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Luganos nächster Anlauf

Seit 2006 und dem siebten Meistertitel waren die Tessiner nie mehr «grande». Auch in dieser Vorbereitung gab es einen empfindlichen Rückschlag.

Marco Keller
Nach der Zuversicht der nächste Dämpfer für Damien Brunner.
Nach der Zuversicht der nächste Dämpfer für Damien Brunner.
Keystone

Er lief den Gegnern um die Ohren, er skorte, ja, er checkte sogar. Was Damien Brunner zu Beginn der Vorbereitung zeigte, war vielversprechend. Er schien nach einer Serie von Verletzungen wieder der Alte zu sein, ein Stürmer mit eingebauter Spektakelgarantie, gleichzeitig effizient. «Ich fühle mich so gut wie seit zwei Jahren nicht und kann auch im Training wieder ans Limit gehen», sagte er und fügte an, «es wäre schön, eine verletzungsfreie Saison zu spielen.»

Vielversprechende Worte, ausgesprochen vor zehn Tagen in der Resega. Und längst Makulatur. Am letzten Mittwoch verletzte sich Brunner bei einem Testspiel. Die Diagnose war ernüchternd: Schultereckgelenk lädiert, Operation unumgänglich, rund drei Monate Pause. Ein weiterer Rückschlag, auch die Teilnahme an den Olympischen Spielen scheint gefährdet. «Er hat riesiges Pech», sagt Captain Alessandro Chiesa, «er spielte grossartig in der Vorbereitung. Er wird uns enorm fehlen.»

Brunners Situation ist symptomatisch für das Gesamtbild in Lugano. ­Immer, wenn es dauerhaft nach oben ­gehen sollte, kommt etwas dazwischen. Zumindest seit dem letzten von sieben Meistertiteln 2006. In den ersten neun Jahren danach gewann das Team keine Playoff-Serie, angesichts der Kadersub­stanz spottet dies jeglicher Beschreibung. Zuletzt immerhin eine Verbesserung: im Vorjahr die Finalteilnahme nach Siegen gegen Zug und Servette, im vergangenen Frühling der Viertelfinal-Exploit gegen die ZSC Lions. Endstation war in beiden Fällen der SC Bern.

Bei kaum einer anderen Schweizer Sportorganisation klafften Anspruch und Realität im letzten Jahrzehnt weiter auseinander als beim HCL. Und auch in den letzten beiden Jahren deutete nicht immer alles auf eine Steigerung hin: Das Team fand sich temporär unter dem Trennstrich wieder, und erst nach den Entlassungen von Patrick Fischer und Doug Shedden – den Trainerwechseln 11 und 12 seit 2006 – ging ein Ruck durchs Team. Mit den Plätzen 5 und 7 kam ­Lugano mit einem blauen Auge davon. Damit die Steigerung dauerhaft wird, fordert Brunner von Anfang an eine Verbesserung: «Wir können nicht immer in der Qualifikation Stuss zusammenspielen. Wir müssen so weit kommen, dass wir Bern oder Zürich bereits in diesen Phasen regelmässig fordern können.»

Abwehr als Achillesferse

Für weitere Fortschritte müssen die Abwehrwerte zwingend verbessert werden. 155 Tore kassierte Lugano in der letzten Qualifikation, nur Kloten, Ambri und Fribourg waren schlechter. Die Abwehrspieler waren in den letzten Jahren aber auch Dauergäste in der medizinischen Abteilung. Julien Vauclair (37), aber auch Stratege Philippe Furrer und Stefan Ulmer plagten sich oft mit Blessuren herum, Clarence Kparghai verpasste die ganze letzte Saison. Dieses Quartett fehlte in den letzten vier Jahren kumuliert in 251 Spielen der Regular Season. Ob da Bobby Sanguinetti (von Kloten) und Thomas Wellinger (Biel) Abhilfe schaffen können, ist offen. Jedenfalls kann Trainer Greg Ireland froh sein, dass er zehn Verteidiger im Kader hat.

Richten soll es wie meistens die Offensive, und unter den 14 Mann finden sich einige Hochkaräter. Allerdings werden sie in nicht wenigen Fällen von Fragezeichen begleitet: Kann Maxim Lapierre neben seiner Rolle als Provokateur auch konstant produktiv sein? Bleibt Grégory Hofmann nach dem Camp bei Carolina trotz der Aussicht auf Olympia gleich in Übersee? Hat Luca Fazzini im Sommer genügend trainiert, um seinen Aufwärtstrend zu bestätigen? Und wie steht es um die Physis von Linus Klasen und Luca Cunti, die teils schon während der Vorbereitung geschont wurden? Immerhin: Die Balance unter Ireland stimmt, die Stürmer werden nicht mehr ausgepresst wie Zitronen wie unter Shedden. Brunner ist zuversichtlich: «Die Top 9 sind produktiv, und die vierte Linie arbeitet und ackert vorbildlich. Wenn alle gesund sind, ist vieles möglich.» Eine richtige Garantie gibt es nur im Tor: Elvis Merzlikins ist nun 23 und zum konstanten Spieler und Publikumsliebling gereift.

Die erste Stunde der Wahrheit schlägt am Freitag, zu Hause gegen Ambri. Für Chiesa ideal: «Das Derby ist der bestmögliche Start in die Saison. Die richtigen Emotionen, ein volles Stadion. Was will man mehr?»

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