«Ich höre nur Doping, Doping»

Sprintstar Usain Bolt gibt sich vor dem 100-m-Vorlauf heute Samstag und dem Final morgen locker und bereit zur Titelverteidigung – obwohl er diesmal nur Mitfavorit ist.

In Peking begann 2008 Usain Bolts Dominanz – geht sie nun zu Ende oder schliesst sich der Kreis? Foto: Keystone

In Peking begann 2008 Usain Bolts Dominanz – geht sie nun zu Ende oder schliesst sich der Kreis? Foto: Keystone

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Als er den riesigen, prunkvollen Saal im Nobelhotel verliess, verneigte sich Usain Bolt galant vor seinen Zuhörern. Trotzdem. Denn eben noch hatte der sechs­fache Olympiasieger und achtfache Weltmeister vor den rund 350 Medienschaffenden geklagt. Es sei traurig, dass es im Vorfeld dieser Leichtathletik-WM nur ein Thema gegeben habe, «seit ­Wochen höre ich nur Doping, Doping, Doping». Die Ehrbezeugung wollte er aber doch nicht sein lassen, nicht nur, weil er ein höflicher Mensch ist, sondern weil er natürlich genau wusste, dass sein Ausrüster Puma, der die Konferenz veranstaltete, aus Imagegründen zuvorkommendes Benehmen erwartet.

Dass es in der Leichtathletik in den vergangenen Wochen nur dieses eine Thema gegeben hat, stimmt natürlich nicht. Denn Bolt selber hat in diesem Sommer genügend Anlass zu Geschichten geboten. Diese kamen jedoch kaum über den Status der Spekulation hinaus, weil sich der schnellste Mann der Welt und die vielleicht einzige wirklich grosse Figur dieser Sportart wegen Verletzungen an den Wettkämpfen rarmachte.

Bereit für grosse Töne

Als er dann am verregneten Diamond-League-Meeting in London Ende Juli bei viel Gegenwind die 100 m in überraschenden 9,87 Sekunden lief und damit seine Saisonbestzeit von für ihn erbärmlichen 10,12 getilgt hatte, atmete er auf. Und nicht nur er, sondern auch der Internationale Leichtathletikverband (IAAF). Bolt, das Aushängeschild, schien wieder da, genesen und befreit von Hüft-, Knie- und Knöchelbeschwerden, fast so schnell wie einst. Bolt würde seine Titel in Peking verteidigen wollen und den Saisonhöhepunkt damit in ein grelleres Licht rücken.

Nun ist er also wieder da, wo er 2008 seine Karriere so fulminant lanciert hatte wie wohl keiner vor ihm an Titelkämpfen. Die drei Goldmedaillen über 100 m, 200 m und mit der Staffel hatte er damals alle in Weltrekordzeit gewonnen – und erstmals unterstrichen, dass er der Athlet der wichtigen Wettkämpfe ist. Und er ist es geblieben – ausser bei seinem Fehlstart an der WM 2011 in Daegu.

Schon kurz nach seiner Rückkehr auf die Bahn in London hatte er gross­mäulig verkündet, er sei in diesem Jahr niemals die Nummer 2 gewesen, er sei immer noch die 1 und sein Plan sei, dass sich daran bis zu seinem Karriereende auch nichts ändern werde. In Peking versuchte er nun ebenfalls keine Zweifel darüber aufkommen zu lassen, wie es um ihn steht: «Ich bin in grosser Form. Ich habe an meinem Start gearbeitet, meiner alten Schwäche. Nun bin ich glücklich, dass alles gut zusammen­gekommen ist.»

Der Seriensieger als Ärger

Nur: Erstmals seit seinen Triumphen vor sieben Jahren tritt Bolt lediglich als zweiter Favorit auf den Sprint-Königs­titel an. Sowohl die beiden Amerikaner Justin Gatlin und Trayvon Bromell, der Jamaikaner Asafa Powell, Keston Bledman (Trinidad und Tobago) als auch der Franzose Jimmy Vicaut waren in dieser Saison schon schneller. Gatlin seit Mitte Mai gar eindrückliche viermal. Schon Anfang Saison in Doha verbesserte er im fortgeschrittenen Sprinteralter von 33 Jahren seine persönliche Bestzeit auf 9,74 Sekunden. 16 Hundertstel nur blieb er über dem Weltrekord von Bolt.

Diese Situation ist neu für den langjährigen Dominator. Auf die Frage, wie es denn gewesen sei, während seiner Verletzungspause so viele andere schnell laufen zu sehen, sagte er, es ­ärgere ihn immer sehr, wenn er nicht fit sei – was wohl nur die halbe Wahrheit war. Vor allem ärgert ihn, und das verschwieg er auch nicht, dass er weiterhin gegen Gatlin antreten muss, der bereits zweimal und insgesamt fünf Jahre wegen Dopings gesperrt war. Seit 27 Rennen oder seit September 2013 ist dieser ungeschlagen. «Es gibt die Regeln der IAAF, die sind aus irgendeinem Grund da. Und wenn diese Regeln erlauben, dass er gesperrt wird und danach wieder zurückkehren darf, kann ich nichts dafür», sagte Bolt.

Mit Powell und Tyson Gay kämpfen zwei weitere einstige Gesperrte um die Medaillen. Wenn Bolt also nur immer Doping, Doping, Doping hört, kommt das nicht aus dem Nichts. Sondern auch aus den aktuellen Sprinterfeldern.

Erstellt: 21.08.2015, 23:44 Uhr

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