WM-Gold statt Crystal Meth

Noch vor zwei Jahren konsumierte Luvo Manyonga regelmässig Drogen, nun ist er Weltmeister im Weitsprung.

Der Drogensucht davongeflogen: Luvo Manyonga, geläuterter Weitsprung-Champion aus Südafrika.

Der Drogensucht davongeflogen: Luvo Manyonga, geläuterter Weitsprung-Champion aus Südafrika. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mit einer Weite von 8,48 Metern gewann der Südafrikaner Luvo Manyonga am Samstagabend an der Leichtathletik-WM in London nach Olympiasilber 2016 seine erste Goldmedaille auf höchster Stufe. Eigentlich eine logische Entwicklung, wenn man bedenkt, dass der 26-Jährige schon mit 19 die 8-Meter-Marke geknackt hatte.

Vor zwei Jahren aber war der Mann aus dem Township Mbekweni bei Kapstadt noch ganz unten. Er konsumierte regelmässig Crystal Meth und verpasste sogar die Beerdigung seines ehemaligen Trainers, weil er mal wieder am Tik rauchen war. So heisst die Droge in Südafrika.

Er sei an der Schwelle zum Tod gestanden, sagt Manyonga rückblickend. 2012 war er nach einer positiven Dopingprobe – man fand in seinem Blut Spuren von Crystal Meth – für 18 Monate gesperrt worden. Es folgte der totale Absturz.

«Jeden Tag denke ich daran, wo ich wohl wäre, gäbe es die Menschen nicht, die in meinen dunkelsten Tagen an mich geglaubt haben», erklärte der neue Weltmeister vor den Titelkämpfen in London. Er meinte damit vor allem auch seinen Fitnesscoach John McGrath. Der frühere Ruderer chauffierte ihn jeden Morgen aus dem Township zum Training und motivierte ihn, sein Leben dem Sport statt den Drogen zu widmen.

«Ich habe Luvo gesagt: Du kannst kein Doktor werden, aber der beste Weitspringer der Welt. Oder ein Abhängiger bleiben», sagte Manyonga der «Süddeutschen Zeitung». Drei Jahre nach der Sperre nahm der südafrikanische Verband den gefallenen U-20-Weltmeister von 2010 wieder in seine Schoss auf und liess ihn im nationalen Leistungszentrum in Pretoria trainieren.

Das Jahr 2017 ist nun das bislang erfolgreichste in der Karriere des Ex-Junkies Luvo Manyonga. Er sprang mit 8,65 Metern Afrika-Rekord und krönte sich zum Weltmeister. An den kommenden olympischen Spielen 2020 in Tokio ist Manyonga mit dannzumal 29 Jahren im besten Athletenalter. Und wer weiss, vielleicht wird sogar der Uralt-Weltrekord von Mike Powell ein Thema für ihn. Der steht seit 1991 bei 8,95 Metern.

(ak)

Erstellt: 06.08.2017, 14:50 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Blogs

Sweet Home Versteckspiel mit dem TV

Tingler Immer schöner

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Weg damit: Die rund 140 Meter hohen Kühltürme eines geschlossenen Kohlekraftwerks in Jacksonville, Florida, fallen nach der Sprengung in sich zusammen. (16. Juni 2018)
(Bild: Bob Self/The Florida Times) Mehr...