Ein wahrer «Ironman»

Der Österreicher Christian Troger ist mit nur einem Bein den härtesten Triathlon gelaufen. Dabei glaubten die Ärzte, er würde niemals auch nur gehen können.

Kein Hinderniss ist zu gross: «Geht nicht» gibts nicht für Christian Troger

Kein Hinderniss ist zu gross: «Geht nicht» gibts nicht für Christian Troger Bild: www.christian-troger.com

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«Die Ärzte erklärten meiner Familie schon früh, dass ich niemals gehen können würde.» Es ist dies einer der ersten Sätze in Christian Trogers Buch «Geht nicht – läuft!» Der heute 32-jährige Österreicher verpackt dabei seine ganz persönliche Lebens- und Leidensgeschichte autobiografisch in eine Art Lebensratgeber.

Christian Troger wurde am 8. Oktober 1983 ohne linkes Bein und ohne linke Hüftpfanne im österreichischen Sittal geboren. Kurz nach seiner Geburt versicherten die Halbgötter in Weiss seinen Eltern, dass ihr Sohn niemals werde gehen können. Sie täuschten sich. Bereits mit 14 Monaten stand der kleine Christian und machte, mithilfe einer rudimentären Beinprothese, seine ersten Schritte.

Dank der Liebe und Unterstützung seiner Familie stand einer «normalen» Zukunft und weiteren Entwicklung nichts im Wege. Troger schreibt: «Rückblickend hatte ich eine wunderschöne Kindheit.» Nach seiner schulischen Ausbildung, die er im Jahr 2002 mit der Handelsschule abschloss, arbeitete er als selbstständiger Handelsvertreter im Direktvertrieb.

«Ein Ironman, das wärs»

Ein Frühsommertag im Jahr 2005 veränderte dann sein Leben, ohne dass er es selbst so geplant hatte. Der Zufall wollte es, dass Troger als Zuschauer bei einer Triathlon-Veranstaltung in Klagenfurt am Wörthersee dabei war – dem Ironman. Fasziniert von dieser Sportart sagte er sich: «Ein Ironman, das wärs. Irgendwann einmal werde ich auch so einen Ironman machen.»

Doch abgesehen davon, dass Christian Troger von Geburt an ein Bein und eine Hüftpfanne fehlen, hatte der Österreicher zu diesem Zeitpunkt mit Sport absolut nichts am Hut und konsumierte diesen höchstens passiv, hauptsächlich vor dem Fernseher. Sein Triathlon bestand, wie er schreibt: «aus Laufen ... von einem Gasthaus zum nächsten, aus Rauchen ... viele, viel zu viele Zigaretten und aus ungesunder Ernährung.»

So verflüchtigte sich denn auch der Gedanke, einmal selbst als Ironman über die Ziellinie zu laufen, ziemlich rasch aus seinem Kopf. Christian Troger war zu diesem Zeitpunkt noch nicht bereit, seinen Traum zu leben. Dies änderte sich dann aber schlagartig, als ihm erneut im Leben jemand sagte, dass er mit seiner Behinderung etwas, das er sich vorgenommen hatte, nicht schaffen könne. Und wieder war es ein Arzt, der ihm seine Illusionen zu rauben versuchte.

226 Kilometer in 17 Stunden

Es war bei einer Routineuntersuchung, als Troger die Ermahnung zu hören bekam: «Christian, du musst in deinem Leben etwas verändern. Wenn du so weitermachst wirst du nicht alt. Rauche weniger, trink weniger Alkohol, ernähre dich gesünder und, vor allem, mach ein bisschen Sport!»

Da war sie wieder – die Erinnerung an den Ironman, von dem Christian Troger schon seit Jahren träumte. Sein Arzt reagierte regelrecht schockiert: «Ein Ironman ist für dich medizinisch unmöglich!» Und fügte hinzu: «Vergiss es, such dir andere Ziele.» Doch der Österreicher liess sich nicht von seinem Vorhaben abbringen. Und erneut lagen die Mediziner falsch. Sein niedergeschriebenes Ziel: «Ich, Christian Troger, werde im Juli 2011 den Kärnten Ironman Austria innerhalb von 17 Stunden erfolgreich beenden!», setzte er in die Tat um. Als erster Mensch mit nur einem Bein ist der Österreicher im Wettkampf 3,8 Kilometer geschwommen, 180 Kilometer Rad gefahren und abschliessend einen Marathon – 42,2 Kilometer gelaufen. An einem Tag und unter 17 Stunden.

Inzwischen ist Christian Troger Welt- und Europameister in einer der härtesten Ausdauerdisziplin. Er ist ein echter Ironman.

Dieses wahr gewordene Märchen hat Christian Troger nun in seinem Buch «Geht nicht – läuft!» zu Papier gebracht. Es ist eine nüchterne, unaufgeregte Lektüre, deren Grundessenz auf der Aussage beruht: «Wer etwas erreichen will, der braucht ein klar definiertes Ziel.»

Christian Troger: «Geht nicht – läuft!», autobiografischer ­Ratgeber, Buch. Bücher Theiss Verlag, ca. Fr. 26.–. (Basler Zeitung)

Erstellt: 25.09.2015, 14:36 Uhr

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