Das sind die Schweizer Trümpfe an der WM in Doha

Heute startet die Leichtathletik-WM – und die Schweiz ist mit Top-Athleten dabei. So stehen die Medaillen-Chancen.

Tritt aus der besten Schweizer Position an: Mujinga Kambundji. Foto: Freshfocus

Tritt aus der besten Schweizer Position an: Mujinga Kambundji. Foto: Freshfocus

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Freitag, 27. September – endlich. Es ist der Tag, den die Schweizer Leichtathleten seit Wochen, ja Monaten herbeigesehnt haben. Das Warten, Trainieren, Wiederaufbauen hat ein Ende. Die WM, die noch nie später stattfand und viele bereits in der Olympiavorbereitung für Tokio 2020 beeinträchtigt, beginnt. Swiss Athletics ist mit 16 Frauen und 6 Männern dabei – das sind so viele wie nie zuvor. In London vor zwei Jahren waren es noch 19 gewesen, und die Bilanz war mit vier Finalplätzen und fünf Top-Ten-Rangierungen die erfolgreichste seit den 1980er-Jahren.

Die Schweizer wissen genau, woher sie kommen. Erst seit der Vorbereitung zur Heim-EM 2014 geht es wieder aufwärts – aber: Wenig verwunderlich ist bei dieser Entwicklung, dass die Kontinentalebene noch immer die ist, auf der sie sich am wohlsten fühlen. Nach fünf Medaillen 2016 und dem EM-Titel Tadesse Abrahams in Amsterdam kehrten sie letztes Jahr mit vier Auszeichnungen aus Berlin zurück. Lea Sprunger hatte das erst 8. EM-Gold für die Schweiz gewonnen.

Erhält eine spezielle Chance: Tadesse Abraham. Foto: Freshfocus

Der Schritt auf die WM-Ebene ist gross, er ist trotz dieses Aufschwungs gross geblieben. Und die Rekordgrösse des aktuellen Teams sagt wenig über dessen Qualität aus. Im Verlauf der langen und wechselvollen Saison hat man sogar den Eindruck erhalten, dass die Ausgangslage 2017 günstiger war, dass neben Rekordsprinterin Mujinga Kambundji kaum jemand zu glänzen vermag. Aber wie sagte Stabspringerin Nicole Büchler, die Routinierteste mit der sechsten WM-Teilnahme, sehr treffend: «Ich muess Schwein ha.» Und meinte damit: um den Final (der besten 12) zu erreichen.

Kambundji «noch fitter»

Anderen dürfte es ähnlich ergehen. Neben Büchler, die nach der Schwangerschaft im letzten Jahr erst wieder in den Wettkampfbetrieb zurückkehrte, wurde auch 800-m-Läuferin Selina Büchel, zweifache Indoor-Europameisterin, nach schwieriger Saison im letzten Moment eingeladen. Weltweit hatten zu wenige die Richtlinien erfüllt, die Startfelder aber sollten gefüllt sein. Büchel hat einen Trainerwechsel und eine Neuausrichtung des Trainings hinter sich, die sie nicht weitergebracht haben. Sie ist in dieser Saison nie unter 2:01 Minuten geblieben.

Will ihre EM-Medaille bestätigen: Lea Sprunger. Foto: Freshfocus

Nicht nur sie tat sich aber schwer mit dem Formaufbau, auch Kambundji, Hürden-Europameisterin Sprunger, Kariem Hussein ­sowie die Sprinterinnen Sarah Atcho und Ajla Del Ponte schlingerten mehr recht als gut durch den Sommer. Sie alle haben wie Büchel einen Trainer- oder zumindest Trainingsortwechsel hinter sich, der sich ­weniger positiv auswirkte als erhofft. Auf einen aussichtsreichen Weg zurückgekämpft hat sich Kambundji, deren Saisonverlauf spät doch noch ein Steigerungslauf wurde und an den nationalen Meisterschaften in Basel in der herausragenden Zeit von 11,00 Sekunden über 100 m gipfelte. Sie sagte: «Wir konnten nun in der Türkei unter besten Bedingungen trainieren, ich denke, dass ich noch ein wenig fitter bin.» Sie habe versucht, sich in jedem Bereich zu verbessern, und habe sehr viel Selbstvertrauen.

Er sei erst in der unmittelbaren Vorbereitung in Belek (TUR) wieder in Form gekommen: Alex Wilson. Foto: Freshfocus

In der Liste der gemeldeten Athletinnen liegt sie über 100 m an siebter Stelle, über 200 m sogar an sechster. Aus solch aussichtsreicher Position ist die Bernerin noch nie in eine WM gestartet. Ihre Finalchancen teilt sie mit Alex Wilson, der von sich sagt, er sei erst in der unmittelbaren Vorbereitung in Belek (TUR) wieder in Form gekommen. Und er fügte an: «Sonst wäre ich gar nicht angereist.» Sein Fokus liegt auf den 200 m, «die 100 m helfen mir aber für dieses Rennen».

Marathon-Start 23.59 Uhr

So schwierig die Situation für die Langstreckenläufer erscheint, so gross könnte die Chance für Abraham sein, der im letzten Jahr EM-Silber im Marathon gewann und im Frühling in Wien als Zweiter in 2:07 glänzte. Viele der absoluten Spitzenläufer haben der Hitze und Startzeit wegen (23.59 Uhr Ortszeit am nächsten Samstag) auf eine Teilnahme verzichtet. Abraham trainiert bis zuletzt in Äthiopien, nicht wie üblich in Addis Abeba, sondern südlicher, um sich an die Hitze zu gewöhnen. Ähnlich bereitete sich Julien Wanders auf seine erste WM vor – in Kenia. «Warm ist es dort ohnehin, aber auch ich habe die Hitze gesucht.» Er tritt heute zum 5000-m-Vorlauf an. Im auf rund 25 Grad abgekühlten Khalifa Stadium.

Erstellt: 26.09.2019, 23:00 Uhr

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