Schwächeln bis zum Abstieg

Die Super League dürfte für die Schweizer Leichtathleten die Ausnahme bleiben. An der Team-EM gibt es nur vereinzelte Glanzresultate.

Die Schweizer Leichtathletinnen und Leichtathleten (hier Lea Sprunger)zumindest in der Super League der besten Länder am Boden.

Die Schweizer Leichtathletinnen und Leichtathleten (hier Lea Sprunger)zumindest in der Super League der besten Länder am Boden. Bild: Martial Trezzini/Keystone

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Das Positive vorneweg: Swiss Athletics hat eine weitere Nacht in den Top 10 der europäischen Leichtathletik-Länder verbracht. Vor dem letzten Tag der Team-EM in der Super League, wie die höchste Kategorie auch hier heisst, belegen die Schweizer Rang 10 von 12 Nationen, für die Grösse des Landes und die Einwohnerzahl ein herausragendes Resultat. Zum Vergleich: Holland mit seinen Weltstars Sifan Hassan und Dafne Schippers oder Norwegen mit den Ingebrigtsen-Brüdern sowie Karsten Warholm gehörten in diesem Jahr nicht zu dieser Liga.

In einem wohl einmaligen Triumphzug hatte die Schweiz 2017 in Vaasa mit neun Siegen in den 40 Einzeldisziplinen den Aufstieg in die Beletage geschafft. Doch heute Abend wird es im polnischen Bydgoszcz wohl heissen: Wie gewonnen, so zerronnen. Denn der Europäische Verband hat beschlossen, die höchste Liga von zwölf auf acht Nationen zu reduzieren. Das heisst, dass fünf Kandidaten absteigen werden und nur einer von der First League aufsteigt (was Norwegen sein dürfte).

Spitzenplätze von Sprunger, Wanders und der Frauenstaffel

Eine solche EM macht aus Einzel- plötzlich Teamkämpfer und ist in erster Linie eine taktische Veranstaltung: Wer setzt seine rund 45 Athletinnen und Athleten am geschicktesten ein? Es zählt nur der Sieg und nicht eine möglichst gute Zeit. Und am Start stehen nur bedingt die Besten der einzelnen Nationen – gerade in einem Jahr wie diesem: Mit der WM steht Ende September aus Sicht des Individualathleten ja noch ein vergleichsweise viel wichtigerer Anlass an.

So fehlte in Polen mit Alex Wilson der schnellste Schweizer, mit Kariem Hussein der beste Langhürdler und mit Selina Büchel die 800-m-Rekordhalterin. Sie alle versuchen, hinsichtlich der nationalen Meisterschaften am 23./24. August in Basel, Weltklasse Zürich (29.) und der WM Verletzungen und Krankheiten auszukurieren. Hussein und ­Büchel fehlt noch die WM-Limite. EM-Silbergewinnerin Fabienne Schlumpf gar hat ihre Bahnsaison verletzungsbedingt abgebrochen, zum Aufstieg hatte sie in Vaasa alleine zwei Siege oder 24 Punkte beigetragen.

Dass Salomé Kora (100 m) und die Hürdensprinter Jason Joseph und Noemie Zbären am Freitagabend zum Auftakt in Polen ihre Finalchancen verspielten, vereinfachte die Aufgabe für die anderen nicht. So führten vor allem drei zweite Plätze zu Platz 10 und den 105 Punkten: Lea Sprunger lief in 51,84 über 400 m flach, machte dabei aber noch immer nicht den selbstsicheren Eindruck einer Hürden-Europameisterin. Die Frauenstaffel blieb in 43,11 um über acht Zehntel über dem Rekord, und Julien Wanders hatte über 5000 m auf der letzten halben Runde nicht die Endschnelligkeit des Italieners Crippa.

Im Gegensatz zu Delia Sclabas, der über 800 m in 2:02,60 eine europäische U-20-Bestzeit gelang, enttäuschten die U-23-Europameisterinnen Angelica Moser (Stab/4,36 m) und Géraldine Ruckstuhl (Speer/50,70 m) für einmal. Und obwohl Yasmin Giger über 400 m Hürden gute Fünfte wurde, scheint die 19-Jährige zu stagnieren. Vor zwei Jahren war sie bereits 55,90 gelaufen, gestern in 56,34 immerhin Saisonbestzeit.

Favorit Polen führt überlegen, die Deutschen lediglich Fünfte

Zum Abschluss stehen heute Mujinga Kambundji (200 m) und nochmals Sclabas (1500 m) im Fokus. Den Abstieg abwenden können aber wohl auch sie nicht. Nach gut der Hälfte der Wettkämpfe führt Favorit Polen (193 P.) vor den überraschenden Franzosen (181,5) und Italienern. Deutschland (160) auf Platz 5 blieb unter den Erwartungen.



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Erstellt: 11.08.2019, 09:39 Uhr

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