Die schnellste Mutter

Shelly-Ann Fraser-Pryce gewann schon 2009 Sprint-Gold - gewinnt sie den achten WM-Titel?

Mit goldgelben Haaren hat Shelly-Ann Fraser-Pryce allen klargemacht, was am Sonntag in Doha ihr Ziel ist. (Foto: Reuters)

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Es gibt Menschen, die vereinnahmen mit ihrem Strahlen einen ganzen Saal voller Menschen. Zu ihnen gehört Shelly-Ann Fraser-Pryce. Als sie vor Athletissima in Lausanne von ihrer neuen Lebenssituation erzählt, strahlt sie aber nicht nur, ein bisschen Wehmut schwingt im Unterton auch mit: Die jamaikanische Supersprinterin vermisst ihren Sohn, der nicht mitgekommen ist auf die Europatournee seiner schnellen Mutter. Aber sie sagt: «Zyon gibt mir so viel Energie und macht vieles leichter. Mein Mann und ich haben gelernt, was wirklich wichtig ist im Leben, seit er da ist.»

Wirklich wichtig ist natürlich der Dreikäsehoch, der sich gern in der Weitsprunggrube durch den Sand wühlt, während seine Mutter ihr Training absolviert. Und wirklich wichtig ist Fraser-Pryce, dass sie seit zwei Jahren weiss, dass es ein Leben neben der Rundbahn gibt. Zurzeit ist aber gerade dasjenige auf der Bahn wichtig: Fraser-Pryce ist mit sieben WM-Titeln und zwei Olympiasiegen die wohl erfolgreichste Sprinterin neben der Amerikanerin Allyson Felix. In Doha tritt sie in drei Rennen an, über 100 m ist sie Sonntag Abend die grosse Favoritin. Es wäre bereits ihr vierter Titel über diese Distanz nach 2009, 2013 und 2015 – bereits das Triple hatte vor ihr noch niemand erreicht.

Eine Karriere lang im Schatten des Übergrossen

Dass Shelly-Ann Fraser-Pryce in Jamaika zwar eine Nationalheldin ist, im Ausland aber kaum die Beachtung fand, die sie verdient gehabt hätte, hat nichts mit ihren Leistungen, sondern vielmehr mit ihrem übergrossen Landsmann zu tun: Die 32-Jährige sprintete praktisch die ganze Karriere im Schatten von Usain Bolt. Während er mit seinen Entertainer-Qualitäten die Zuschauer vor allem nach getaner Arbeit fesselte, flog sie immer irgendwie unter dem Radar, obwohl auch sie die Staffel wiederholt zu Titeln führte.

Bolt ist 2017 zurückgetreten, Fraser-Pryce hat dieses Jahr der Schwangerschaft wegen ganz ausgelassen und 2018 Anlauf zu Teil 2 ihres Sportlerlebens genommen. Und erstaunlich ist schon, wie nah sie in diesem Sommer ihren Bestleistungen wieder gekommen ist: Im Juni sprintete sie zu Hause in Kingston zu 10,73, in Lausanne siegte sie dann in 10,74 – und blieb damit nur drei und vier Hundertstel über ihrer sieben Jahre alten Bestzeit, die auch jamaikanischer Landesrekord bedeutet.

Die härteste Konkurrentin stammt aus Europa

Mit ihren goldgelben Haaren hat sie gestern im Vorlauf bereits klargemacht, was am Sonntag das Ziel ist. Aber: Mit Elaine Thompson hat sie sogar eine Landsfrau, die in jenem Meisterschaftsrennen in Kingston genau gleich schnell gelaufen ist, diese Zeit danach allerdings nicht bestätigen konnte.

Gefährlicher dürfte Fraser-Pryce die schnellste Europäerin werden: Die Britin Dina Asher-Smith ist als dreifache Europameisterin und Diamond-League-Siegerin nach Katar gekommen. Mit ihren erst 23 Jahren steht sie für die nächste Generation, die nicht erst kommt, sondern bereits da ist.

In 10,85 riss Asher-Smith im vergangenen Jahr in Berlin den britischen Rekord an sich – und schaffte sie es nur schon auf das Podest, wäre sie die erste Britin seit 1983, der dies an Welttitelkämpfen im Sprint gelänge. Aber sie will nicht nur das. Sie will die schnellste Mutter schlagen.

Erstellt: 29.09.2019, 21:11 Uhr

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