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«Frauen sind viel ziel- und erfolgsorientierter als Männer»

Laurent Meuwly machte als Trainer aus der 7-Kämpferin Lea Sprunger über 400 m Hürden eine WM-Finalistin.

Lea Sprunger ist bereit für den heutigen WM-Final. Sie fand mit ihrem Trainer den richtigen Mix zwischen Ausdauer-,Sprint- und Krafttraining.
Lea Sprunger ist bereit für den heutigen WM-Final. Sie fand mit ihrem Trainer den richtigen Mix zwischen Ausdauer-,Sprint- und Krafttraining.
Keystone

Wieso gewinnt Lea Sprunger eine WM-Medaille?

Weil im Moment alles stimmt: Physisch, mental, das Selbstvertrauen ist da, und von den Konkurrentinnen hat sie ausser Kori Carter alle schon einmal geschlagen. Eine Medaille ist nicht utopisch, von allen Finalistinnen belegt sie Rang 3 in der Saisonbestenliste.

Was sind ihre Vorteile gegenüber den Konkurrentinnen?

Sie ist kräftig, schnell und hat von allen das beste Stehvermögen. Viele haben auf der Schlussgeraden Mühe, sie aber kann ihren Rhythmus mit 15 Schritten zwischen den Hürden durchlaufen und viel aufholen. Dieses Rennen gewinnt man nicht auf den ersten 200 Metern, sondern auf den letzten 100. Oder anders gesagt: Wer zu schnell startet, verliert das Rennen am Anfang.

Lea Sprunger läuft erst seit drei Jahren über die lange Hürden­distanz. Wie waren solche Fortschritte in so kurzer Zeit möglich?

Sie war nie verletzt, konnte ohne Pause und Programmänderung trainieren, das war sehr wichtig. Als sie mit dem Siebenkampf aufhörte, waren die 800 m ihre Schwäche, sie hat deshalb sehr viel Ausdauer trainiert und grosse Fortschritte gemacht. Entscheidend war aber, dass sie dabei im Sprint nicht langsamer wurde. Wir haben wohl den richtigen Mix zwischen Ausdauer-, Sprint- und Krafttraining gefunden. Für mich als Trainer ist es ein Vorteil, dass sie eine Athletin ist, die immer hohe Ziele hatte. Als sie auf die 200 Meter wechselte, schaffte sie schon nach drei Monaten die Olympialimite. Nach dem Wechsel auf die 400 m Hürden wollte sie das bezüglich WM dann ebenso schnell – auch das erreichte sie und wurde in Peking 13.

Wie gross ist ihr Potenzial?

Bereits im nächsten Jahr wird sie wieder mehr Erfahrung haben, und zwar von einer WM, an der sie eine Rolle spielte. Ihre Gegnerinnen im Final haben diese Erfahrung. Allerdings wird sie kaum ­einmal die Technik über die Hürden ­beherrschen wie Zuzana Hejnova oder Kori Carter. Sie ist 27, hat spät ­gewechselt, das kann sie nicht mehr aufholen.

Die 400 m sind keine Alternative?

Für die Finalqualifikaton hier hätte sie 50,70 laufen müssen – so weit ist sie nicht. Zudem tauchen in den Sprintdisziplinen jedes Jahr junge Athletinnen zuvorderst auf, die niemand kennt. Das ist über die Hürden nicht so. Da sind die Anforderungen zu hoch. Die Technik, die Taktik, die Erfahrung, alles spielt eine Rolle. Niemand wird von einem Tag auf den andern Hürdenläufer. Das ist auch unsere Chance: Unsere Junioren sind physisch nicht so weit wie junge Amerikaner und Jamaikaner, die mit ihrem College-System die Athleten früher fördern. Deshalb müssen wir es mit Taktik und Technik machen.

Sie trainieren vor allem Athletinnen, haben die Schweizer Staffel auf­gebaut und mit den meisten Erfolg. Arbeiten Sie lieber mit Frauen?

Ja. Sie sind viel ziel- und erfolgsorientierter als Männer. Frauen machen alles, um ihr Ziel zu erreichen. Von ihnen habe ich immer mehr verlangen können, und sie muss ich meist bremsen. Männer muss ich immer pushen. Bei den Frauen gibt es zwar oft Diskussionen, wieso man etwas tut, aber sie machen es auch. Bei den Männern ist es anders: Sie sind von vornherein überzeugt, dass sie ein Ziel erreichen, den Weg dorthin wissen sie aber nicht und wollen ihn auch nicht wissen. Ich glaube, bei Frauen kann ich auch im mentalen Bereich mehr Einfluss nehmen, da geht es nicht nur um Technik und Physisches, sondern auch um Motivation und Emotionen.

Entspricht auch Lea Sprunger ­diesem Muster?

Ja, sie will erfolgreich sein und tut alles dafür. Das spürt man im Training sofort.

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