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Wenn die Zügellosigkeit auch dem Trainer gefällt

Das Traditionsduell ZSC – Davos geht mit 6:3 an die Zürcher. Was die beiden neuen Trainer Grönborg und Wohlwend dazu sagten.

Hier geht's gerade runter, aber ZSC-Trainer Rikard Grönborg hatte ein «Up and Down»-Spiel erwartet.
Hier geht's gerade runter, aber ZSC-Trainer Rikard Grönborg hatte ein «Up and Down»-Spiel erwartet.
Urs Flüeler, Keystone

Es hätte ja auch beide Coaches ärgern können, so ein Spiel, wie es ab dem Mitteldrittel sich entwickelte. Auf und Ab, viele Chancen, viele Tore, auch nach Überzahl-Gegenstössen. Da lacht das Herz des Publikums, selten aber jenes der Trainer.

Rikard Grönborg sah das etwas anders – klar, er war ja am Ende der 6:3-Sieger dieser wilden Angelegenheit seiner ZSC Lions gegen den HC Davos – trotz 2:3-Rückstand nach zwei Dritteln. «Ich war gar nicht so überrascht, ich hatte so ein ‘Up-and-Down’-Spiel erwartet. Und eigentlich mochte ich es sogar», sagte der Schwede, der genau so seinen Meisterschafts-Einstand beim neuen Club gab, wie der auf der anderen Seite unterlegene Christian Wohlwend.

Und Grönborgs Grund, als Trainer so eine teilweise zügellose Sache zu mögen? «Wir haben in unserem Team viele Skills, die bei einem Spiel mit viel Transition-Situationen zur Geltung kommen. Was wir bloss verbessern müssen, ist, wie wir uns verhalten, wenn der Gegner seine Gegenstösse ausführt …»

«Ich mag diese Aggressivität»

Ja, beide Teams haben diese Fähigkeit, schnell von Verteidigung auf Angriff umzustellen, vor allem der ZSC, auch wenn Grönborg den Gegner als Widersacher mit ähnlichem Spielstil und viel Klasse lobte. Und wenn der Start in diese Partie eher verhalten war und das Ganze mit einem etwas glücklichen 1:0 für Davos in die Pause ging, dann entwickelte sich ab Minute 21 ein echtes Spektakel.

Diese «Zügellosigkeit», sie erfasste die Zürcher selbst in Unterzahl, als sie teilweise den Gegner gar hinter dem HCD-Tor bedrängten, auch so einen schlimmen Pass Aaron Palushajs an der Mittellinie provozierten, was zum 2-gegen-0-Gegenstoss und dem 2:1 durch Simon Bodenmann führte. Durchaus bewusst sei sie, diese Aggressivität auch im Penalty Killing, sagt Grönborg: «Ja, wir wollen sie auch da laufen lassen, unsere Jungs. Ich mag ihre Aggressivität, ihren Willen.»

«Das war ein Witz»

Und Wohlwend? Nein, ihm gefiel dieses Spiel ganz und gar nicht, und das hatte nicht einmal mit den schnellen Gegenstössen zu tun. Jene seines eigenen Teams nahm er zwar mit einem kurzen Kopfnicken zur Kenntnis, ansonsten aber passte dem Engadiner nicht viel. «Zürich tat mehr fürs Spiel, gewann verdient, auch wenn das Spiel lange offen war und wir eine Top-Chance aufs 4:4 hatten», bilanzierte der neue HCD-Trainer.

Zufrieden sieht anders aus: HCD-Trainer Christian Wohlwend bei seinem Einstand in Zürich. (Bild Urs Flüeler/Keystone)
Zufrieden sieht anders aus: HCD-Trainer Christian Wohlwend bei seinem Einstand in Zürich. (Bild Urs Flüeler/Keystone)

«Wir führten nach 20 Minuten 1:0, das war ein Witz. Und auch unser 3:2-Vorsprung nach zwei Dritteln war nicht wirklich verdient», sagte Wohlwend und stellte zumindest etwas zufrieden fest: «Du musst stets einen Weg finden, immerhin nutzten wir unsere wenigen sehr gefährlichen Chancen eiskalt.» Er sprach vor dem Schlussdrittel in der Garderobe dennoch darüber, dass er mehr erwartete, dass er sich von jedem Spieler mehr Mut und Bereitschaft, den Puck zu begehren, fordere – auch mehr Willen zur Kreativität erhoffe.

Doch dann kam eine Davoser Strafe, dann das 3:3-Powerplaytor des ZSC und wenige Momente danach die Szene, die Wohlwend auf die sprichwörtliche Palme brachte. Pius Suter schoss freistehend im Slot das 4:3 nach einem Pass Garrett Roes von hinter dem Davoser Tor – HCD-Verteidiger Sven Jung stand hinter statt vor dem Torschützen. Wohlwend: «Diesen Spielzug hatten wir nach dem Testspiel gegen den ZSC besprochen, wir besprachen ihn vor zwei Tagen im Videostudium, wir besprachen ihn heute vor dem Spiel – wir besprachen ihn etwa 100 Mal. Darum darf das nicht passieren …»

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