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Italien greift ins Geschehen ein

Heute Montag greift Titelverteidiger Italien ins Geschehen ein. Um 20.30 Uhr trifft er in Kapstadt auf Paraguay. In der Poule E begegnen sich bereits um 13.30 Uhr in Johannesburg Gruppenfavorit Holland und Dänemark, danach ab 16.00 Uhr stehen sich in Bloemfontein Japan und Kamerun gegenüber.

In ihrer Heimat trauen nur wenige der eigenen Squadra den erneuten WM-Titel zu. In den letzten Testspielen vor der WM resultierte für Italien eine Niederlage gegen Mexiko und ein Unentschieden gegen die Schweiz, und Trainer Marcello Lippi ist noch immer auf der Suche nach seiner Stamm-Formation. Auch die internationalen Wettbüros reihen die Italiener ungewöhnlich weit hinten ein. Spanien, Brasilien, Argentinien, England, Holland oder Deutschland werden stärker eingeschätzt.

Doch der vierfache Weltmeister, der an vergangenen Endrunden fast traditionell schlecht aus den Startlöchern kam, erhielt dank einer günstigen Auslosung die Chance, sich ins Turnier zu spielen. Ein Scheitern in einer Gruppe mit Paraguay, der Slowakei und Neuseeland wäre eine Schmach, die trotz aller Vorbehalte kaum vorstellbar scheint.

Neun Weltmeister stehen noch immer in Lippis WM-Kader, doch der Coach sagt: "Alter ist im Fussball keine Schwäche, es bedeutet Erfahrung und Charisma." Neben verdienstvollen Oldies wie Fabio Cannavaro (36), Gianluca Zambrotta (33) oder Goalie Gianluigi Buffon (32) werden wohl auch unbekanntere Akteure wie Verteidiger Christian Maggio (28/Napoli) oder Mittelfeldspieler Claudio Marchisio (24/Juventus) zum Zug kommen. Klar ist, dass Italien gegen Paraguay ohne den an einer Zerrung in der Wade leidenden Andrea Pirlo, den Lenker und Denker der Weltmeister-Truppe von 2006, auflaufen wird.

Italien hat in der Vergangenheit schon dreimal sein WM-Startspiel gegen ein Team aus Südamerika bestreiten müssen und dabei nie verloren. 1966 schlugen die Italiener Chile, 1998 gab es ein 2:2 gegen denselben Gegner, und zuletzt vor acht Jahren starteten sie mit einem 2:0 gegen Ecuador zur WM.

Paraguays populärste Spieler sind alle offensiv tätig und zudem aus der Bundesliga bekannt. Neben dem einstigen Bayern-Spieler Roque Santa Cruz wird wohl der in Argentinien geborene und erst im April eingebürgerte Lucas Barrios von Borussia Dortmund stürmen. Nelson Valdez (ebenfalls Dormtund) dürfte auf der Ersatzbank Platz nehmen, wie auch der angeschlagene José Cardozo von Benfica Lissabon, der Topskorer der portugiesischen Meisterschaft.

In Holland sind die Erwartungen - wieder einmal - sehr hoch. In der WM-Qualifikation hat die Mannschaft keinen einzigen Punkt abgegeben, und auch zuletzt in den Testspielen vor der WM überzeugte sie. 19 Spiele hintereinander haben die Holländer nicht mehr verloren, womit sie aktueller Rekordhalter weltweit sind. Die letzte Niederlage datiert vom 6. September 2008, als es ein 1:2 in einem freundschaftlichen Vergleich gegen Australien gab.

Gedämpft wurde die Euphorie nur durch die Muskelverletzung von Arjen Robben. Der Flügelstürmer ist inzwischen zwar auch in Südafrika präsent, wird vorerst aber noch zuschauen müssen. Dennoch hofft man in Holland, es möge nach den Final-Teilnahmen von 1974 und 1978 zum ersten WM-Titel reichen. Doch "Oranje" ist ein gebranntes Kind. Schon oft glaubten sie sich auf gutem Weg zu einem Titel, ehe sie zumeist an ihrer Selbstüberschätzung scheiterten.

Vor einem ganz speziellen Spiel steht Captain Giovanni van Bronckhorst. Der Abwehrspieler bestreitet sein 100. Länderspiel. Diese Marke haben bisher erst Edwin van der Sar, Frank de Boer und Philip Cocu übertroffen.

Holland trifft zum 29. Mal auf Dänemark, doch an einer WM-Endrunde standen sich die beiden Teams noch nie gegenüber. Eine schmerzhafte Niederlage setzte es für die Holländer allerdings 1992 ab, in den Halbfinals der Europameisterschaft, in denen sie im Penaltyschiessen ausschieden. Die Dänen holten sich danach denTitel.

Dänemark muss auf seinen Topstürmer Nicklas Bendtner verzichten. Die Leistenbeschwerden zwangen den Arsenal-Spieler laut Trainer Morten Olsen zum Forfait. Gespannt darf man auf den talentierten Christian Eriksen von Ajax Amsterdam sein. Der 18-jährige Flügelstürmer ist der jüngste Akteur der WM-Endrunde in Südafrika. Die Dänen zeigen sich unbeeeindruckt: "Die Leute in Holland glauben, dass die Trophäe für sie bereit liegt. Da könnten sie sich irren."

Kamerun tritt gegen Japan als Favorit an. Noch nie haben die Afrikaner ein WM-Startspiel verloren. 1990 schlugen sie die Argentinier und in ihren vier weiteren Auftaktspartien gab es jeweils ein Unentschieden. Japan dagegen konnte noch nie eine WM-Partie ausserhalb des eigenen Landes gewinnen. Die beiden einzige Siege errangen die Japaner 2002 an der WM im eigenen Land.

Ihr Trainer, Takeshi Okada, hat die Latte trotzdem fast unerreichbar hoch gelegt. "Ich will in die Halbfinals", sagt er keck. Der Bosnier Ivica Osim, vor drei Jahren noch Nationalcoach in Japan, macht eine weit weniger optimistische Prognose: "Im japanischen Kader stehen nur vier Legionäre. Die Liga im eigenen Land ist aber zu schwach, um die Spieler auf eine Herausforderung wie die WM vorzubereiten."

Kamerun setzt auf ein ungewöhnliches Sturmduo. Neben Samuel Eto'o, dem unbestrittenen Star des Teams, spielt Eric-Maxim Choupo-Moting vom deutschen Bundesligisten Nürnberg, ein gebürtiger Hamburger. Im März spielte der noch für die deutsche U21.

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