Und plötzlich ist Ambri der Favorit

Die Leventiner stehen vor ihrem siebten Playout-Final in zehn Jahren. Aber gegen Kloten trotzdem vor einer Premiere.

Mit Dominik Kubaliks Verpflichtung gelang Ambri ein Coup.

Mit Dominik Kubaliks Verpflichtung gelang Ambri ein Coup. Bild: Keystone

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Falls es stimmt, dass eine misslungene Hauptprobe eine gute Premiere verheisst, müssten die Klotener heute nichts anderes tun als sonst gegen Ambri: verlieren. Fünfmal kreuzten die zwei schlechtesten Teams der National League diese Saison die Stöcke, immer kamen die Sieger aus dem Tessin. Schlechter kann die Bilanz nach diesem letzten, ansonsten bedeutungslosen Match der Platzierungsrunde also nicht werden. Dafür hätte der EHC bei seiner Premiere im Playout-Final ab Dienstag wenigstens eine alte Theaterweisheit auf seiner Seite. Aussenseiter ist er sowieso.

Das ist neu bei dieser Affiche. Denn die Rolle des Aussenseiters ist in der Liga eigentlich fest vergeben. An Ambri, das Team aus der oberen Leventina, wo es keinen grösseren Arbeitgeber und keinen besseren Botschafter gibt. An den Club aus dieser strukturschwachen Region, wo für die Verwendung der lawinenbedrohten Eishalle jährlich eine Sonderbewilligung nötig ist. Wo die Utopie einer neuen Arena fast so alt ist wie die Siegeshymne «La Montanara». Wo der Profisport des 21. Jahrhunderts eigentlich nichts mehr verloren hat und der Existenzkampf einfach dazugehört. Rückbesinnung aufs Lokale

Seit 2008 bestritt Ambri nicht weniger als sechs Playout-Finals. Die Hälfte davon verlor es und rettete sich erst in der Ligaqualifikation gegen den NLB-Meister. Das letzte Mal, ein 4:0 gegen Langenthal, ist knapp elf Monate her. Es führte zu einer Rückbesinnung, die den Club sportlich wie personell massiv gestärkt hat.

Paolo Duca und Luca Cereda heissen die Schlüsselfiguren, die Ambri die ruhigste Saison seit Jahren bescherten. Duca wurde vom Captain direkt zum Sportchef befördert, Cereda als Trainer vom Farmteam Biasca geholt. Mit 36 Jahren sind beide in ihrem Job die Jüngsten der Liga. Als Junioren wurden sie einst zusammen in Ambri gross. Nun sorgten sie dafür, dass auch bei Niederlagenserien alles ruhig blieb im Schattental.

Solche Serien gab es durchaus. Zweimal verlor das Team unter Cereda fünfmal in Folge, doch der Jungtrainer konnte ohne Polemiken weiterarbeiten. Das zahlte sich aus: Seit dem Jahreswechsel gewann Ambri exakt die Hälfte seiner 20 Spiele. Nicht gerade der Wert eines Abstiegskandidaten.

Dieser positive Trend fällt zusammen mit der Ankunft eines gewissen Dominik Kubalik. Sportchef Duca hatte den 22-Jährigen schon Ende August verpflichtet, aber auf Abruf in der tschechischen Liga parkiert. Eigentlich war Ambris Ausländerquartett ja schon komplett gewesen. Doch entgehen lassen wollte man sich den hochbegabten Stürmer auch nicht, der nach Auflösung seines KHL-Vertrags unerwartet auf den Markt gekommen war. Es war ein Coup: Kubalik hatte zweimal die Torjägerkrone der tschechischen Liga errungen. Als er die Heimat im November dann Richtung Ambri verliess, war er auf Kurs zur dritten Krone. Und seither kommt in der Schweizer Liga kein Mitspieler – schon gar kein Klotener – annähernd auf seinen Schnitt von über einem Skorerpunkt pro Spiel.

Natürlich besteht die Ambri-Offensive nicht nur aus einem Mann. Der 21-jährige Österreicher Dominic Zwerger, auch er eine Duca-Trouvaille, gehört ebenso zu den Leistungsträgern wie der zu alter Form zurückgekehrte Topskorer Matt D’Agostini oder Zweiwegcenter Cory Emmerton. Dank ihnen war Ambris Powerplay in der Qualifikation das drittbeste der Liga – Kloten war die Nummer 11. Am Donnerstag beim 6:3 gegen Lausanne bewies es seine Gefährlichkeit mit zwei Treffern ein weiteres Mal. Kein Team kassiert mehr Tore

Als Schwachstelle präsentiert sich dagegen Ambris Defensive. Kein Club kassierte mehr Tore (184), Benjamin Conz gehört statistisch seit Jahren zu den schlechteren Goalies im Lande – und mit dem 22-jährigen Michael Fora wird der Captain und wichtigste Verteidiger wohl das gesamte Playout verletzt verpassen.

Das Personal fürs Abstiegsdrama ist also bekannt, die Rollen verteilt. In Kloten trifft man sich heute zur letzten Probe.

Erstellt: 24.03.2018, 10:00 Uhr

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