«Wann erkennen die Spieler, dass es ernst gilt?»

ZSC-Sportchef Sven Leuenberger erkennt beim blamablen 0:2 gegen Servette eine grosse Verkrampfung im Team.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wie erklären Sie sich den neuerlichen Absturz gegen Servette nach zwei Siegen?
Das ist genau das, was uns alle beschäftigt. Gegen Fribourg zeigte das Team eine Willensleistung, in Langnau lag es 0:2 und 2:3 zurück und gewann noch. Das waren positive Zeichen. Gegen Servettte sah es dann so aus, als hätte es überhaupt keine Energie. Wieso wir es nicht schaffen, eine gewisse Konstanz reinzubringen, ist die Gretchenfrage dieser Saison. Hätte ich die Antwort, wären wir schon viel weiter.

Die Zuschauer hatten lange Geduld, am Samstag war der Unmut aber gross. Macht Ihnen das keine Sorgen?
Wenn Pfiffe kommen, verkrampfen sich die Spieler noch mehr. Aber das ist kein Vorwurf an die Zuschauer. Ihr Unmut ist nachvollziehbar. Zu Hause bringen wir einfach zu wenig. Auswärts ist unser Ertrag mit knapp 1,8 Punkten pro Spiel okay. Auf eigenem Eis holt man in der Regel mehr Punkte oder wenigstens gleich viele. Das ist bei uns leider nicht der Fall.

Wieso?
Jeder möchte zu Hause sein Sonntagskleid anziehen. Deshalb spielen wir eine Spur offensiver und werden oft ausgekontert. Es war selten der Fall, dass wir spielerisch dominiert wurden. Geduldig und im System bleiben, so wie wir das in Langnau auch nach dem 0:2 taten, wäre das Rezept.

Sie diagnostizieren also bei den Spielern eher eine Verkrampfung und nicht die Einstellung, es komme im Playoff ja dann schon noch.
Wer jetzt noch nicht gemerkt hat, dass wir um den Playoff-Einzug spielen, ist im falschen Film.

Würde es helfen, einen Psychologen beizuziehen?
Das sind sicher Dinge, die wir diskutieren.

Fehlt der abgetretene Mathias Seger als Integrationsfigur?
Wir wussten ja, dass wir ihn verlieren würden, und berücksichtigten das bei der Zusammenstellung des Kaders. Deshalb hielten wir ja auch Klein. Aber klar, es gibt keinen zweiten Seger. Deshalb muss jeder im Captainteam mehr Verantwortung übernehmen. Doch unsere Probleme an Segers Rücktritt festzumachen, wäre zu einfach.

«Unsere Probleme an Segers Rücktritt festzumachen, wäre zu einfach.»Sven Leuenberger

Stimmt die Leistungskultur in der Mannschaft?
Was sicher ist: Topteams fallen selten unter 90, 95 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit. Wir fallen tiefer. Bei der Trainingsqualität sah ich in den letzten Wochen aber eine Steigerung.

Anfangs trieben die Jungen das Team vorwärts. Von einem wie Bachofner war zuletzt aber nichts mehr zu sehen. Haben die Wechsel auf nächste Saison Unruhe reingebracht?
Wenn es nicht läuft, sucht man überall Gründe. Aber diese Störfaktoren haben die anderen auch. Wir haben eines der jüngsten Teams, vielleicht wirkt sich das bei uns noch mehr aus.

Sie sind nun eineinhalb Jahre bei den ZSC Lions und haben in dieser Zeit alle Höhen und Tiefen ausgelotet. Werden Sie schlau aus dieser Mannschaft?
Gute Frage. Das Team ist sicher nicht bösartig. Es macht es nicht absichtlich. Die Frage ist: Wann erkennen die Spieler, dass es Ernst gilt? An diesem Punkt sind wir nun angekommen. Die Hälfte der Qualifikation ist gespielt, und wir liegen nicht auf einem Playoff-Platz. Letzte Saison dümpelten wir die ganze Saison hinten rum, aber im Playoff kam die Maschinerie plötzlich ins Laufen. Wenn wir Intensität entwickeln, ins Laufen kommen, sind wir gut.

Letzte Saison hatte der ZSC zum gleichen Zeitpunkt sieben Punkte mehr. Sehen Sie die Handschrift von Serge Aubin?
Ich weiss, was er möchte. Und was er verlangt. Aber ich verstehe, wenn die Leute sagen, es sehe furchtbar aus. Was ich mich frage: Wieso können wir in Langnau am System festhalten und tags darauf nicht mehr? Spiele wie gegen Servette haben nichts zu tun mit dem System, sondern mit der geistigen Frische. Am Ende des Tages muss man einfach die Zweikämpfe gewinnen.

Wie lange warten Sie noch zu, bis Sie zu personellen Massnahmen greifen?
Ich frage mich ständig, wie ich helfen kann. Etwa durch einen zusätzlichen Ausländer. Wir brachten Backman hoch, weil wir glauben, er kann unsere Intensität steigern. Aber wenn ich einen weiteren Ausländer verpflichte, muss ich überzeugt sein, dass er uns besser macht. Und es muss zwingend ein Center sein. Einfach etwas tun, damit ich etwas getan habe, bringt nichts.

Wie lange geben Sie Aubin noch Zeit, das Team auf Kurs zu bringen?
Es ist einfach, auf den Trainer zu zeigen. Wir sind alle im gleichen Boot, wir sind alle gefordert. Der Trainer, die Spieler, auch ich. Ich lasse mich nicht auf eine Trainerdiskussion ein.

Erstellt: 10.12.2018, 12:21 Uhr

Artikel zum Thema

ZSC siegt nach Penaltys – Biel schlägt Fribourg

Der SC Bern wahrt die Führung in der National League mit einem mageren 2:1-Sieg bei den Lakers. Biel gewinnt in Fribourg 4:0. Die Lions besiegen die Tigers im Penaltyschiessen. Mehr...

Die Lions siegen nach drei Niederlagen wieder

13 Tore haben die Zürcher in den vergangenen drei Spielen kassiert, jetzt schlagen sie Fribourg. Die Tigers setzen sich gegen Servette dank Harri Pesonen durch. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blogs

Von Kopf bis Fuss In drei Minuten zur inneren Ruhe

Geldblog Sunrise: Hohe Dividende gegen die Unsicherheit

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Was für eine Plage: Eine Bauernstochter in Kenia versucht mit ihrem Schal Heuschrecken zu verjagen. (24. Januar 2020)
(Bild: Ben Curtis) Mehr...