Wie Blocher als EU-Anhänger

Dauerprovokateur Maxim Lapierre ist neu auch spielerisch der Leader bei Lugano. Vor Spiel 6 der Finalserie am Mittwoch im Hallenstadion überrascht er mit einer ungewöhnlichen Forderung.

Mit seinen Provokationen bringt Maxime Lapierre (links) regelmässig die gegnerischen Spieler und Fans auf die Palme – so auch ZSC-Verteidiger Kevin Klein. Foto: Manuel Geisser

Mit seinen Provokationen bringt Maxime Lapierre (links) regelmässig die gegnerischen Spieler und Fans auf die Palme – so auch ZSC-Verteidiger Kevin Klein. Foto: Manuel Geisser

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Wenn man will, kann man die Frage als Provokation empfinden. Oder als Steilpass, die Emotionen in dieser so geladenen Atmosphäre zwischen Lugano und den ZSC Lions weiter anzuheizen. Und eigentlich gibt es da keinen geeigneteren Adressaten als Maxim Lapierre, den Mann, der mit seinem Dauergrinsen die Anhänger seiner Mannschaft so begeistert, alle anderen aber permanent auf die Palme bringt.

Er lacht nun also, dieser Lapierre, als er am Samstagabend in den Katakomben zu einer Replik ansetzt, ob die ­Resega in einem allfälligen siebten Spiel am nächsten Freitag schon vor dem ersten Bully einstürzen würde, wegen all der Vorfreude. «Es tut mir leid», entschuldigt er sich, «aber ich muss Ihnen die langweilige Antwort geben: Wir ­haben am Mittwoch das sechste Spiel im Hallenstadion, und andere Gedanken haben überhaupt keinen Platz.»

Die fatalen Aussetzer

Das kleine Bild, der Fokus auf den ­Moment: Nie sind sie so wichtig wie im Playoff. Haben Fehler in der Regular Season zumeist nur überschaubare Konsequenzen, so kann sich nun jeder Aussetzer als fatal erweisen. Die Luganesi haben diese schmerzhafte Erfahrung ­gemacht: Zweimal passten sie in der Overtime in Zürich nicht auf, zweimal schlugen die Zürcher eiskalt zu. Zusammen mit dem 1:0-Sieg zum Auftakt in ­Lugano reicht dies, um immer noch die meisten Trümpfe in der Hand zu halten.

Noch eine Auswärtsniederlage, und die Saison ist beendet. Silbermedaille statt Goldpokal, es wäre zumindest in den ersten Wochen nur ein Trostpreis nach einer starken Saison, in der Lugano oft abgeschrieben wurde und immer wieder aufstand. Damit will sich niemand beschäftigen. «Wir müssen endlich einmal über die ganze Partie unser Potenzial abrufen, dann haben wir eine gute Chance», fordert Lapierre und schiebt nach: «Und wir müssen unsere Emotionen im Zaum halten.»

Lapierre, der zur Mässigung aufruft, das ist etwa so, wie wenn Christoph Blocher den EU-Beitritt fordert oder Hansi Hinterseer zu AC/DC rockt. Lächeln tut der Kanadier zwar immer noch, er ist nach dem 4:0 verständlicherweise gut gelaunt. Er meint es aber ernst, und ein Blick auf seine statistischen Werte beweist, dass er mit gutem Beispiel vorangeht. 12 Minuten stehen auf seinem Playoff-Strafenblatt, das ist weniger als Luca Cunti oder Roman Wick und bedeutet nur Platz 7 – in Lugano. Kein Vergleich zu den beiden letzten Jahren, da war er die Nummer 1 und 7 gewesen, ­ligaweit allerdings.

Dafür sind viele andere Werte explodiert, selten hat sich hierzulande ein Spieler so gewandelt. Lapierre ist der beste Playoff-Skorer, beste Vorlagen­geber und der Stürmer mit der besten Plus-Minus-Bilanz. Zudem schickt ihn Greg Ireland immer wieder neben seinen normalen Einsätzen für Bullys in der eigenen Zone aufs Eis. So totalisiert er über 24 Minuten Eiszeit pro Spiel, für einen Stürmer enorm viel. Dass er daneben immer noch Energie findet, um verbale Nadelstiche zu setzen, erstaunt ­angesichts dieses Pensums. Für ihn kommen seine Leistungen nicht über­raschend. «Ich habe letzten Sommer gezielt für Europa trainiert und das Spiel studiert. Davon zehre ich jetzt», sagt er mit dem Selbstverständnis eines Mannes mit knapp 700 NHL-Spielen.

Lugano so wild wie Montreal

«Max ist so adaptiv», lobt Teamkollege Philippe Furrer. «Er saugt das auf, was im Moment gerade gebraucht wird. Für uns ist er enorm wichtig. Was er zeigt, ist unglaublich.»

Seit dem Playoff 2016 zählt der Frankokanadier, wenige Wochen zuvor aus Örnsköldsvik gekommen, zu den Publikumslieblingen im Südtessin. Dass sein Status eine neue Dimension erreicht hat, zeigt sich am Samstag. Nach dem Spiel braucht er fast zehn Minuten für die paar Meter vom Stadionausgang zum Parkplatz, Selfie- und Autogrammwünsche arbeitet er im Akkord ab.

Lapierre stand schon im siebten Spiel des Stanley-Cup-Finals mit Vancouver und spielte unweit seiner Heimat für einen der berühmtesten Eishockeyclubs der Welt: die Montreal Canadiens. Die Resega erinnert den Olympia-Bronze­gewinner an Montreal: «Die Fans hier sind auch so leidenschaftlich, es ist ähnlich laut. Hier zu spielen, macht unglaublich Spass.» Dass es im siebten Spiel eines Playoff-Finals noch mehr Spass machen würde, das braucht ­Maxim Lapierre in diesem Moment nicht auszusprechen. Sein Lachen sagt alles.

Erstellt: 23.04.2018, 22:36 Uhr

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