Zum Hauptinhalt springen

«Wir haben heute einfach zu wenig gezeigt»

Nach dem missglückten WM-Auftakt in Prag versuchten die Schweizer, die 3:4-Niederlage nach Penaltys gegen Aufsteiger Österreich zu erklären. Der Frust sass tief.

Was für eine Ohrfeige: Nach 65 Minuten und dem Penaltyschiessen jubelt Aufsteiger Österreich...
Was für eine Ohrfeige: Nach 65 Minuten und dem Penaltyschiessen jubelt Aufsteiger Österreich...
Keystone
...über den 4:3-Sieg gegen den haushohen Favoriten.
...über den 4:3-Sieg gegen den haushohen Favoriten.
Keystone
WM-Neuling Dino Wieser wird gefoult. Aber das Schweizer Powerplay ist ein Schwachpunkt. In acht Minuten Überzahl bringt der Favorit nichts zustande.
WM-Neuling Dino Wieser wird gefoult. Aber das Schweizer Powerplay ist ein Schwachpunkt. In acht Minuten Überzahl bringt der Favorit nichts zustande.
Keystone
1 / 9

Auf dem Papier schien alles klar: Hier die favorisierte Schweiz, die Nummer 7 im Ranking und in der Branche schon recht etabliert, da Neuling Österreich, die Nummer 16 der Weltrangliste und vermeintlich schwächste Nation der Eishockey-A-WM in Tschechien. Doch einmal mehr wurden jene Prognostiker, die auf einen problemlosen Schweizer Sieg gesetzt hatten, eines Besseren belehrt. Am Ende setzte sich der Aussenseiter mit 4:3 nach Penaltys durch, und dies auf Grund der Leistungssteigerung nicht einmal unverdient. Der Jubel im Lager der Österreicher in der O2-Arena von Prag nach Spielschluss war gross, der Frust beim Favoriten sass umso tiefer.

Mark Streit war der erste, der sich nach dem missglückten Auftritt den unangenehmen Fragen der Medien stellte. Der Captain der Schweizer versteckte seine Enttäuschung nicht und analysierte die Niederlage mit deutlichen Worten. «Wir spielten zu wenig gut, wir zeigten heute einfach zu wenig. Wir verpassten es nach dem 1:0, die Führung auszubauen», erklärte der routinierte Verteidiger der Philadelphia Flyers gegenüber SRF. Ein grosser Schwachpunkt sei das Powerplay gewesen, aber auch die Art und Weise, wie man sich vor dem gegnerischen Tor verhalten habe. «Der Goalie konnte unsere Schüsse immer sehen, das erleichterte ihm die Aufgabe sehr. Wir müssen zukünftig mehr Druck auf den Torhüter ausüben und generell härter arbeiten», meinte Streit. Haben die Schweizer ihren Gegner unterschätzt? Der Berner NHL-Profi verneinte dies. «Jedes Spiel an einer WM ist schwer. Die Österreicher kämpften gut, waren stets gefährlich.»

Den Kopf nicht hängen lassen

Streit verlangte, dass man diese Partie sofort abhaken und sich gleich auf den nächsten Gegner einstellen sollte. «Wir dürfen jetzt den Kopf nicht hängen lassen und müssen positiv bleiben.» Über das Powerplay müssten sie sich aber bestimmt noch Gedanken machen.

Glen Hanlon hatte sich sein WM-Debüt als Schweizer Nationalcoach anders vorgestellt. Wie bei seinem Captain war dem Trainer die Enttäuschung über den verpatzten Turnierstart im Gesicht anzusehen. «Wir hätten mehr aus den Überzahlgelegenheiten machen müssen. Letztlich haben wir auch die Chancen zu wenig genutzt.» Er dachte bestimmt auch an den verschossenen Penalty von Kevin Romy kurz nach dem Führungstreffer. Wie Streit verneinte Hanlon die Frage, ob die Schweiz den Aufsteiger unterschätzt habe. «Wir zeigen gegenüber jedem Gegner Respekt», betonte Hanlon. Es wird nun an ihm liegen, seine Spieler nach diesem Tiefschlag wieder aufzurichten. Die Zeit an einer WM drängt. Schon am Sonntagabend treffen die Schweizer auf Frankreich, die nach dem Coup der Österreicher erst recht Blut gerochen haben. Verliert das Hanlon-Team erneut, so steht es endgültig mitten im Abstiegskampf.

Nimmt man die ungenügende Leistung gegen Österreich als Massstab, so gilt für die Schweizer Delegation in Prag primär der Ligaerhalt als sportlich wichtigstes Ziel. Das Erreichen des WM-Viertelfinals scheint nach der ersten Vorstellung jedenfalls weit weg zu sein. Es sei denn, die Schweizer steigern sich in allen Faktoren, die zum Eishockey gehören, gewaltig. Und die Konkurrenz macht den Gefallen, dass sie ebenfalls patzt.

Der Schweizer Verteidiger Dean Kukan (21) erlitt gegen Österreich eine Schulterblessur und wird am Sonntag im WM-Spiel gegen Frankreich definitiv nicht auflaufen können. Zwar ist laut Auswertung einer Röntgenuntersuchung am betroffenen Schulter-Eckgelenk nichts gebrochen. Dennoch kann davon ausgegangen werden, dass Bänder und Sehnen nach dem unsanften Aufprall in die Bande lädiert wurden. Zudem soll Kukan aktuell unter beträchtlichen Schmerzen leiden. Für Kukan dürfte nun Verteidiger Timo Helbling nachrücken, der gegen Österreich überzählig war.

Die Resultate und Tabellen der Eishockey-WM in Tschechien.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch