«Vielleicht fühlten sich einige Spieler bislang zu wohl»

Kloten-Trainer Kevin Schläpfer über die Enttäuschung nach dem Lausanne-Match – und warum er danach erstmals auch vom Playout sprach.

Enttäuscht nach dem 0:4 in Lausanne: Kloten-Trainer Kevin Schläpfer.

Enttäuscht nach dem 0:4 in Lausanne: Kloten-Trainer Kevin Schläpfer. Bild: Laurent Gillieron/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Haben Sie Dienstagnacht nach der Rückkehr aus Lausanne und der klaren 0:4-Niederlage noch lange herumgegrübelt?
Ja, sicher. Es war eine enttäuschende Leistung nach einem aus meiner Sicht guten Wochenende, auch wenn wir gegen Fribourg und Davos im Penaltyschiessen verloren hatten. In Lausanne kann man auch verlieren, aber die Art und Weise passte mir gar nicht. Wir waren wirklich schlecht.

Die Mannschaft hat sich erstmals unter Ihnen phasenweise etwas gehen lassen …
Ich hatte eher das Gefühl, dass wir am Anfang nicht bereit waren und schon wieder ein frühes Gegentor kassierten.

Ihre Spieler liessen Tore und viele Chancen zu, weil sie nicht wirklich am Gegner dran waren.
Darum bin ich auch enttäuscht. Ich verstehe den Grund dafür aber noch nicht wirklich, bin selber ein wenig perplex. Wir hätten nach dem Wochenende Grund gehabt, aufgestellt nach Lausanne zu fahren. Vielleicht war ich selber auch zu positiv nach den beiden Spielen …

Sie sprachen in Lausanne erstmals auch vom Playout, also dem drohenden Abstiegskampf. War das eine ehrliche Einschätzung nach dieser Leistung oder ein Weckruf an jene Spieler, die den Ernst der Lage immer noch nicht begriffen haben?
Beides. Natürlich soll es ein Weckruf sein. Aber wir müssen auch realistisch sein, dass das Playoff schon wegen der Punkteanzahl langsam unrealistisch wird. Wir müssten eine Riesenserie hinlegen, um ins Playoff zu kommen. Weil auch die anderen Clubs hinten punkten regelmässig.

Es ist aber eine gefährliche Situation. Gut 20 Spiele bis zum Ende der Qualifikation, in denen es quasi um nichts mehr geht? Das wäre ein sehr lange Phase …
So kann man es nicht formulieren. Wir müssen natürlich trotzdem versuchen, den Abstand zu verringern, damit wir in der Zusatzrunde noch eine Chance haben, Platz 10 zu erreichen und so das Playout zu umgehen. Das ist sicher das Ziel jetzt. Dafür haben wir auch noch genug Spiele.

Falls die Vorbereitung auf diese Phase bereits begonnen hat: Was können Sie da im Alltag bereits ändern?
Du kannst härter oder anders trainieren. Mehr an Details arbeiten. Wenn du immer alles den drei Spielen pro Woche unterordnest, ist das schwierig. Ich kann mir vorstellen, dass wir nun öfters längere Trainingseinheiten einwerfen, ohne immer Rücksicht auf die kommenden Spiele zu nehmen.

Sie stellten in Lausanne im Schlussdrittel um, nahmen sogar Ihre Top-Linie Praplan/Santala/Hollenstein auseinander. War das auch bereits ein Zeichen für die künftigen Spiele?

Nein, ich musste einfach irgendetwas probieren, konnte nicht einfach so weiterspielen lassen. Lausanne liess ihre besten Leute gegen unsere besten Leute laufen und schaffte es so mehr oder weniger, unsere Top-Linie zu neutralisieren. Ich wollte damit erreichen, dass die anderen Linien auch einmal produzieren. Weil das findet im Moment einfach kaum statt.

Sie sagen es: Kloten ist im Toreschiessen sehr abhängig von einem Trio. Was unternehmen Sie dagegen?
Wir müssen weiter probieren, Lösungen zu finden. Wenn wir ehrlich sind, ist das aber nicht erst seit dieser Saison ein Problem in Kloten. Die anderen Spieler müssen sich da einerseits Gedanken machen. Und ich werde andererseits diese Spieler mehr in die Verantwortung nehmen müssen. Weil vielleicht haben sich einige Spieler in der zweiten und dritten Reihe etwas zu wohl gefühlt bislang.

Haben Sie aber überhaupt genug Tiefe im Kader, um mit der Aufstellung Druck zu machen?
Im Moment sicher nicht.

Mit unerwarteten Einsätzen von Junioren überraschen?
In Lausanne hatten wir erstmals Ian Derungs dabei, und ich werde sicher noch versuchen, den einen oder anderen Junioren reinzunehmen. Aber ob das wirklich grosse Veränderungen sind? Dahinter muss man realistischerweise schon ein Fragezeichen setzen. Ein Druckmittel muss was Grösseres sein. Eine Drohung, die nicht echt wirkt, nützt nichts.

Ein Aufrüsten während der Saison ist aber nicht möglich.
Das einzige Potenzial, das wir haben, ist einen oder gar zwei zusätzliche Ausländer zu holen, damit wir auch mit deren vier spielen können. Dann könnte ich im Sturm Druck machen. Und mit fünf kannst du auch innerhalb der Ausländer für Druck sorgen.

Sie müssen gleichzeitig bereits auch Richtung nächste Saison schielen. Vertragsverhandlungen führen einerseits, nach neuen Spielern Ausschau halten andererseits. Wie gehen Sie mit dieser Situation um?
Wegen nächster Saison mache ich mir nicht allzu grosse Sorgen. Wir sind im Gespräch mit potenziellen Zuzügen. Ich fokussiere mich auf die aktuelle Saison.

Aber es gibt ja die eigenen Spieler mit auslaufenden Verträgen wie Verteidiger Edson Harlacher.
Natürlich möchten wir ihn gerne behalten. Er ist ein guter Spieler und ein «eigener Klotener». Aber falls er nicht unterschreibt, unterschreibt er nicht. Dann kommt ein anderer für ihn. Wenn er ein besseres Angebot hat und geht, können wir ihn ersetzen. Das ist Teil des Geschäfts. Ob wir nächste Saison ins Playoff kommen oder nicht, entscheidet sich nicht daran.

Bei einem Vincent Praplan, der nächste Saison nach Nordamerika will, sieht das anders aus. Ihn können Sie mit einem Schweizer kaum ersetzen. Gibt es überhaupt eine Möglichkeit, ihn nächste Saison noch im Klotener Dress zu sehen?
Es gibt eine Chance. Ich wünsche ihm, dass er sich in der NHL einen Stammplatz ergattern kann. Wenn ihm das aber nicht gelingt, dann spielt er für uns.

AHL ist bei ihm keine Option?
Er hat im Vertrag eine Ausstiegsklausel für die NHL. Und so wie ich es verstehe, geht es auch bei ihm selber nur darum, es in der NHL zu schaffen.

Erstellt: 06.12.2017, 12:27 Uhr

Artikel zum Thema

Schläpfers Team in Schlüsselspiel chancenlos

Lausanne gewinnt das Nachtragsspiel der National League gegen Schlusslicht Kloten mit 4:0. Die Lage für die Zürcher Unterländer wird immer aussichtsloser. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Kommentare

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Die Welt in Bildern

Spielvergnügen: Kinder spielen in einem 20'000 Quadratmeter grossen und zwei Kilometer langen Maislabyrinth bei «Urba Kids» in Orbe, Waadt. (22. August 2019)
(Bild: Laurent Gillieron) Mehr...