Zurück auf der Überholspur

Mit Gold über 800 m an der Hallen-EM leistete Selina Büchel Herausragendes.

Halleneuropameisterin der Herzen: Selina Büchel nach ihrem Sieg über 800 Meter. Foto: Martin Meissner (AP, Keystone)

Halleneuropameisterin der Herzen: Selina Büchel nach ihrem Sieg über 800 Meter. Foto: Martin Meissner (AP, Keystone)

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Sie hatte mit Gold geliebäugelt, und sie wusste mit diesen Erwartungen umzugehen: Selina Büchel gewann an der Hallen-EM in Prag den Titel über 800 m in 2:01,95. So anders war sie im Vergleich zum Vortag unterwegs auf den vier kurzen Runden. Im Gegensatz zum Halbfinal in der O2-Arena reagierte sie nicht, sie agierte. Leicht nach aussen versetzt, lief sie vorerst hinter der Isländerin Hinriksdottir in Lauerstellung. Nach 500 m ging die 23-Jährige in Führung und widersetzte sich auf der Zielgeraden den Angriffen mit aller Kraft. Mit einem Lachen lief sie ein.

Entspannte sie sich, weil sie in diesem Augenblick spürte, dass sie Hallen-Europameisterin geworden ist? Sie bestritt das: «Ich freute mich über ein Rennen, das mir wirklich geglückt war. Ich wäre in diesem Augenblick aber auch mit Silber glücklich gewesen.» Und natürlich verwandelte sich eine letzte Anspannung in pure Freude, als der Schlussstand feststand: Vier Hundertstel lag Büchel vor der Russin Jekaterina Poistogowa. «In diesem Final machte ich wohl alles richtig», freute sie sich.

Allerdings, muss man anfügen, ist es nicht völlig überraschend zu diesem Erfolg der Toggenburgerin gekommen, dahinter steckt eine Entwicklung. Das läuferische Talent Büchels zeigte sich früh. Schon beim Hügelhochlaufen forderte sie ihre drei älteren Geschwister heraus. Und kaum in der Läuferriege Mosnang, gewann sie ihr erstes Rennen. Acht war sie damals. Und sie hatte das Glück, dass sie von ihren ersten Förderern rechtzeitig weitergeleitet wurde: in den KTV Bütschwil, zu Marlis und Urs Göldi. Das Paar hat es bis heute verstanden, die richtigen Akzente zu setzen – und sich auch Bedenken punkto Trainingsaufwand und -einsatz vonseiten der damaligen Kadertrainerin Sandra Gasser gefallen lassen müssen. Wolle sie längerfristig Erfolg haben, laufe sie zu wenig, sagte Gasser, ihres Zeichens Freiluft-Rekordhalterin über 800 m (1:58,90) und bis gestern letzte Schweizer Hallen-EM-Goldgewinnerin (1987). Vor 7 Jahren war das. Doch der dosierte Weg, kombiniert mit Lehre und Berufsmatura, passte. Büchels Aufstieg ging weiter. Bronze an der U-23-EM 2013 war die erste internationale Auszeichnung. Und der 4. Rang an der Hallen-WM vor einem Jahr bestätigte die Fortschritte.

Nicht wunschgemäss aber glückte die Heim-EM im Sommer in Zürich. Büchel verpasste den Final knapp. Die Enttäuschung sass tief. Und weil sie sich auch mit Abstand keines Fehlers bewusst war, folgerte sie: «Mein Niveau reichte schlicht noch nicht.» In allen Bereichen müsse sie zulegen, bei der Grundschnelligkeit, beim Stehvermögen, im Ausdauerbereich. Nun erntete sie die ersten Früchte dieser Trainingsintensivierung. «Mein Laufstil ist ruhiger, ökonomischer geworden», hat nicht nur sie festgestellt.

Und wo ist Selina Büchel angelangt? «Noch nicht am Ziel», sagte sie. Den Beweis, dass sie im Freien – wie bei der Weltelite üblich – zwei bis drei Sekunden schneller laufen kann, ist sie noch schuldig. «Dieser Titel motiviert mich.» Ebenso, dass «ich über 400 m schneller geworden bin». Jetzt blickt sie bereits Richtung Sommer. Ihre Freiluft-Bestzeit (2:01,42) ist fällig, sie will die 2-Minuten-Marke angreifen. Und sie will sich «während einer längeren Periode auf höchstem Level bewegen» – alles im Hinblick auf das grosse Ziel Olympia 2016. Da spielt auch keine Rolle, dass sie bei ihrem Goldrennen eine Sekunde über ihrer Hallen-Bestzeit geblieben ist. Kommentar, Seite 41

Erstellt: 08.03.2015, 22:11 Uhr

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