Der künftige Weltmeister und Olympiasieger

Der 19-jährige Armand Duplantis weiss mit maximalen Erwartungen umzugehen.

Armand Duplantis: Als Athlet fühlt er sich nicht jung. Foto: Reuters

Armand Duplantis: Als Athlet fühlt er sich nicht jung. Foto: Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Zum Glück ist da noch die jüngere Schwester Johanna. Wäre ja schade, wenn die Sprunganlage im Garten der Familie Duplantis unbenutzt bliebe, Moos und Unkraut Überhand nähmen. 16 Jahre alt ist der jüngste Spross der Sportlerfamilie mittlerweile und springt immer noch ab und zu, ganz alleine.

Armand Duplantis muss schmunzeln, wenn er an die Anlage denkt. Gesprungen ist er schon lange nicht mehr im elterlichen Garten. Er ist ihr längst entwachsen. 5,20 Meter sprang er dort einst. Mit solchen Hüpfern hält er sich nicht mehr auf. Daheim in Lafayette, Louisiana, ist er mit dem Virus infiziert worden. Mit vier oder fünf versuchte er sich erstmals mit einem Stab. Er startet für Schweden, die Heimat seiner Mutter.

15 Jahre später ist er in der Weltklasse angekommen. Und springt heute um den WM-Titel. Ein 19-Jähriger im WM-Final, das alleine ist noch keine Schlagzeile wert – Bo Kanda Lita Baehre hat den gleichen Jahrgang und springt heute Abend ebenfalls mit. Doch die Differenz zwischen den beiden ist beträchtlich: Während der Deutsche für die Qualifikation bis an zwei Zentimeter an seine persönliche Bestmarke (5,72 m) heransprang, blieb der Schwede 30 Zentimeter unter seiner (6,05 m).

Mondo: Der Spitzname passt

Vor einem Jahr stellte Duplantis diese auf, auf der grössten Bühne seiner noch jungen Karriere. Im EM-Final im Berliner Olympiastadion übertraf er so sein Vorbild, Weltrekordhalter Renaud Lavillenie (6,16 m), wurde Europameister.

 «Ich versuche, den Druck zu meinem Vorteil zu nützen. Er gibt mir Adrenalin. Und wie heisst das Sprichwort: Erst durch Druck entstehen Diamanten.»Armand Duplantis

In seinem Umfeld wird Duplantis Mondo gerufen. Eigentlich angelehnt an seinen Vornamen, passt der Spitzname auch sonst. Nichts weniger als Mondo, italienisch für Welt, will er in seiner Disziplin erobern. «Alle erwarten, dass ich den Weltrekord breche. Das ist die Realität. Sie erwarten, dass ich die Olympischen Spiele gewinne, die WM», zählt er auf.

Das ist die Flughöhe, auf der sich Duplantis bewegt: maximale Erwartungen. Manchen 19-Jährigen würfe das aus der Bahn. Ihn nicht: «Ich versuche, den Druck zu meinem Vorteil zu nützen. Er gibt mir Adrenalin. Und wie heisst das Sprichwort: Erst durch Druck entstehen Diamanten.» Ihn erschüttert das nicht, weil er seit einigen Jahren nichts anderes tut, als Rekorde aufzustellen. Mit sieben gelang ihm die erste Altersbesthöhe, die 6,05 Meter in Berlin waren dann U-20-Rekord. Im EM-Final hatte er diesen – bereits zuvor von ihm gehalten – gleich um 12 Zentimeter angehoben.

Dass Duplantis so jung so hoch fliegt, ist verrückt. Für alle, nur nicht für ihn: «Als Stabhochspringer habe ich mich nie jung gefühlt. Nicht wenn ich unten auf der Anlage stehe – weil ich schon so lange springe.»

2019 war für ihn bislang eine gute, aber keine überragende Saison. Immer wieder war da der Amerikaner Sam Kendricks, der seine Höhenflüge noch einen Hauch konstanter ablieferte. Auf dieses Duell könnte es auch heute hinauslaufen. Und wenn es nicht klappt mit Gold an der ersten Elite-WM? «Ich glaube nicht, dass es für mich heisst jetzt oder nie, 2019 und 2020. Die Fragen kämen erst in einigen Jahren. Aber darüber mag ich mir auch keine Gedanken machen.»

Fliegen wie der kleine Junge

Ohne Wettkampfdress wird Duplantis’ Jugend sofort deutlich. Privat trägt er eine Nickelbrille, wie sie derzeit angesagt ist. John Lennon habe ihn inspiriert, erzählt er mit träumerischem Blick von den Beatles, die er derzeit für sich entdeckt.

Die Liverpooler und ihr Weltpublikum werden ihn heute im leeren Stadion von Doha kaum zu Höhenflügen inspirieren. Eine andere Erinnerung viel eher. Vielleicht wird es ihm vorkommen wie einst daheim im Garten, als der kleine Junge hoch und höher sprang – obwohl niemand zuschaute.

Erstellt: 01.10.2019, 14:53 Uhr

Artikel zum Thema

Der kriselnde Dominator will den Fluch brechen

Renaud Lavillenie prägt den Stabhochsprung seit Jahren – Weltmeister wurde er aber nie. Wieso sich das in London trotz Formtief ändern soll. Mehr...

Airlines haben ein Problem mit Stabhochspringern

Die Leichtathleten zählen zu den Passagieren mit dem sperrigsten Gepäck. Jetzt wollen Fluggesellschaften ihre Stäbe nicht mehr transportieren. Mehr...

Airlines haben ein Problem mit Stabhochspringern

Die Leichtathleten zählen zu den Passagieren mit dem sperrigsten Gepäck. Jetzt wollen Fluggesellschaften ihre Stäbe nicht mehr transportieren. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Grosser Sammelspass für die ganze Familie

Perfekt für kalte Wintertage: Bei jedem Einkauf Marken sammeln und gegen exklusive «Disney Winterzauber»-Prämien von Coop eintauschen!

Kommentare

Blogs

Von Kopf bis Fuss So wichtig ist Vitamin D

Mamablog «Trennungen werden noch immer tabuisiert»

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Nichts wie weg: Ein Känguru flieht vor den Flammen in Colo Heights, Australien, die bereits 80'000 Hektaren Wald zerstört haben (15. November 2019).
(Bild: Hemmings/Getty Images) Mehr...