Jetzt beginnt der Multimillionen-Kampf

Die Betreiber der Schweizer Glasfasernetze wollen die TV-Rechte am Schweizer Fussball und Eishockey. Es geht um eine Vormachtstellung.

Bislang hat die Swisscom Fussball und Eishockey via ihre Tochtergesellschaft Teleclub verbreitet.

Bislang hat die Swisscom Fussball und Eishockey via ihre Tochtergesellschaft Teleclub verbreitet. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Hoffnung der Schweizer Spitzenligen in Fussball und Eishockey geht in Erfüllung: Es wird zu einem Wettbieten um die Livebilder kommen. In beiden Sportarten werden die Übertragungsrechte ab der Saison 2017/18 neu vergeben. Mit Suissedigital hat ein erster Konkurrent zum bisherigen Rechteinhaber Swisscom offiziell sein Interesse angemeldet.

Suissedigital ist der Verbund der Betreiber der Schweizer Glasfasernetze; mit UPC Cablecom als grösstem Mitglied und insgesamt rund 2,5 Millionen Kunden. Die Kabelnetzbetreiber hatten sich schon bei der letzten Ausschreibung um die Übertragungsrechte beworben, waren aber unterlegen.

Für die Ligen hatte der Wettkampf zwischen Netzbetreibern und Swisscom einen positiven Effekt: Sowohl die Swiss Football League (SFL) als auch die Swiss Ice Hockey Federation konnten ihre Bilder für deutlich mehr Geld verkaufen. Derzeit erhält die SFL 24 Millionen Franken pro Saison. Im Eishockey ist der Betrag nicht offiziell, es dürfte sich aber um rund 15 Millionen Franken pro Saison handeln. Nun hoffen sowohl Fussballer als auch Eishockeyaner auf noch mehr Einnahmen.

Via Sport wird der Internetanschluss verkauft

Das Ringen um die Sportbilder ist in erster Linie ein Kampf um Marktanteile im Telekommunikationsmarkt. Alleine mit Abonnenten im Pay-TV und Werbung können die Käufer der Bildrechte ihre Ausgaben nämlich kaum wieder hereinholen.

Vielmehr geht es darum, dank Sportübertragungen ein Argument zu haben, mit dem den Kunden ganze Kommunikationspakete verkauft werden. Schliesslich wird der TV-Anschluss heutzutage meist im Verbund mit Internet-, Telefon- und Handy-Abonnement angeboten.

Die Swisscom ist erst 2006 in den TV-Markt eingestiegen und hat sich sogleich via ihre Tochtergesellschaften Cinetrade und Teleclub um die Schweizer Sportrechte bemüht. Der Erfolg gibt dem teilstaatlichen Betrieb recht: Seit Februar 2016 hat die Swisscom erstmals leicht mehr TV-Anschlüsse als Hauptkonkurrent UPC Cablecom (beide rund 1,3 Millionen Kunden).

Livesport auf dem Handy

Im Gegenzug versucht Cablecom, sich einen Teil des Kuchens im Bereich der Mobiltelefonie abzuschneiden. Deshalb geht es dem Kabelriesen auch nicht bloss darum, die Rechte für die klassischen Fernsehübertragungen zu erhalten. Cablecom will auch die mobilen Geräte bedienen, sagt CEO Eric Tveter. Er spricht von Livesport «auf allen Geräten, zu Hause und unterwegs».

Wie wichtig der Zugang zu Sportbildern für die Branche ist, zeigt eine Strafe, die der Swisscom droht: Die Wettbewerbskommission hat eine Busse von 143 Millionen Franken angedroht, weil die Swisscom ihre Marktstellung missbraucht habe. Wer alle Spiele im Schweizer Eishockey und Fussball live sehen will, ist derzeit gezwungen, zu Swisscom-TV zu wechseln. Und das wiederum bedeutet, dass der Kunde mindestens auch seinen Internetanschluss bei Swisscom beziehen muss.

Es könnte ein neuer Schweizer Sportkanal entstehen

Die Pläne von Suissedigital gehen offenbar über die Übertragung der Schweizer Ligen hinaus. Auch ausländische Sportveranstaltungen sollen angeboten werden. Das würde in letzter Konsequenz den Aufbau eines eigenen Sportkanals bedeuten. Was wiederum eine bedrohliche Situation für Teleclub wäre. Der Pay-TV-Sender, der im Besitz von Swisscom ist, hat sein Sportangebot zuletzt stetig ausgebaut. Weit über die Sendungen aus den Schweizer Stadien hinaus.

Als relativ sicher darf gelten, dass sowohl im Fussball als auch im Eishockey Zusammenfassungen und eine bestimmte Anzahl an Livespielen bei SRF im Free-TV zu sehen sein werden. Auch wenn SRF unter Spardruck steht und für die Übertragungsrechte kaum mehr Geld ausgeben kann als bisher. Aber die Präsenz im öffentlich-rechtlichen TV ist für die Sponsoren der Hockey- und Fussballclubs wohl zu wichtig, um SRF nicht mit Bildern zu bedienen.

Etwas anderes wird sich ebenfalls kaum verändern. Im Verhältnis zu anderen Fussballligen Europas sind die Einkünfte im Schweizer Eishockey und Fussball lächerlich gering.

Erstellt: 25.04.2016, 18:54 Uhr

Artikel zum Thema

Dem Schweizer Spitzenfussball fehlt ein Club

Die Swiss Football League hat die Lizenzen für die kommende Saison vergeben. Bleibt es dabei, spielen kommende Saison nur neun Clubs in der Challenge League. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Blogs

Sweet Home Diese Farben geben den guten Ton an

Never Mind the Markets Das griechische Zinswunder

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...