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Nach 21 Jahren setzt der EVZ ein Ausrufezeichen

Der EV Zug entthront im Cupfinal Titelverteidiger Rapperswil-Jona mit einem 5:1. Und verdoppelt seine Trophäensammlung.

Bereits vor dem Anpfiff sorgen die Fans in Rapperswil für Gänsehautmomente. (Video: Leser-Reporter)

Falls die Agentur, die den Schweizer Cup zusammen mit Swiss Ice Hockey reanimierte, einen Trailer für die nächste Austragung produziert, darf ein Bild nicht fehlen. Und zwar die Szene, wie Reto Suri nach seinem Treffer zum 4:1 vor der Bande mit den Kollegen abklatscht. Jede Körperfaser ist angespannt, die Augen treten fast aus den Höhlen. Klarer lässt sich Siegeswille nicht manifestieren.

Eine Winnermentalität wolle man aufbauen, hatte Zugs Trainer Dan Tangnes immer wieder betont. Dazu gehört, nicht nur konstant auf hohem bis sehr hohem Niveau im Tempomaten durch die Regular Season zu fahren, sondern vor allem auch dann bereit zu sein, wenn es wirklich zählt. In K.-o.-Spielen also.

Ein Schnellzug zum 3:0

Die Ausgangslage hätte nicht klarer sein können: Zug hat in der Liga gleich viele Siege geholt wie die Lakers Punkte. Die St. Galler konnten dem nur das Selbstvertrauen von neun gewonnenen Cuppartien in Serie entgegensetzen. Die Hierarchien blieben aber von Anfang an gewahrt: Lino Martschini brauchte im ersten Powerplay nur sieben Sekunden für das 1:0.

Die beiden Zuger Santeri Alatalo und der Torschuetze zum 1:0 Lino Martschini jubeln nach dem Tor.
Die beiden Zuger Santeri Alatalo und der Torschuetze zum 1:0 Lino Martschini jubeln nach dem Tor.
Marc Schumacher/freshfocus
Jubeln konnten während der gesamten Partie vor allem die Zuger, hier Dennis Everberg, der Torschütze zum 2:0.
Jubeln konnten während der gesamten Partie vor allem die Zuger, hier Dennis Everberg, der Torschütze zum 2:0.
Melanie Duchene, Keystone
Am Ende jedoch konnten die Zuge dank einer souveränen Leistung den Cup-Pokal in die Höhe stemmen und sich als verdienter Sieger feiern lassen.
Am Ende jedoch konnten die Zuge dank einer souveränen Leistung den Cup-Pokal in die Höhe stemmen und sich als verdienter Sieger feiern lassen.
Thomas Oswald/freshfocus
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Zu hoch war das Tempo auch danach für die willigen, aber limitierten Einheimischen. Und so nahm das Skore nach 20 Minuten und weiteren Treffern durch Dennis Everberg und Dominic Lammer bereits eindeutige Dimensionen an. «Wir wussten, dass sie von Anfang an mit Vollgas kommen werden, und wir haben sehr gut dagegengehalten», erklärte Zugs Urgestein Fabian Schnyder den perfekten Start.

Im Schnitt der Liga

Es war mehr als die halbe Miete: Drei Tore oder mehr hat Rapperswil in 40 Meisterschaftsanläufen nur achtmal zustande gebracht. Aufgeben war aber vor dieser Kulisse keine Option, und das Geschehen glich sich mehr und mehr aus. Ausser einem Powerplay-Treffer von Kevin Clark resultierte indes nichts. «Wir waren zu passiv im Mitteldrittel, und sie hätten das eine oder andere Tor mehr erzielen können», sagte andererseits Schnyder, fügte aber auch an: «Danach haben wir sehr gut reagiert.» Suris 4:1 war die Entscheidung, nach einem «empty netter» durch Yannick-Lennart Albrecht lautete das Schlussverdikt 5:1. Zu hoch, aber genau im Durchschnitt der vier Ligaduelle.

Für Rapperswil geht nach der Cup-Party vor fantastischer Kulisse der Alltag wieder los. Das lange Warten bis zum Playout und allenfalls zur Ligaqualifikation. «Die Art und Weise, wie wir gespielt haben, gibt Selbstvertrauen», sagt Trainer Jeff Tomlinson, der eigentlich nur mit der Schiedsrichterleistung haderte. Der EVZ hatte den Cup zu einem Saisonziel erhoben und mit knappen Auswärtssiegen in Lugano, Kloten und Bern die Ernsthaftigkeit des Unterfangens bewiesen. Gestern ging es um nichts weniger, als die Anzahl Ausstellungsstücke im clubeigenen Vitrinenschrank zu verdoppeln und erstmals nach 21 Jahren wieder richtig feiern zu können. «Raphi Diaz und ich hatten kurz nach dem Meistertitel 1998 noch den Titel mit den Elite-Junioren gewonnen, seither konnte der Club nie mehr richtig jubeln», blickte Schnyder zurück.

Kein Cupsieger wird Meister

Der Cupsieg könne gerade in mentaler Hinsicht etwas auslösen, erklärte er: «Wir haben einen Titel in einem K.-o.-Spiel gewonnen. Wir sind jetzt auch irgendwer.» Dass diese Erkenntnis noch ohne die baldigen Zuzüge Leonardo Genoni und Grégory Hofmann realisiert wurde, macht sie noch wertvoller.

Natürlich, der Cup wird nie so viel wert sein wie eine Meisterschaft und auch weniger als die Champions League. Gerade für jene Clubs, die seit zwei Jahrzehnten nur das Teilnehmerfeld in der höchsten Liga füllten – alle ausser den ZSC Lions, Bern, Davos und bis 2006 Lugano –, ist er aber eine Gelegenheit, einmal nach dem letzten Spiel jubeln zu können. «Wir in Zug können es uns nicht leisten, einen Wettbewerb nicht ernst zu nehmen», sagt «Schnitz», wie Schnyder von allen gerufen wird.

Dass seit 2015 kein Cupsieger auch Meister wurde, störte gestern niemand. Der Moment wollte gefeiert werden, zusammen mit den mehr als 3000 Fans im Zuger Public Viewing. «Jetzt fahren wir zu ihnen und geniessen es so richtig», sagte Schnyder. Niemand mochte es ihm und seinen Teamkollegen verdenken.

Telegramm:

Rapperswil-Jona Lakers - Zug 1:5 (0:3, 1:0, 0:2)

6100 Zuschauer (ausverkauft). – SR Wiegand/Lemelin, Obwegeser/Kovacs.Tore: 4. Martschini (Flynn, Alatalo/Ausschluss Clark) 0:1. 12. Everberg (Lammer, Flynn) 0:2. 18. Lammer (Widerström, Morant) 0:3. 32. Clark (Knelsen/Ausschluss Suri) 1:3. 56. Suri 1:4. 59. Albrecht 1:5 (ins leere Tor). Strafen: 7mal 2 plus 10 Minuten (Clark) gegen die Rapperswil-Jona Lakers, 3mal 2 Minuten gegen Zug.

Rapperswil-Jona Lakers: Nyffeler; Hächler, Maier; Iglesias, Schmuckli; Gähler, Profico; Helbling, Gurtner; Clark, Knelsen, Wellman; Kristo, Schlagenhauf, Spiller; Mosimann, Mason, Casutt; Primeau, Ness, Hüsler.

Zug: Aeschlimann; Diaz, Morant; Schlumpf, Alatalo; Zgraggen, Stadler; Thiry; Widerström, Albrecht, Suri; Lammer, Flynn, Everberg; Martschini, McIntyre, Simion; Leuenberger, Senteler, Schnyder; Zehnder.

Bemerkungen: Rapperswil-Jona Lakers ohne Berger (krank) und Gilroy. Zug ohne Klingberg, Zryd, Stephan (alle verletzt) und Roe (gesperrt). – Pfostenschüsse: 48. Knelsen, 59. Hüsler. – Lakers von 57:28 bis 58:08.

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