Brägger und Hegi greifen nach den Medaillen

Am Reck qualifizierten sich die beiden Spitzenturner mit Bestnoten für den Gerätefinal. Brägger doppelte am Barren sogar nach.

Die Erwartungen erfüllt: Europameister Pablo Brägger. Foto: Robert Ghement (Keystone)

Die Erwartungen erfüllt: Europameister Pablo Brägger. Foto: Robert Ghement (Keystone)

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Er atmete tief aus. Lächelte leicht ver­legen und deutete mit einer Geste an: Das war ganz schön eng.

Reck-Europameister Pablo Brägger wurde an der WM in Montreal der grossen Erwartungshaltung gerecht, als er seine schwierige Übung ohne Sturz hinter sich brachte. Und am Tag darauf erhielt er die Gewissheit dass er sich für den Gerätefinal vom Sonntag qualifiziert hat – genauso wie Teamkollege Hegi. Am Barren doppelte er schliesslich gar nach: Als Achter rutschte er in den Final, nicht zuletzt dank der Verletzung von Kohei Uchimura. Die Leistung schmälert das nicht: Zwei Gerätefinals an einer WM – das gab es letztmals 1954 für einen Schweizer Turner, Sepp Stalder.

Und am Reck gehört Brägger klar zu den Kandidaten auf eine Medaille, vielleicht sogar Gold. In der Qualifikation liess er den britischen Olympia-Medaillengewinner Nile Wilson ebenso hinter sich wie den Amerikaner Sam Mikulak oder den Deutschen Andreas Bretschneider. Und selbst der holländische Flieger Epke Zonderland konnte seine Note nur egalisieren.

Jeden Zentimeter ausgereizt

Wie wenig es am Reck aber leiden mag, zeigte gerade Bretschneider, der zwar das schwierigste Element an diesem ­Gerät turnte, dabei aber wieder einmal stürzte. Und das erlebte gestern eben auch Brägger – auch er: wieder einmal. Beim zweiten Flugteil, dem sogenannten Kolman, musste er jeden der 169 Zentimeter seines Körpers ausreizen, um die Stange gerade noch fassen zu können.

Weil dies allerdings der einzige heikle Moment blieb, konnte er sich 14,433 Punkte ­notieren lassen – trotz strenger Kampfrichter war das mehr als in der Qualifikation der EM in Rumänien im vergangenen Frühling. Damals steigerte er sich im Final zu Gold.

Ein Duo, das sich antreibt

Gut fünf Monate ist dieser für den Schweizerischen Turnverband historische Erfolg am Königsgerät her, der noch verschönert wurde durch die Silbermedaille von Oliver Hegi. Synchron haben sich Brägger und Hegi in den jüngsten Jahren gegenseitig zu Bestleistungen angetrieben, wobei Brägger den um ein Jahr jüngeren Hegi in Sachen Schwierigkeitswert derzeit übertrifft. Für den weiteren Verlauf des Olympiazyklus hat er bereits Ideen im Kopf, die Übung noch zu erschweren. Hegi ebenso.

Der EM-Titel vergrösserte auch den Druck auf beide Turner, gerade hinsichtlich dieser WM in Montreal. Brägger versucht, diesen gelassen zu nehmen. «Ich bin Europameister, das kann mir keiner mehr nehmen. Ich habe nichts zu verlieren und muss niemandem etwas beweisen», sagt er. Und meint wohl: niemandem ausser sich selbst. Derart entspannt, zeigte er gestern einen starken Wettkampf ohne nennenswerten Fehler. Am Ende trennten ihn vom Ukrainer Oleg Wernjajew nur 1,7 Punkte – und der hatte vor einem Jahr in Rio immerhin Mehrkampf-Silber gewonnen.

Yusof enttäuscht – und trotzdem mit Hoffnung

Auf einen enttäuschenden Tag blickte dagegen Eddy Yusof zurück: Der Schweizer Meister aus Bülach stürzte an seinem 23. Geburtstag gleich dreimal. Am ­Barren verlor er vor der Riesenfelge Halt und Schwung und musste vom ­Gerät. ­Anschliessend am Reck verpasste er nach einem Flug­element den Griff, am Pferdpauschen schliesslich folgte der dritte Sturz. Trotzdem qualifizierte er sich am Ende für den Final der 24 besten Mehrkämpfer und kann es am Donnerstag besser machen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.10.2017, 23:30 Uhr

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