Nun läuft er um das grosse Geld

Nach Jahren des mühseligen Anlaufs hat Tadesse Abraham seinen Marktwert markant gesteigert. Der Lohn: Ein Lauf gegen die Legende Kenenisa Bekele.

Ist bei den ganz Grossen angekommen: Tadesse Abraham. Bild: Urs Jaudas

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Schnee in der Schweiz, angenehme Temperaturen um 20 Grad in Äthiopien: Tadesse Abraham ist nach seinem Tanz auf allen Podesten an den Weihnachts- und Silvesterläufen ins Training ins afrikanische Hochland zurückgekehrt. Sein Ziel: der London Marathon am 23. April. Und seit Bekanntgabe des Startfeldes ist klar: Der Schweizer Rekordhalter ist bei den ganz Grossen angekommen.

Angeführt wird das Elitefeld Londons von der äthiopischen Legende Kenenisa Bekele, dem dreifachen Olympiasieger und zweifachen Weltrekordhalter auf der Bahn. In einem spektakulären Finish gewann dieser im September in 2:03:03 Stunden den Berlin-Marathon und verpasste dabei den Weltrekord um nur sieben Sekunden.

Die äthiopische Lauflegende Kenenisa Bekele.

Abraham selber hat sein erfolgreichstes Jahr hinter sich und ist mit seiner Bestzeit von 2:06:40 Stunden, die er vor knapp einem Jahr in Seoul erzielte, auch für die Organisatoren der sogenannten World Marathon Majors, der sechs prestigeträchtigsten Marathon-Veranstaltungen der Welt, interessant geworden. Denn: Der gebürtige Eritreer, der in Genf lebt und für den LC Uster startet, ist derzeit der schnellste Europäer. Er hat dies im Sommer an der EM in Amsterdam über die Halbmarathon-Distanz mit dem Goldgewinn bewiesen, nur wenige Wochen später bestätigte er an den Olympischen Spielen in Rio mit Rang 7 diesen Status. Was er nun anstrebt: Die Verbesserung des Europarekords.

Marktwert markant gesteigert

Mit seinen 34 Jahren bleiben Abraham nicht mehr allzu viele Jahre auf höchstem Niveau. Im längerfristigen Fokus hat er eine zweite Olympiateilnahme 2020 in Tokio, die drei Jahre bis dahin will er – nach einem mehr als zehnjährigen Anlauf in der Schweiz bis zu seinem Durchbruch – nun auch finanziell nutzen: Fürs Erste und den Frühling hat er sich zwischen zwei Offerten für London (und gegen Tokio) entschieden.

Diese Startgelegenheiten hat ihm sein neues Sportmanagement verschafft, mit dem er seit Anfang dieses Jahres zusammenarbeitet. Gemeldet sind nur sieben Läufer, deren Bestzeit tiefer liegt. Zu seinen Gegnern wird aber auch der junge Weltmeister Ghirmay Ghebreslassie aus Eritrea gehören. Gegen ihn verlor Abraham das Duell am GP Bern im Mai, und der 21-Jährige gewann als Olympiavierter Anfang November überraschend den New York Marathon (2:07:51).

Mit seinen herausragenden Leistungen im vergangenen Jahr vermochte Abraham seinen Marktwert markant zu steigern: Wenngleich seine Antrittsgage noch im tiefen fünfstelligen Bereich liegt, kann sein Verdienst bei entsprechender Leistung mit Prämien auf eine sechsstellige Summe anwachsen. Dazu müsste Abraham wohl Europarekord laufen und unter 2:06 Stunden bleiben.

Die magische Marke

Nun ist das so eine Sache mit dem Europarekord. Den hält mit 2:06:10 Stunden seit einem knappen Jahr der Türke Kaan Kigen Özbilen, der kurz zuvor noch als Mike Kigen für sein Heimatland Kenia angetreten war. Die lasche Handhabung des sehr einfachen Nationenwechsels wurde dem Europäischen Leichtathletikverband (EAA) vor allem an der EM in Amsterdam vorgeworfen, als kurzfristig eingebürgerte Athleten serienweise Medaillen für die Türkei gewannen.

Nicht anzunehmen ist aber, dass die EAA Rekorde und Medaillengewinne rückgängig machen wird. Die Marathon-Rekordhalter waren vor Özbilen der Portugiese Antonio Pinto und der Franzose Benoît Zwierzchiewski in 2:06:36. Ihre Zeit ist für Abraham aber nicht mehr von Belang. Seine magische Marke sind die 2:06, die ihn nochmals eine Stufe höher hieven würden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.01.2017, 07:57 Uhr

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