Hungern für die Millionen

Giannis Antetokounmpo begeistert gerade die NBA. Dass er als Kind in Athen den Müll durchwühlen musste, will er noch heute lieber niemandem erzählen.

«Greek Freak» mit erstaunlichem Werdegang: Giannis Antetokounmpo, Allzweckwaffe der Milwaukee Bucks.

«Greek Freak» mit erstaunlichem Werdegang: Giannis Antetokounmpo, Allzweckwaffe der Milwaukee Bucks. Bild: Keystone

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Lebenswege wie seiner, die faszinieren in diesem Land, im Land der Sportmärchen und der steilen Karrieren. Vom Tellerwäscher zum Millionär, das mögen sie in den USA. Giannis Antetokounmpo begeistert gerade die NBA, er ist auf jedem Zusammenschnitt, jedem Highlight-Video zu sehen, wie er für die Milwaukee Bucks über den Platz fliegt, Knie und Arme und Ellenbogen einsetzt, ein Kämpfer und ein Künstler, verbissen und doch leichtfüssig.

Dass der erst 22-jährige Riese eines Tages in der besten Liga der Welt spielen würde, ahnten seine Trainer schon früh. Es ist bei seinen Massen auch nicht per se eine Überraschung: 2,11 Meter ist er gross, hat Schuhgrösse 49 und mit seinen Armen eine Spannweite von 2,22 Metern. Aber was die Amerikaner und mit ihnen die ganze Basketball-Welt gerade so fasziniert, ist Antetokounmpos Herkunft und sein Werdegang, über den sich der Jüngling bislang ausgeschwiegen hatte.

Aus Athen, aus den Arbeiterviertel Sepolias, da kommt Antetokounmpos her, und dort haben sie ihm längst ein Denkmal gesetzt. Genauer gesagt ein riesiges Graffito. Sein fliegendes Abbild ziert einen ganzen Sportplatz. Hier sind seine Eltern 1991 gestrandet, gekommen aus Nigeria, auf der Suche nach einer besseren Zukunft.

Bis in diese bessere Zukunft ist es für den jungen Giannis keine einfache Jugend. Sein Vater ist nur selten für ihn da, er trinkt zu viel und stirbt zu früh. Nach der Schule versuchte Giannis etwas Geld mitzuverdienen, nachts suchte er manchmal im Müll nach Essbarem. Zum Basketball geht er anfangs nur, weil ein Club in Athen ihn, den gross gewachsenen Jungspund, dafür bescheiden entlöhnt und er so seiner Familie helfen kann. Richtig Spass am Spiel hat er noch nicht.

Das hat sich geändert. Antetokounmpos erzielt in der NBA momentan fast 30 Punkte pro Spiel, das ist der zweitbeste Schnitt der Liga, noch vor dem grossen LeBron James. Und auch unter den Defensivleuten zählt der Grieche mit fast zwei erfolgreichen Blocks pro Spiel zu den Besten. Zusammen mit seiner afrikanischen Herkunft weckt das in der besten Liga der Welt Erinnerungen. An Dikembe Mutombo, den Berg aus dem Kongo. An Hakeem Olajuwon, den Superblocker aus Nigeria.

Und seit sie in seiner neuen Heimat wissen, wie es früher für ihn war, lieben sie ihn umso mehr. Noch immer schweigt Antetokounmpos lieber zu seiner Kindheit, oder erzählt, er habe eine wunderbare Kindheit verbracht. Bereits 2013 schrieb die «New York Times» in einem Porträt über seine Jugend und sein neues Leben nach dem Draft in den USA, wo er schon mal die Schuhe seiner Teamkollegen aus dem Müll fischte. Doch den damals 18-Jährigen kannte noch kaum jemand, die «Times» schrieb seinen Namen noch in der phonetischen Form, «Adetokunbo».

Seine Zeiten als Rookie sind vorbei. Zwar ist Antetokounmpos noch immer erst 22 Jahre alt, aber in der NBA kennt ihn mittlerweile jeder, zumindest unter dem Spitznamen «Greek Freak». Längst ist er schon mit den grossen Clubs der Liga in Verbindung gebracht worden, mit den Lakers und den Heat. Antetokounmpos selber aber ist nicht so der «big city guy», gerade erst im Sommer auf Twitter hat er demonstriert, wie gross seine Loyalität zu den Milwaukee Bucks sei. Dort hat er einen Vertrag bis 2021, der ihm insgesamt 100 Millionen Dollar einbringt. Ein steiler Weg zum Multimillionär. Geschichten, wie sie sie lieben, in den USA.

Erstellt: 04.12.2017, 18:35 Uhr

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