Vom NHL-Champion bis zum jungen Wilden

Sechs Spieler sind zu den ZSC Lions gestossen. Marcus Krüger und Garrett Roe sollen Schlüsselrollen einnehmen, die Schweizer den nächsten Schritt machen. Die Neuen im Kurzporträt.

Marcus Krüger kommt hochdekoriert – und erlebt in Zürich gleich «fun-Hockey». (Bild: Freshfocus/Pius Koller)

Marcus Krüger kommt hochdekoriert – und erlebt in Zürich gleich «fun-Hockey». (Bild: Freshfocus/Pius Koller)

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Der verlängerte ArmMarcus Krüger

Der prominenteste ZSC-Zuzug bringt ein eindrückliches Palmarès mit: zweimal Stanley-Cup-Sieger mit Chicago (2013, 2015), Weltmeister (2017) und Olympia-Silbermedaillengewinner (2014). Hätten die Schweden den Olympiafinal in Sotschi gegen Kanada gewonnen, er würde sogar zum exklusiven Triple-Gold-Club (29 Mitglieder) zählen.

Doch nach acht Jahren NHL war Krügers Reise vorbei, und nach der WM erkundigte er sich bei Trainer Rikard Grönborg, ob er ihn beim ZSC gebrauchen könnte. Ja, kann er! Der Center wurde auf Anhieb zum Assistenzcaptain berufen und soll der verlängerte Arm Grönborgs sein.

Erwartet werden weniger haufenweise Skorerpunkte als vor allem teamdienliches Spiel und eine Vorbildrolle. So sagt Krüger denn auch über sich: «Ich versuche, smart und in beide Richtungen zu spielen, meinen Teamkollegen zu helfen und verantwortungsbewusst zu sein.»

In der Vorbereitung war er überrascht, wie offen das Spiel in der Schweiz ist. Er spricht von «Fun-Hockey». Bis jetzt gefalle es ihm gut hier, sagte er, der mit seiner Verlobten angereist ist. Nur etwas bereut er inzwischen: dass er in Stockholm in der sechsten Klasse Spanisch statt Deutsch als dritte Sprache wählte. «Ich dachte damals wohl, ich würde Fussballprofi werden.»

Der hitzige SkorerGarrett Roe

Wird er der Center, der so lange fehlte? Man erhofft es sich von Garrett Roe. (Bild: Freshfocus/Andy Müller)

Der Amerikaner ist ein Spieler, der unter die Haut geht, nervt und polarisiert. Im Playoff machte er etwa mit einer Schwalbe auf sich aufmerksam, die selbst sein Zuger Coach Dan Tangnes verurteilte. Wohl auch, weil da schon klar war, dass Roe zum ZSC wechselt.

Nur 1,73 Meter gross, musste der Spielmacher eben schon früh alle Möglichkeiten ausloten, um sich Vorteile zu verschaffen. Und so ist aus ihm ein exzellenter Skorer geworden. Zuerst reüssierte er in Salzburg, dann in München, ehe er via Linköping zum EVZ kam und dort über einen Punkt pro Spiel skorte.

Das wird von ihm nun auch bei den ZSC Lions erwartet. Allerdings hat er nach einer Leistenoperation noch etwas Rückstand. Vorgesehen ist er als der spielstarke erste Center, der den Zürchern die letzten zwei Jahre meist fehlte. Also als Sturmpartner von Fredrik Pettersson.

Roe ist ein kompletter Stürmer, ein Passeur wie Torschütze, und hält sich trotz seiner geringen Grösse nicht zurück in den Zweikämpfen – er sei geprägt von früher, als er schon von seinen Brüdern herumgeschubst worden sei. Der Amerikaner spielte wie Krüger auch lange Fussball und glaubt, er hätte auch da eine Profikarriere machen können.

Eine Spur von McDavidDominik Diem

Flügel oder Center: Dominik Diem ist auf beiden Positionen einsetzbar. (Bild: Freshfocus/Andy Müller)

Nach zwei Jahren bei Biel ist das «Eigengewächs» zurück in Zürich. Im Seeland erhielt Diem den schmeichelhaften Übernamen «Connor McDiem», wegen seiner läuferischen und technischen Fertigkeiten. Doch punkto Durchsetzungsvermögen und Torgefahr fehlt ihm schon einiges zum kanadischen Superstar.

Die Frage ist, ob er nun mit 22 den Schritt macht zum kompletten Spieler, ob er sich auch im Spiel ohne Puck weiterentwickelt. Er wurde auch deshalb zurückgeholt, damit die ZSC Lions mehr Optionen auf der Centerposition haben. Er kann mit seiner Spielintelligenz aber auch als Flügel in einer Offensivlinie eingesetzt werden.

Der Herzog-NachfolgerMarco Pedretti

Spielintelligent und robust: Marco Pedretti ist ein Mann fürs Grobe. (Bild: Freshfocus/Marc Schumacher)

Der kräftige Flügel soll den zum HCD abgewanderten Fabrice Herzog ersetzen – oder noch etwas mehr. Er bringt Qualitäten mit, die bei den ZSC Lions noch nicht so ausgeprägt sind: Er ist ein Mann fürs Grobe, geht direkt aufs Tor und scheut keinen Zweikampf an der Bande.

So war er in Biel oft eine gute Ergänzung zu zwei ausländischen Stürmern. Der Jurassier ist nicht ganz so explosiv wie Herzog, dafür mit mehr Spielintelligenz gesegnet. Und so wurde er in Biel zu einem respektablen Skorer, erzielte er zweimal elf Tore und in seiner produktivsten Saison sogar 28 Punkte.

Der bissige VerteidigerDario Trutmann

Von ihm hält Sportchef Sven Leuenberger einiges: Dario Trutmann. (Bild: Freshfocus/Marc Schumacher)

Der frühere Zuger Junior werde noch einige überraschen, ist Sportchef Sven Leuenberger überzeugt. «Denn er ist ein sehr guter Läufer und physisch stark.» Und das seien schon einmal gute Voraussetzungen für einen Verteidiger. Zudem gehe er keinem Zweikampf aus dem Weg.

Trutmann war Captain von Schweizer U-18- und U-20-Auswahlen und spielte zwei Jahre auf höchster Juniorenstufe bei Plymouth in Michigan. In der National League hat er indes noch nicht so tiefe Spuren hinterlassen. Nach vier Jahren bei Lausanne könnte der Wechsel nach Zürich helfen, seine Karriere anzukurbeln. Punkte werden von ihm weniger erwartet als ein solides Zweikampfverhalten.

Der ungestüme JungeAxel Simic

Einen Versuch wert, aber reicht es für Axel Simic auch für mehr? (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Ursprünglich für die GCK Lions geholt, hat sich der 20-jährige Freiburger mit seinem Einsatzwillen vorerst einen Platz bei den ZSC Lions erkämpft. Obschon kein klassischer Skorer, traf er im Cupmatch gegen Winterthur gleich zweimal. Der ungestüme Flügel kam letzte Saison bei Lausanne elfmal in der ersten Mannschaft zum Einsatz, sah dort aber keine Perspektiven mehr. Das Engagement des ehemaligen U-20-Nationalspielers ist einen Versuch wert.

Erstellt: 13.09.2019, 14:22 Uhr

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