Zum Hauptinhalt springen

Der kriselnde Dominator will den Fluch brechen

Renaud Lavillenie prägt den Stabhochsprung seit Jahren – Weltmeister wurde er aber nie. Wieso sich das in London trotz Formtief ändern soll.

Er ist einer der erfolgreichsten Stabhochspringer der Geschichte: Der Franzose Renaud Lavillenie.
Er ist einer der erfolgreichsten Stabhochspringer der Geschichte: Der Franzose Renaud Lavillenie.
Keystone
2014 brach er den 21 Jahre alten Rekord von Legende Sergey Bubka und übersprang über 6,16 Meter.
2014 brach er den 21 Jahre alten Rekord von Legende Sergey Bubka und übersprang über 6,16 Meter.
Keystone
Nun will der 30-Jährige in London zurückschlagen. Am Sonntag qualifizierte er sich souverän für den Final. Ein gutes Omen: Im Olympiastadion der englischen Hauptstadt blieb Lavillenie bisher ungeschlagen.
Nun will der 30-Jährige in London zurückschlagen. Am Sonntag qualifizierte er sich souverän für den Final. Ein gutes Omen: Im Olympiastadion der englischen Hauptstadt blieb Lavillenie bisher ungeschlagen.
Keystone
1 / 7

6,16 Meter hoch. Über eine Sekunde in der Luft. Dann grenzenloser Jubel: Als Renaud Lavillenie 2014 in Donezk in der Halle den 21 Jahre alten Weltrekord von Sergey Bubka um einen Zentimeter übertrifft, brechen alle Dämme. Lavillenie fasst sich ungläubig an den Kopf, Tränen fliessen. Der Sprung zementiert seinen Status als einer der erfolgreichsten Stabhochspringer der Geschichte.

Weltrekordhalter, Olympiasieger, dreifacher Europameister, zweifacher Hallenweltmeister, vierfacher Halleneuropameister und von 2010 bis 2015 Gewinner der Gesamtwertung der Diamond League: Lavillenie prägte in den letzten Jahren seinen Sport wie kein zweiter. Und doch ist eine Lücke im Palmarès zu entdecken. Etwas, das dem Franzosen zur sportlichen Vervollständigung noch fehlt: der Weltmeistertitel. Es scheint ein hartnäckiger Fluch, den er einfach nicht brechen kann.

Viermal trat Lavillenie an Weltmeisterschaften an, viermal sicherte er sich eine Medaille – nur war es nie die goldene. In Berlin 2009 und Daegu 2011 beendete er den Wettkampf jeweils auf dem dritten Platz. 2013 in Moskau übersprang er 5,89 Meter, doch auch das reichte nicht für den Titel. Damals musste sich der Franzose mit Silber begnügen. Vor zwei Jahren in Peking galt Lavillenie nach seinem Weltrekordsprung als klarer Favorit, jedoch scheiterte er wieder an der Konkurrenz – und sich selbst. 5,90 Meter, die er sonst in der Regel übersprang, bedeuteten nach drei Versuchen Endstation. Wieder wurde es «nur» Bronze, wieder nichts mit dem Weltmeistertitel.

WM zum unpassendsten Zeitpunkt

Heute Abend in London ermittelt die Stabhochsprung-Konkurrenz erneut den Weltmeister. Und erneut mit dabei ist der 30-Jährige. Doch scheinen sich die Vorzeichen im Vergleich zu den letzten Weltmeisterschaften geändert zu haben: «Air Lavillenie» ist nicht mehr der Überflieger, den er jahrelang verkörperte.

Angefangen hat die Baisse 2016, als Lavillenie an den Europameisterschaften in Amsterdam bei schweren Bedingungen dreimal an der Anfangshöhe von 5,75 Metern scheiterte – und somit ohne Edelmetall blieb. Zwar konnte er sich daraufhin an den Olympischen Spielen in Rio mit der Silbermedaille rehabilitieren, doch fiel er dabei in ein kontroverses Licht. Nachdem er das Publikum als unfair abstempelte und kritisierte, die Einheimischen hätten den Brasilianer Thiago Braz da Silva zum Olympiasieg getragen, wurde er bei der Siegerehrung gnadenlos ausgebuht. Lavillenie brach dabei in Tränen aus.

Sportlich lief es dem Franzosen seither nicht mehr optimal. Die Hallensaison beendete er aufgrund einer Verletzung vorzeitig und verzichtete somit auch auf die Titelverteidigung bei der Halleneuropameisterschaft in Belgrad. Unter freiem Himmel blieben die Leistungen von Lavillenie bescheiden. 5,87 Meter, gesprungen in Lausanne, sind seine Saisonbestleistung, zuletzt resultierte ein fünfter Platz in Monaco. Da kommt die WM, an der der Franzose eigentlich seinen Palmarès vervollständigen will, zum ungünstigsten Zeitpunkt.

Die Erinnerungen als Antrieb

Das Teilnehmerfeld in London ist hochkarätig: Der 24-jährige Pole Piotr Lisek hält zurzeit die Jahresweltbestleistung (6,00 Meter in der Halle), der Amerikaner Sam Kendricks hat die sechs Meter ebenfalls erstmals übersprungen, und mit Shawnacy Barber, Raphael Holzdeppe und Pawel Wojciechowski sind auch die ehemaligen Weltmeister am Start. Und doch schauen alle auf Lavillenie.

Denn trotz des bisherigen Saisonverlaufs bleibt der Franzose ein Mitfavorit auf den Titel – auch, weil er in London 2012 Olympiasieger wurde und an dieser Stätte noch nie einen Wettkampf verloren hat. «Es ist schon besonders, in ein Stadion zurückzukehren, an das du all die schönen Erinnerungen hast», sagte der 30-Jährige gegenüber den französischen Medien. «Nach einer solchen Saison tut das dem Selbstvertrauen gut und du bekommst so eine positivere Einstellung.»

Bei der Qualifikation am Sonntag hat die positivere Einstellung wohl bereits gewirkt. Der Franzose übersprang gleich beim ersten Versuch die 5,60 und 5,70 Meter und qualifizierte sich souverän für den Final. Ginge es nach den bisherigen Teilnahmen in London, müsste Lavillenie nun heute Weltmeister werden. Ginge es jedoch nach den vergangenen Weltmeisterschaften, müsste er heute verlieren. Fakt ist: Eine Serie wird brechen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch