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«Es fehlen fünf Prozent, die schwierigsten fünf»

4 Finalplätze, 5 in den Top Ten: Der Chef Leistungssport Peter Haas sagt, was er an der besten Schweizer WM seit den 80ern herausragend fand. Und wo er noch Potenzial sieht.

Schweizer Sprint in die Weltspitze: In der Frauenstaffel schickt Mujinga Kambundji Schlussläuferin Salomé Kora ins Rennen. Foto: Anke Wälischmiller/imago
Schweizer Sprint in die Weltspitze: In der Frauenstaffel schickt Mujinga Kambundji Schlussläuferin Salomé Kora ins Rennen. Foto: Anke Wälischmiller/imago

Wenn Sie die WM in einem Satz beschreiben sollen, wie lautet er?

Sie war unsere Bestätigung auf Weltniveau.

An den Erwartungen von Swiss Athletics gemessen: Wie haben die 19 Athletinnen und Athleten abgeschnitten?

Sehr gut. Deshalb spreche ich von einer Bestätigung. Sie haben die Tendenz der vergangenen Jahre, auch die an den Grossanlässen, absolut bestätigt. Das tönt vielleicht ein bisschen zurück­haltend. Aber wir hatten während der Saison etliche Topresultate, und des­wegen waren die Erwartungen nicht mehr nur klein. Die WM mit vier Finalplätzen und fünf Top-Ten-Rängen war die Fortsetzung dieses erfolgreichen Sommers mit dem Aufstieg an der Team-EM in die Super League und den Erfolgen an den Nachwuchsanlässen. Wir hatten in London 20 Starts, und nur bei fünf sind Leistung und Melderang nicht bestätigt worden. In den andern waren sie teilweise massiv besser.

Welche Leistung hat Sie am meisten überrascht?

Jene von Siebenkämpferin Géraldine Ruckstuhl. Das war outstanding! Sie hatte zuvor schon mit Götzis, der Team-EM, der Team-EM der Mehrkämpfer und der U-20-Europameisterschaft eine unheimliche Serie hingelegt und zweimal den Schweizer Rekord ver­bessert. Das hat mich beeindruckt. Und wie sie sich in London als erst 19-Jährige unerschrocken gegen einen Teil der Weltkonkurrenz durchsetzte, war grosse Klasse und lässt hoffen. Sie ist für mich das Sinnbild für die Jungen, die noch nicht ganz so weit sind. Sie zeigt, dass es unter den Bedingungen, wie wir sie haben, möglich ist, Erfolg zu haben.

Was denken Sie, wenn Sie hören oder lesen, Lea Sprunger oder die Staffel als Fünfte hätten eine Medaille verpasst?

Ich kann nachvollziehen, dass die ­Erwartungen hoch sind, wenn Schweizer in einem Achterfinal auf der Bahn stehen. Da fängt tatsächlich wieder alles bei null an, das ist speziell, vor allem im Staffelwettbewerb. Aber man muss sich schon bewusst sein, dass hier die Besten der Welt am Start sind und was es heisst, nur schon so weit zu kommen. Die Leichtathletik ist eine globale Sportart wie kaum eine andere, da sind etwa 200 Länder dabei. Es ist nicht selbst­verständlich, einen solchen Final überhaupt zu erreichen. Auf Medaillenniveau sind wir noch nicht ganz.

Was fehlt bis zur Weltspitze?

Teilweise wenig, wir haben es gesehen. Bei Lea Sprunger, Mujinga Kambundji oder Kariem Hussein sind es rudimentär ausgedrückt fünf Prozent. Das sind aber auch die anspruchsvollsten fünf Prozent. Dieser Schritt scheint klein, ist in der Realität aber enorm gross. Da reicht Training allein nicht, wichtigste Voraussetzung ist, dass der Athlet gesund bleibt. Ein grosser Teil des Talents ist Robustheit.

Wo gibt es noch Potenzial?

Ganz klar bei den Männern und im technischen Bereich. Dass nur so wenige in der Spitze dabei sind, könnte meiner Meinung nach in der Schweiz ein gesellschaftspolitisches Phänomen sein. Das Sicherheitsdenken ist gross, gerade in der Übergangskategorie U-23 stellt sich für viele bald die Frage, was nach der Sportkarriere kommt. Frauen denken da viel offensiver. Sie sind definitiv eher ­bereit, mehr in den Sport zu investieren, mehr zu trainieren. Dass das Dualsystem aber funktionieren kann, zeigt Hussein, ihm ist das Studium ebenso wichtig wie der Sport.

Von den 19 Athleten waren mit den beiden Stabspringerinnen und den beiden Siebenkämpferinnen nur vier Technikerinnen dabei. Warum sind es nicht mehr?

Wir müssen künftig mehr Junge zum Werfen animieren, aber auch da sind wir auf gut ausgebildete Trainer angewiesen. Die Entwicklung bei den Mehrkämpferinnen Ruckstuhl und Caroline Agnou ist erfreulich. Und es gibt auch Anzeichen mit beispielsweise dem Stabhochspringer Dominik Alberto und den Weitspringern Benjamin Gföhler und Christopher Ullmann, die hoffen lassen.

Was muss der Verband gewährleisten, damit der Aufwärtstrend anhält?

Das Wichtigste ist, dass weiterhin Druck von unten kommt. Dass Junge gewillt sind, den Weg zu gehen, und dass die ­Arrivierten die Bedingungen haben, sich weiter zu verbessern.

In einem Jahr findet eine EM statt – eine rosige Aussicht?

Ja, definitiv, das ist unsere Ebene. Wir haben im vergangenen Jahr in Amsterdam mit fünf Medaillen unsere erfolgreichste je erlebt. In Berlin wollen wir die Serie, die 2014 in Zürich begonnen hat, fortsetzen. Sie hat nicht nur bei ­Athleten eine positive Dynamik aus­gelöst, sondern auch in den Vereinen.

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