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«Wir haben das Messer am Hals»

Noch ein Sieg fehlt den Lions in der Zürcher Finalissima zum Meistertitel. Reaktionen nach dem 5:2-Heimsieg des ZSC gegen die Kloten Flyers.

Spiel Nummer 3, zum dritten Mal ausverkauftes Haus: Zumindest in der Region Zürich elektrisiert die Zürcher Hockey-Finalissima die Fans.
Spiel Nummer 3, zum dritten Mal ausverkauftes Haus: Zumindest in der Region Zürich elektrisiert die Zürcher Hockey-Finalissima die Fans.
Keystone
Klotens Routinier Marcel Jenni scheitert an ZSC-Goalie Lukas Flüeler.
Klotens Routinier Marcel Jenni scheitert an ZSC-Goalie Lukas Flüeler.
Keystone
Guter Rat ist nun teuer: Trainer Felix Hollenstein und Captain Stancescu müssen die Flyers moralisch aufrichten. Am Karsamstag muss man zu Hause gewinnen – sonst ist die Serie früher zu Ende als erwartet.
Guter Rat ist nun teuer: Trainer Felix Hollenstein und Captain Stancescu müssen die Flyers moralisch aufrichten. Am Karsamstag muss man zu Hause gewinnen – sonst ist die Serie früher zu Ende als erwartet.
Keystone
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Der für drei Spiele gesperrte Morris Trachsler feierte im dritten Duell der Zürcher Finalissima im ausverkauften Hallenstadion ein gelungenes Comeback. Der Rückkehrer erzielte das 2:0 und bereitete den wichtigen Shorthander von Dan Fritsche zum 4:1 vor, was den Klotenern endgültig das Genick brach. «Es war brutal für mich, diese drei Spiele zuzuschauen. Ich war viel nervöser, als wenn ich spiele», meinte der Nationalstürmer nach dem 5:2-Erfolg gegen den Kantonsrivalen am späten Donnerstagabend.

Nach dem phasenweise beeindruckenden Auftritt befinden sich Trachsler und die Lions mit der 3:0-Führung in der Serie auf Meisterkurs. Ein Sieg fehlt noch zum sportlichen Glück, sprich zum Titel. Was ist nun bei den Stadtzürchern anders gegenüber dem Viertelfinal und dem Halbfinal? «Es war nicht so, dass wir gegen Lausanne und Servette abhoben, nachdem wir gewonnen hatten. Aber wir hatten damals nach Siegen das Gefühl, die Maschine laufe nun. Es ist eine Kopfsache. Nach den schwierigen Serien gegen Lausanne und Servette realisierten wir, dass es so nicht geht. Wir sind nun viel fokussierter», erklärte der Mittelstürmer mit langjähriger Vergangenheit bei Servette. Seine Analyse ging mit dem dritten Finalduell weiter. «Die Tiefe im Kader ist auf unserer Seite. Aber natürlich werden die Klotener am Samstag nochmals alles geben. Es war für Kloten sicher frustrierend, dass wir diesmal unsere Chancen so gut verwerteten. Wir fanden in diesem Match zu einer grossen Effizienz.»

Das Lob des Trainers an die Mittelstürmer

Trachsler blickte auch zurück auf seine bisherigen Playoff-Finals. «Es waren ganz andere Finalserien mit Servette (2008, 2012). Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir gegen den ZSC (2008) zuletzt auf dem Zahnfleisch liefen, weil wir einfach nicht so breit besetzt waren. Jetzt ist eine ganz andere Zuversicht da, weil wir beim ZSC viel breiter besetzt sind.»

Ein dickes Lob erhielt der Internationale von seinem Trainer – aber nicht nur er. «Die Rückkehr Trachslers machte den grossen Unterschied. Unsere Center waren überragend, vier unserer fünf Tore wurden ja von unseren Mittelstürmern erzielt. Trachsler war sehr stark, Cunti wurde diesmal belohnt, Fritsche spielt derzeit überragend, und Shannon ist ohnehin stets ein sicherer Wert», stellte Marc Crawford fest. Aber ist jetzt nicht die Gefahr da, zu weit vorauszublicken? «Nein, die sehe ich nicht. Wir fokussieren nur auf dieses nächste Spiel. Wir wissen nun, wie laut es in Kloten im Playoff ist, und die Klotener haben einiges richtig gemacht, uns in unserer Zone stark unter Druck gesetzt und viel geschossen. Wir müssen bereit sein», mahnte der Personalchef der Lions.

«Das gibt es sicher nicht»

Anders war die Gemütslage bei den Verlierern. «Wir haben keine andere Wahl mehr: Es gibt nur noch Gewinnen. Jeder weiss, was es geschlagen hat. Wir werden alles dafür geben, dass wir am Samstag noch nicht Ferien haben. Wir erwarten am Samstag ein volles Haus, unsere Fans, die uns super unterstützen; und wir werden Vollgas geben», machte sich der angeschlagene Simon Bodenmann Mut. Mit der Vorstellung, dass der ZSC in Kloten den Meisterpokal in die Höhe stemmen könnte, mochte sich der Flügel gar nicht anfreunden. «Das gibt es sicher nicht.»

Klotens Headcoach Felix Hollenstein bedauerte vor allem das erhaltene Tor in Überzahl im Mitteldrittel: «Der Shorthander zum 4:1 hat uns schon ein bisschen den Mumm genommen.» Der Trainer sparte aber auch nicht mit Kritik: «Was wir heute im Powerplay zeigten, war schlecht und wurde bestraft.» Die Hoffnung auf eine Wende in dieser Derby-Serie gab er allerdings noch nicht auf. «Wir sind im Playoff-Final und noch voll dabei. Man darf es nicht dramatisieren. Wir sind 0:3 hinten. Aber wir hatten es in den ersten beiden Dritteln in den eigenen Händen. Wir hatten vier, fünf ganz schlechte Minuten, in denen sie zwei Tore geschossen haben.»

Der Befreiungsschlag am Samstag?

Die Flyers versuchten kurz nach Spielschluss, bereits nach vorn zu schauen. «Jetzt müssen wir gewinnen, dann schauen wir, was passiert. Es ist Final, es ist Spiel 3, es ist nicht Zeit, aufzugeben. Aufgeben gibt es nicht», erklärte Cyril Bühler mit markanten Worten. Ausführlicher erklärte Captain Victor Stancescu das 2:5 und die Situation der Flyers in dieser Finalpremiere. «Wenn man sich die Tore ansieht, muss man sagen: Letztlich war es deutlich, aber wir sind selber schuld. Wir sind gut ins Spiel gestartet; dann passiert uns das Malheur mit dem Wechselfehler – und wir werden sofort bestraft mit dem 1:0. Defensiv haben wir nicht auf dem Level gespielt, auf dem wir in den letzten paar Spielen gespielt haben. Auch der Shorthander darf nicht passieren, und das war dann auch der Genickbruch nach dem 1:3. Bei vier Minuten Powerplay muss das Powerplaytor kommen. Danach ist die Balance schwierig. Wir haben keinen guten Match gezeigt, aber jetzt müssen wir weiterschauen.»

Die Hoffnung stirbt zuletzt, vor allem in den Playoffs. Trainer Hollenstein versprühte in den Katakomben des Eventtempels von Oerlikon im Hinblick auf das vierte Duell Zuversicht. «Wir haben am Samstag das vierte Spiel, da werden wir sicher einiges besser machen als heute.» Romano Lemm, sichtlich verärgert über die missglückte Vorstellung im Hallenstadion, drückte es drastischer aus: «So ein schlechtes Mitteldrittel haben wir die ganze Saison nicht gespielt. So kann man natürlich einen Playoff-Final nicht gewinnen. Wir haben das Messer am Hals. Wir müssen am Samstag unsere Fehler abstellen und ganz anders auftreten.»

Einen anderen, stärkeren Gegner erwarten offenbar auch die Lions. ZSC-Captain Mathias Seger, der in seiner langen Karriere so viele Höhen und Tiefen in den Playoffs erlebt hat, warnte vor allzu grosser Euphorie aufseiten des Qualifikationssiegers: «Wir werden am Samstag ein ganz anderes Kloten am Werk sehen.»

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