Zum Hauptinhalt springen

Wenn das Spiel bei 0:1 beginnt

Dass Kloten kaum Tore schiesst, ist ein Hauptgrund für die Misere. Mindestens ebenso schlimm ist, dass der Club fast immer den Start verpatzt.

Oft früh in Rücklage: Patrick von Gunten und der EHC Kloten. Bild: Keystone
Oft früh in Rücklage: Patrick von Gunten und der EHC Kloten. Bild: Keystone

Es ist die vermutlich älteste aller Floskeln im Sport. Kaum eine ist aber so ­zutreffend wie sie: Jedes Spiel beginnt demnach bei 0:0, egal, ob es über 60 ­oder 90 Minuten geht oder auf zwei oder drei Gewinnsätze. Im Fall des EHC ­Kloten aber könnte man überspitzt ­sagen: Das Spiel beginnt bei 0:1.

67 Meisterschaftsspiele haben die Zürcher bisher unter Pekka Tirkkonen bestritten, 48-mal kassierten sie das 0:1. Was auffällt: 22-mal fiel dieser erste ­Minustreffer in den ersten fünf Minuten, 17-mal davon sogar in den ersten drei, zuletzt auch beim 2:9 in Bern (nach 19 Sekunden) und beim 1:5 gegen Ambri (in der 3. Minute). «Natürlich kann man eine Partie nach einem Rückstand noch kehren, das haben wir zum Beispiel gegen Lausanne auch schon gezeigt», sagt Verteidiger Patrick Von Gunten, «aber es kostet viel Energie.» Nachdenklich fügt er an, den Blick auf die Zahlen gerichtet: «Dass es so extrem ist, wusste ich nicht.» Und, entschlossen: «Gut zu wissen.»

Ein Tourismusbüro könnte an diesem sonnigen Herbstvormittag in und um die Swiss-Arena ein Ferienvideo realisieren lassen: Idylle pur, und doch ist es im Stadion eher die Ruhe nach beziehungsweise vor dem Sturm. Die beiden jüngsten Niederlagen hinterliessen Spuren. Und bedurften der Aufarbeitung. Es gab Meetings zwischen den Spielern und den Coachs sowie mit Präsident Hans-Ulrich Lehmann. «Wir konnten nicht einfach zur Tagesordnung übergehen», sagt Von Gunten, «wir sind daran erinnert worden, was wir machen sollen. Es war aber mehr ein Gespräch, wir konnten auch unsere Meinung sagen.»

«Noch nie so schlecht gestartet»

Woran es liegt, dass es dem Trainer und dem Team nicht gelingt, die nötige Spannung für die Anfangsminuten aufzubauen, ist gemäss Von Gunten schwierig zu sagen. Jedenfalls ist klar, dass sich dies heute gegen Genf-Servette und morgen in Biel nicht wiederholen darf, sonst wird der ­Abstand zum Trennstrich noch grösser. Von Gunten will sich aber keine punktemässigen Ziele stecken: «Wir dürfen nicht zu weit vorausschauen. Ein guter Start gegen Genf ist das erste Ziel.»

Kaum einer kennt den EHC so gut wie er. Der 32-Jährige steht in seiner 12. Saison, seit 2005 hat er mit Ausnahme zweier Gastspiele bei Biel und Frölunda immer für Kloten gespielt. Er hat gute Zeiten erlebt und schlechte, zuletzt ­immer häufiger schlechte. Vergleichen könne man die aktuelle Baisse aber nicht mit früheren: «Es sind jedes Mal andere Teams und Coachs. Aber wir sind ­sicher noch nie so schlecht gestartet.»

Abgänge und Totalausfälle

Sechs Punkte weist das Konto erst aus, nach elf Runden. Im letzten Jahrzehnt war Kloten meist gut gestartet, der Tiefstwert aus dem Jahr 2014 lag bei zwölf Punkten. Natürlich hat auch die permanente Kaderausdünnung das ­Ihre zum Wert beigetragen. Von den Top 10 der letztjährigen Skorerliste steht nur noch die Hälfte im Kader, mit Ausnahme der Paradelinie war die Offensive bisher inexistent.

Zudem sind Ausfälle von Leistungsträgern wie Ramholt, Santala oder Bieber nur schwer zu verkraften. Von Gunten mag dies nicht als Ausrede gelten lassen: «Das kann es bei anderen Teams auch geben. Wir müssen mit den Spielern auskommen, die wir haben.»

Es harzt aber nicht nur in der Defensive. Nur in 3 von 45 Situationen in Überzahl trafen die Klotener bislang – die ­Erfolgsquote von 6,67 Prozent ist katastrophal. Und auch der Gesamtwert an Toren: Im Schnitt erzielte Kloten pro Spiel lediglich 1,55 Treffer. Damit lassen sich im Normalfall auch keine Spiele gewinnen. Wenn man 0:1 in Rückstand ­gerät, noch viel weniger.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch