen ersten Saisontreffer, seine Statistik wird sich nicht gross von der des Winters davor unterscheiden, als er in 62 Partien auf 8 Punkte kam.

34 Spiele/3 Punkte (1/2), +1

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