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«Wir werden so etwas nie wieder tun»

HCD-Coach Christian Wohlwend erklärt, warum er nach dem Spengler-Cup 17 Fanclub-Präsidenten angerufen hat.

HCD-Trainer Christian Wohlwend hat turbulente Tage hinter sich.
HCD-Trainer Christian Wohlwend hat turbulente Tage hinter sich.
Freshfocus
Sein HCD musste zuletzt dreimal in Folge in die Verlängerung. Am Dienstag unterlag der Rekordmeister den ZSC Lions 3:4 und verpasste den Sprung an die Tabellenspitze.
Sein HCD musste zuletzt dreimal in Folge in die Verlängerung. Am Dienstag unterlag der Rekordmeister den ZSC Lions 3:4 und verpasste den Sprung an die Tabellenspitze.
Keystone
Trotz dieser Energiesparmassnahme scheiterte der HCD im Viertelfinal an Turku (1:3).
Trotz dieser Energiesparmassnahme scheiterte der HCD im Viertelfinal an Turku (1:3).
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Am Dienstag gegen die ZSC Lions fehlte nur ein Overtime-Tor zur Tabellenführung. Ärgert Sie das?

Der erste Platz wäre schön gewesen. Ärger ist nicht das richtige Wort. Es ist irgendetwas zwischen Ärger und Enttäuschung. Was uns bislang gut gelang, ist, auf Krisen zu reagieren. Zum Beispiel zu Saisonbeginn. Oder nach dem Spengler-Cup. In Spielen wie gegen die ZSC Lions, wenn Rang 1 winkt, schaffen wir es aber nicht, dass die ganze Mannschaft auf dem höchsten Leistungsniveau performt. Die nötige Dringlichkeit in solchen Spielen bringen wir nicht hin. Das ist der nächste Schritt, den wir anstreben.

Die Ausbeute mit neun von zwölf möglichen Punkten seit dem Spengler-Cup …

… die ist super, definitiv.

Welche Rolle spielt da Ihr Coaching, was die Eiszeit angeht? Mittlerweile ist Davos der einzige NL-Club, bei dem alle regelmässig über die ganze Saison eingesetzten Spieler im Schnitt unter 20 Minuten pro Partie auf dem Eis stehen.

Ob wir deswegen Spiele gewinnen, weiss ich nicht. Doch irgendwann muss das Verteilen der Kräfte zu einem Vorteil werden. Es gibt auch kein anderes Team, das die Special-Team-Einsätze aufteilt. Bei jedem Gegner werden mehrere Powerplay-Spieler auch in Unterzahl eingesetzt. Wir mussten da zwar zu Beginn Lehrgeld zahlen, als wir viele Gegentore in Unterzahl kassierten. Mittlerweile ist unser Penalty Killing aber sehr gut.

Wann überrascht Sie Ihre Mannschaft positiv?

Sie überrascht mich nicht mehr. Aber es gibt Momente, die mich freuen. Das Spiel am 2. Januar gegen Rapperswil war so einer. Das war so etwas wie der bislang perfekte Match. Wir gewannen zwar nur 3:1, weil wir zu wenig kaltblütig waren. Aber alle vier Linien kreierten Top-Chancen, sogar in Unterzahl. Da stimmte diese Dringlichkeit bei allen.

Ein Haar in der Suppe gibts: Ihr Team hat mittlerweile siebenmal einen Vorsprung im Schlussdrittel nicht über die Zeit gebracht. Das ist viel.

Ich kann da keine spontane Lösung anbieten. Aber du musst es dir zuerst erarbeiten, dass du so oft im Schlussdrittel überhaupt in Führung liegst. Wir gewannen ja auch viele andere enge Spiele.

Eine Episode müssen wir abschliessend noch ansprechen: Sie machten nach dem misslungenen Spengler-Cup einen ungewohnt grossen Schritt Richtung Fans, sprachen vor dem Rapperswil-Match auf dem Eis, meldeten sich zudem bei allen HCD-Fanclub-Präsidenten einzeln …

Ja, ich rief alle an. 17 waren es an der Zahl. Das war meine Idee. Ich wollte mit Ihnen reden, erklären, warum wir am Spengler-Cup taten, was wir taten. Aber ich wollte mit ihnen auch über das Eishockey hinaus reden. Über Missgunst, Neid. Dass man sich auch über andere Leute, andere Clubs freuen kann. Und über Wankelmütigkeit. Der Sport ist für viele ein extremes Ventil für ihren Ärger oder ihren Stress.. Bei gewissen Leuten kann innert kürzester Zeit aus extremer Euphorie das komplette Gegenteil werden: Daraus wird dann Negativität, Verurteilung.

Es war also keine Entschuldigung für den Spengler-Cup, vor allem für das Spiel gegen Team Canada, als Ihr Team taktisch auf diverse Stammspieler verzichtete, um die nächste Partie ausgeruhter in Angriff nehmen zu können?

Nein. Das einzige in diese Richtung, das ich sagte, war das: Es war schlecht gegenüber den Fans, dass wir bewusst in Kauf nahmen, dass wir gegen Kanada verlieren könnten. Das war auch gegenüber der eigenen Mannschaft ein schlechtes Zeichen, diesen Plan fanden wohl nicht alle Spieler gut. Wir werden so etwas nie mehr tun. Was ich in anderem Zusammenhang aber auch schon sagte: Es wird immer viel zu sehr der Fokus auf den Trainer gelegt, obwohl es die Spieler sind, die spielen. Als Trainer bist du aber oft entweder der Magier oder die Pfeife – nichts dazwischen. Das ist wieder viel zu extrem.

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