«Ich spürte es»

Kira Grünberg spricht über ihren schweren Unfall und erinnert sich noch an den Anlauf. Ihr Manager weiss, wie sie die Diagnose aufnahm.

Grünberg galt als Nachwuchshoffnung (Leichtathletik-EM 2014 in Zürich).

Grünberg galt als Nachwuchshoffnung (Leichtathletik-EM 2014 in Zürich). Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone

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Vor zehn Tagen veränderte sich Kira Grünbergs Leben auf dramatische Weise. Die 21 Jahre alte Hochleistungssportlerin ist nach einem Trainingsunfall querschnittsgelähmt.

Die «Bild am Sonntag» besuchte sie auf der Intensivstation einer Innsbrucker Klinik. «Ich weiss, dass ich jetzt körperlich schwer behindert bin, aber mein Geist ist wach, und ich gebe nicht auf. Ich werde daraus etwas machen», sagte sie. Sie kann sich an jedes Detail des Unglücks erinnern.

Die Tiroler Stabhochspringerin war nach einem verunglückten Versuch auf eine Metallkante geprallt, zog sich eine Fraktur des fünften Halswirbels zu. Sie ist nun vom Hals abwärts gelähmt. Die Ärzte hatten festgestellt, dass die Prognosen wenig Spielraum für einen positiven Verlauf liessen. Grünberg galt als Nachwuchshoffnung und ist mit übersprungenen 4,45 Metern Österreichs Stabhochsprung-Rekordhalterin.

Das Foto in der «Bild am Sonntag» zeigt sie mit Luftschlauch in der Nase zur Unterstützung der Atmung, rechts neben ihrem Kopf liegt ein Kuscheltier. Ihr Manager, Tom Herzog, erzählte dem Blatt, wie Kira Grünberg den Schicksalsschlag verarbeitete. «Am Tag nach dem Unfall wollte Kira die Diagnose nicht hören. Am zweiten Tag sagten die Ärzte ihr dann, dass die Beeinträchtigungen ihrer Arme und Beine permanent seien. Sie war unfassbar gefasst, hat nicht einmal geweint», sagte er.

Kira Grünberg vergoss keine Träne

Herzog berichtete, Kira Grünberg würde «nicht jammern, nicht weinen. Sie denkt an andere, fragt, was sie tun kann, um ihre Familie zu unterstützen».

Grünberg erzählte ihrem Manager, es sei ein normaler Tag gewesen, sie sei froh gewesen, dass sie sich von einer Bänderverletzung erholt hatte. Sie habe dann «Anlauf genommen und schon in der Luft gemerkt, dass es schiefgeht». Nach dem Aufprall habe sie sofort gewusst, was passiert sei. «Ich spürte es», erzählte sie.

Nach drei Tagen konnte sie selbstständig atmen

Weil Kira Grünberg durch die Querschnittslähmung ihre Bauchdecke nicht mehr bewegen kann, muss sie auf Zwerchfellatmung umstellen. Der Prozess dauere, sagte Herzog, in der Regel meist Wochen. Sie aber habe es schon nach drei Tagen geschafft: «Seither atmet sie allein, macht täglich Atemübungen.»

In drei bis vier Wochen wird sie wohl mit der Reha beginnen. Danach wird sie eine neue Bleibe benötigen. Die Wohnung ihrer Eltern liegt in der ersten Etage. Sie ist nicht rollstuhlgerecht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.08.2015, 12:18 Uhr

In Kooperation mit «Die Welt».

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